Nacho Duatos Intendanz endete nun - tatsächlich

Staatsballett Berlin: "Sleeping Beauty", Ch: Nacho Duato © Yan Revazov

im Tanzquartier Wien

© Christian Tandberg / Dansens Hus

© Thomas Salamonski

an der Wiener Staatsoper

Wiener Staatsballett: "Die Jahreszeiten", Ch: Martin Schläpfer © Ashley Taylor

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Festwochen EroeffnungMit einem visuellen Feuerwerk wurden die Wiener Festwochen am Rathausplatz eröffnet. Neben Highlights der heimischen Popmusik, etwa mit den Techno-Meistern Kruder & Dorfmeister, steuerte Liquid Loft eine farbenfrohe, sinnliche Intervention bei, die sich stimmig in die eindrucksvollen Visuals von „hand mit auge“ einfügte. David Schalko führte Regie bei dem High-Tech Spektakel „Last Day on Earth“, das rund 50.000 Besucher anlockte. Dagegen nahm sich die Eröffnungsproduktion „Tumulus“ geradezu wie ein Unterstatement aus.

DonQuixoteBerlinAm 28. April 2022 endete die Intendanz Nacho Duatos beim Staatsballett Berlin. Wie das? Hat Duato das Ensemble und die Stadt, die er angeblich ihrer – im Vergleich zu St. Petersburg – relativen Nähe zu Spanien wegen schätzte, nicht längst verlassen? Hat er! Und nicht allein: Als er 2018 nach vier Spielzeiten vorzeitig Platz machte für seine Nachfolger Johannes Öhmann und Sasha Waltz (die dann nur für ein Intermezzo blieben und selbst schon wieder Geschichte sind) verschwanden auch Duatos Choreographien aus dem Repertoire des Staatsballetts. Restlos. 

Toukabri1Nach zwei Jahren pandemiebedingter online-Präsentation wird diese nunmehr fünfte Ausgabe des TQW-Festivals „Rakete“, das sich jüngeren ChoreogafInnen und PerformerInnen mit ihren sehr unterschiedlichen Erzählungen und Erzählweisen widmet, eröffnet von Mohamed Toukabri und Julia Müllner. Der Eine zeigt ein zärtliches Duett mit seiner Mutter, die Andere untersucht Staub auf seine sinnbildlichen Qualitäten.

HilaireEigentlich sollte die nationale Herkunft eines Künstlers kein Thema sein – insbesondere was die in Ihrer „Buntheit“ (auch im Hinblick auf eine zukünftige Weltgemeinschaft!) geradezu vorbildlichen Ballettensembles hierzulande betrifft. Im Fall des unlängst aus dem Amt des Direktors des Bayerischen Staatsballetts geschiedenen Russen Igor Zelensky – vorgeblich aus „familiären Gründen“ – wurde die nationale Herkunft letztlich doch zum Thema, Zum Hauptthema sogar wegen des russischen Überfalls auf die Ukraine und mutmaßlicher Verstrickungen Zelenskys ins „System Putin“. Sein nun äußerst rasch vom – gleichfalls noch neuen – bayerischen Staatsminister für Wissenschaft und Kunst Markus Blume präsentierter Nachfolger Laurent Hilaire ist Franzose. Ein per se interessantes Novum in der langen Geschichte des Balletts in München.

AkramKhan5Die Erzählungen über das Findelkind Mowgli, das im Tierreich des Dschungels zu einem verantwortungsbewussten Jugendlichen reift, sind, seitdem sie von Rudyard Kipling Ende des 19. Jahrhunderts geschrieben wurden, immer wieder Stoff für Film- und Theaterproduktionen. Wenn Akram Khan sich damit beschäftigt, wird daraus ein Meisterwerk des 21. Jahrhunderts. Nicht nur Mowglis Welt gerät hier aus den Fugen. Mit überwältigender visueller und tänzerischer Kraft setzt der britische Choreograf ein Statement über die Zerstörung unseres Lebensraumes, das unter die Haut geht.

Carboni02Menschen, Figuren, die sich – vorerst kaum bemerkt – im und aus dem Alltag von einer Mauer, einem Beton-Trog, einem Schaufenster, von einer Bank lösen und sich zu bewegen beginnen: selbstverständlich, natürlich und nachvollziehbar; im Grunde von jedermann/jederfrau nachahmbar oder aus jedem/jeder sich entwickelnd – entwickelbar. Wenn, frau/man sich darauf einlässt, es zulässt, wenn dem Grundbedürfnis nach Bewegungsfluss Raum gegeben wird. 

Bright Red01„Bright Red“ heißt das 1994 erschienene Album der amerikanischen Avantgarde-Ikone Laurie Anderson, die den Tod ihres Vaters empfand wie das Verbrennen einer ganzen Bibliothek. Das inspirierte den Wiener Choreografen Nikolaus Adler zu seinem gleichnamigen, brillanten Tanzstück. Hier werden Bücher in Bewegung geschrieben, sind Metapher für die Individualität des Menschen.

Ingvartsen1Und sie dreht sich doch! Noch immer! Ja, auch die Corona-Pandemie hat die Welt nicht zum Stillstand gebracht. Historische Mechanismen der Trauma-Bewältigung, Geschichts-Betrachtung und teils ekstatischen Tanz rührt Mette Ingvartsen in ihrer im September 2021 in Essen uraufgeführten Arbeit „The Dancing Public“ an zu einem berauschenden Party-Cocktail. Mit beigemischter subtiler Botschaft.

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