Die Zukunft ist schon da! So lautet das selbstbewusst formulierte Motto der „Next Generation“, die mit dieser Bezeichnung titelgebend ihre Uraufführung ‚Ein Abend junger Choreograph: innen‘ ankündigt. Sie steht am Ende der Saison 2026/27. Also so, wie sie sich auch an dem der vorangegangenen präsentierte. Am 24. Juni 2026 präsentierte sich „Next Generation“ in Form von sieben mutigen Shortcuts: kreativ und ideenreich, energiegeladen und rhythmusbetont, dramaturgisch und tänzerisch variationsreich, zeitgenössisch jung sowie mit thematisch zeitgemäßem Ernst – vielversprechend.
Und so kann auch Ballettdirektor Dirk Elwert nicht nur auf überaus erfolgreiche Tanz-Aufführungen zurückblicken, sondern vor allem auf magische Momente zwischen Bühne und Publikum, auf ein „gemeinsames Erleben von Konzentration und Intensität“. Einen Dialog, den er weiterdenken wolle als einen Raum, „in dem Tanz nicht nur gezeigt, sondern gemeinsam erlebt und immer wieder neu entdeckt wird.“ Die derart von Elwert definierte Zukunft für das Ballett Graz wird sich in fünffacher Weise bewähren können:
Ein zweites Mal bei der Wiederaufnahme des das Publikum außergewöhnlich begeisternden Tanzabends „Follia!“ (ab 5. November) Das Choreograph: innen-Duo Iratxe Ansa und Igor Bacovich fasziniert bei diesem zweiteiligen Programm mit „Broken Lines“: Maura Morales bezaubert mit „La Folia“, lässt sinnlich eintauchen in die mitreißende Kraft von Tanz (tanz.at berichtete). 
Eröffnet wird die Saison mit einer Uraufführung, mit „Romeo und Julia“, einem Tanzabend in zwei Teilen von Etienne Béchard (Premiere am 17. Oktober). Der französische Choreograf zeichnet zur emotionsreichen Musik Sergej Prokofjews ein heutiges, ein in düstere Zukunft blickendes, bewegend bewegtes Bild tiefmenschlicher Konflikte und Sehnsüchte; Shakespeares zeitlose Geschichte der Liebe frei interpretiert, zeitgenössischen Tanz, Theater und Akrobatik verbindend.
Ein weiteres Highlight ist das neue Tanzstück von Andonis Foniadakis: „Ikarus“ (Premiere am 27. April 2027). Er verbindet hierin moderne Choreografie mit Elementen kretischer Traditionen. Erzählt er doch vom über Kreta fliegenden Ikarus, der gleichermaßen mutig wie sehnsuchtsvoll von der großen Freiheit träumt. Und er erzählt vom zeitlosen Faktum, dass mutig gelebte Freiheit immer nahe an Gefahr und am Scheitern liegt. Schwerelos scheinen die TänzerInnen die Grenzen zwischen Himmel und Erde zu erkunden; Ihre Emotionen, ihre Freude, Ängste und Enttäuschungen setzt der Choreograf in seiner international gefeierten Produktion nachhaltig tänzerisch beeindruckend um.
Auf der Studiobühne umkreist unter dem Gesamt-Titel „Fremde Heimat“ die Choreografin Heidi Vierthaler, deren Wurzeln in der Steiermark liegen, in „Kogel“ das vielschichtige Thema sowohl aus geografischem Abstand wie zeitlich rückblickend. Der norwegische Choreograf Jon Ole Olstad hinterfragt in „Schneeland“ die Kraft von Stille und Einsamkeit; eine, die im gemeinsamen Atmen und Bewegen sich entfalten kann (27. Februar 2027).