Putzergarnelen sind kleine orange Meeresbewohner, die für die Sauberkeit im Ozean sorgen. „Essen, putzen, filtern, ruh´n“ ist ihr Tagesablauf. Garry und Nele sind zwei dieser freundlichen Crevetten, friedlich und sorgsam eifrig leben sie am Meeresgrund. „Bis eines Tages, niemand weiß wie es kam / Im wellenbewegten Ozean, / Bis eines Tages, niemand weiß mehr, wieso, / Nele rief: Heut´geh´n wir nach Irgendwo!“
Die Autorin und Vorlesekünstlerin Lena Raubaum hat den Text verfasst, ungewöhnlich in feinen Reimen. Gemeinsam mit Christina Rauchbauer von FUORI -Verein für performative Kunst, der Performerin Johanna Nielson und den beiden Musikerinnen Sophia Goidinger-Koch und Barbara Riccabona (Cello, Geige und noise) wurde in einem einwöchigen Retreat und sechswöchigen Proben das Stück für Kinder ab drei Jahren entwickelt. 
Es geht um Neugierde, um das Verhandeln von Meinungsunterschieden und um Freundschaft, verpackt in die lebhafte Geschichte von Garry und Nele, die in orangegelben Kostümen über den Meeresboden putzen, inmitten von Meeresrauschen (wunderbare Idee: Schläuche führen zu an der Decke hängenden transparenten Behältern, dessen Wasser durch eingeblasene Atemluft zu Blubbern beginnt). Ein blauer Octopus weht auf einem blinkenden Hoverboard daher, achtarmig findet er es überall schön, an all den 880 Orten, an denen er schon war, aber hier an diesem Ort ist es besonders schön, auch weil es so sauber geputzt ist.
Garry und Nele sind sich uneinig. Während Nele davon schwärmt, wie schön es wäre, nach Irgendwo aufzubrechen, dabei neue Freunde kennenzulernen und neue Orte in den Wellen des Ozeans zu entdecken, findet Garry es grad hier so schön, und was könnte nicht alles am Weg dorthin passieren? Und überhaupt: „Wir müssen doch putzen!“
Es treten auf drei Korallen, miteinander fest verbunden und verwunden, im Durcheinander ihrer in den Wellen schwebenden und wackelnden Ästen widerspiegeln sie vielstimmig die Unsicherheit: was, wie, wo wird denn dieses Irgendwo sein?
Der Streit eskaliert, Ärger, Wut, Zorn und Unverständnis werden laut und heftig.
Neue Musik begleitet den Gang der Geschichte, setzt Schwerpunkte. Da kratzt und jammert die Geige, da wird das Cello zart gestreichelt, aus allen möglichen Bühnenrequisiten Geräusche hervorgeholt und Gesang erhebt sich vielstimmig, mal neugierig laut kreischend, mal langsam und getragen, fast walisch.
Es kommt die Schildkröte, weise, alt und langsam. Sie hört den Streit über das Hierbleiben und Weggehen. Sie meint, langsam und bedächtig, beide haben recht, irgendwie.
Deshalb wird dann gepackt, es werden Pläne geschmiedet und natürlich noch geputzt, bis es Nacht wird. Am nächsten Morgen ist die Unsicherheit wieder da …
Dieses Changieren zwischen Bleibenmögen in der Sicherheit des Bekannten und der Lust auf Neues und Veränderung bleibt spannend und doch so bekannt: denn wer kennt sie nicht, diese Unsicherheit, nicht zu wissen, welche Entscheidung nun die passende, die richtige ist? Bleiben oder Gehen? Am Ende siegt die Neugierde auf Neues und die Freude am Aufbruch, mit der Gewissheit, das auch anderswo geputzt werden kann.
Fuori: "Heut geh'n wir nach irgendwo", Performance mit neuer Musik am 9. Mai 2026 in WUK KinderKultur
