DivertimentoMit der Saisonabschlussgala 2026 hatte Ballettchefin Alessandra Ferri bereits die erste Vorstellung im September in der Tasche. Mit "Rhapsody" von Frederick Ashton und "Within the Golden Hour" von Christopher Wheeldon brachte sie zwei außergewöhnliche Werke britischer Provenienz ins Repertoire des Wiener Staatsballetts. Da fehlte nur noch ein Stück, um den Dreiteiler "Living Legacies" zu komplettieren, und es wurde das in Wien lange nicht mehr getanzte "Divertimento Nr. 15" von George Balanchine, mit dem der Abend eröffnet wurde.

Das Orchester stand an diesem Abend unter der Leitung von David Coleman, der souverän die unterschiedlichen Stilrichtungen von Mozart über Vivaldi und Rachmaninow bis Ezio Bosso spielte. Das Divertimento Nr. 15 von Wolfgang Amadeus Mozart war ein heiterer Auftakt. Nicht immer ging es bei Balanchines Choreografie angesichts der asymmetrischen Besetzung der Solist:innen, mit drei Herren und fünf Frauen, ganz harmonisch zu. "Bin ich bestellt und nicht abgeholt worden?", scheint eine der am Rande Stehenden hin und wieder zu fragen, während die drei mittleren Paare ihre Variationen tanzen. Doch das sind kurze, kaum wahrnehmbare Momente. Insgesamt war auch dieses Stück mit Leichtigkeit und Grazie getanzt, wobei die coole Präzision von Balanchines Tanzsprache vor allem bei den erfahrenen Wiener Tänzer:innen Olga Esina, Davide Dato und Ioanna Avraam zum Ausdruck kam.

GoldenHourDoch überstrahlten an diesem Abend zwei Pas de deux alles andere: In "Within the Golden Hour" verbreiteten Alessandro Frola und Madison Young erotische Emotionen, aber auch Freude und Lust am gemeinsamen Tanzen. Waren sie bei der Gala noch ein Paar unter anderen, so haben sie sich diesmal eindeutig in den Mittelpunkt der Choreografie gestellt. Faszinierend! António Casalinho und Cassandra Trenary wiederum waren in Ashtons "Rhapsody" mit ihren extrem schnellen und virtuosen Variationen umwerfend.

Allein diese Solist:innen machen das Wiener Staatsballett wieder zu einem außergewöhnlichen Talentepool. Da entsteht schon Vorfreude auf die Anfang Oktober anstehende Premiere "Nijinsky", die mit Alessandro Frola in der Titelrolle und António Casalinho als dessen Bruder besetzt ist.Rhapsody Casalinho

Gleichzeitig sei hier betont, dass Ferri das gesamte Ensemble wieder auf ein Niveau gehoben hat, das keinen internationalen Vergleich zu scheuen braucht. Mit einem Wort: "Living Legacies" war ein inspirierender Auftakt für die Saison 2026/27 des Wiener Staatsballetts.

Wiener Staatsballett: "Living Legacies" am 18. September 2026 in der Wiener Staatsoper. Weitere Vorstellungen am 25. und 28. September.