ViolentDelightsIn wortwörtlichem Sinn unter Zugzwang geraten ist Dušana Baltić durch die „Bewegungslosigkeit“ in Klagenfurt, nachdem das Tanzfestival Pelzverkehr im Jahr 2021 seine Tore geschlossen hatte. Die Co-Leiterin der Tanzkompanie „Hungry Sharks“ sah schon länger dringenden Handlungsbedarf, um dem Tanz im südlichsten Bundesland Österreichs wieder eine Festivalbühne zu geben. 

Seit 2011 ist sie in Sachen Tanz unterwegs: anfangs in Madrid, wo sie mit dem Tänzer Valentin Alfery weilte, um Erfahrungen in Sachen Urban Dance zu holen – wie es sich gehört, auf der Straße. Die Tänzer:innen und Performer:innen, die sie dort kennengelernt hatte, lud sie 2012 zu einer Show nach Klagenfurt. Somit war der erste Schritt der Fotografin und Absolventin für Medien- und Kommunikationswissenschaft in Richtung Tanzproduzentin getan, viele Projekte und internationale Touren folgten. Dem dringenden Wunsch, Tanz unter die Menschen zu bringen, gab Dušana Baltić schließlich im Jahr 2025 nach – mit dem Festival „Zugzwang“.OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Wie „Pelzverkehr“ findet auch „Zugzwang“ in den letzten beiden Septemberwochen statt und wie das vorangegangene Festival, welches es in sechs Auflagen gab, stehen Qualität und Vielfalt im Vordergrund. Doch unterscheidet sich „Zugzwang“ durch die Ausrichtung sowie durch die Location und durch die stetige Verankerung von Tanz in Kärnten unter dem Jahr mit Open Classes wesentlich von dem Vorgänger.

Dass Tanz interessiert, zeigte die erste Ausgabe von „Zugzwang“ im letzten Jahr. Neben dem „tanzgetreuen“ Publikum kamen viele neue Neugierige und vermehrt junge Menschen, um an neun Tagen das vielfältige Programm zu sehen und bei den Künstler:innengesprächen mitzudiskutieren. Fast monatlich gab es über das Jahr hinweg frei zugängliche Tanznachmittage mit Anleitungen von eingeladenen Tänzer:innen. Ab dem 17. September steht nun Klagenfurt zum zweiten Mal unter „Zugzwang“.

Hungry Sharks- Destination FCKD -Szene Salzburg2024Was gibt es heuer?

Zwei Uraufführungen, ein Film in österreichischer Erstaufführung, ein performativer Ausflug ins Museum, Workshops, bekannte wie auch neue Protagonist:innen, viele unterschiedliche Stücke und Performances auf der herkömmlichen Bühne oder im Museum und schließlich ein Fest als Abschluss.

Zum Auftakt bringen die „Hungry Sharks“ mit ihrer letzten Produktion „Destination FCKD“ die virtuelle Welt ganz analog auf die Bühne. Im wahrsten Sinne des Wortes bewegen sie sich darin in der Welt des Gamings, indem sie die programmierten Muster sogenannter NPCs – Non-Playable-Characters (Statist:innen in Computerspielen, die nicht bewegt werden können) erforschten und in ein Stück gossen.OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Michael Sellner und Anna Possarnig kommen mit Uraufführungen nach Klagenfurt. Während Sellner in „The Show Must Go Wrong“ in die Rolle des Narren schlüpft, geht Possarnig in „Respire“ mit dem Saxofonisten Joel Diegert in einen Dialog zwischen Atem, Bewegung und Klang. Ins Kärntner Landesmuseum führt das Künstler:innen-Duo Navaridas & Deutinger, um uns mit „Emancipation of Wonder“ wieder zu kindlichem Staunen anzuregen.

Vielfalt bringen jeweils zwei Abende mit „Shorts“, also kurzen Stücken von unterschiedlichen Tänzer:innen und Performer:innen: Andrea Givanovitch & Luisa Heilbron, Jacob Börlin, Francesca de Girolamo, Helena Araújo, Mzamo Nondlwana und Pedra Costa, Gabriel Zúñiga, Keptisk Collective.

DogStarAuch Mirjam Sadjak & štih iz leve * von links (Lukas Greiderer, Meta Vouk) begibt sich ins Museum. Dass Kollektiv setzt sich mit Kleidung sowie deren Stoffen und Handwerkstechniken auseinander, um Muster und darin implizierte Traditionen mit dem Stück „Ne•vzorčeno | Aus•gemustert 2026“ in Tanz auszudrücken. Auf die andere Seite der Weltkugel, nach Japan zum Butoh, führt der experimentelle Dokumentarfilm „Invisible People“ von Alisa Berger. Durch philosophische, poetische Texte und persönliche Erlebnisse soll der Blick auf das Unsichtbare, Verborgene gelenkt werden. Aus Japan stammen auch Reona und Yoh Morishita. Holzbrett, Metallbleche, Ketten und schließlich Steppschuhe verwendet Reona für ihre Performance, die ein lautes Klang- und Seherlebnis verspricht. In ihrem Stück „Dog Star“ schlüpft Yoh Morshita von schützender Dunkelheit umgeben, in verschiedene weibliche Figuren von der Prinzessin bis zur Nymphe oder Flöte, um Perspektiven zwischen Nostalgie, Imagination und Tradition zu verwischen.Thechairpiece

Free for all – alle können sich zu und in den Workshops bewegen

Dem Motto „Alle können tanzen“ folgend, bietet „Zugzwang“ drei Workshops und eine Open Session, für die keinerlei Voraussetzungen notwendig sind außer die Lust an Bewegung und dabei den Raum mit anderen zu teilen.

Zugzwang. Festival für zeitgenössischen Tanz & Performance, 19. bis 27. September 2026 in Klagenfurt