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Challenge1Dieses „Tanztheaterstück über das Aufwachsen zwischen den Welten“ beruht auf einem überraschenden Konzept. Auf einem, das ebenso ungewöhnlich wie letztlich naheliegend ist: Hanni Westphal, Schauspielerin und breit aufgestellte Kulturarbeiterin, geht in ihrer Regiearbeit vom bekannten Gedanken ‚Bewegung ist Leben‘ aus.

Und so kontrastiert sie in „Challenge“ den digitalen Lebensbereich Jugendlicher mit dem von Tanz-Aficionados. Etwas genauer: Über Lautsprecher werden Zitate aus den gut 30 Interviews eingespielt, die Westphal mit Jugendlichen zum Thema Handy, Social Media und daraus resultierenden Rückzug vom Realen führte. Auf der Bühne kommentieren und verstärken vier jungen Profi-Tänzer (Sydney Amoo, Darius Berg, Isa Lientschnigg, Tatiana Rainer) diese Inhalte. Teils verbal, teils mimisch-gestisch, vor allem aber durch die Lebendigkeit, die Lebensfreude, die Ausdruckskraft ihres Tanzes. Dem - neben der digitalen Welt - zeitgemäßen Lebensgefühl entsprechend schöpfen sie aus dem Bewegungs-Repertoire des urban dance - Spektrums, zeigen variationsreich und mitreißend, insbesondere was Breaking und  Hip-hop so wie House an aktivierendem Potential anbieten und damit den Tänzern an energetischer Kreativität entlocken.Challenge2

Die feinsinnige Choreografie Lin Verlegers, dessen hier wirkender Erfahrungsschatz nicht zuletzt auf seiner pädagogischen Jugendarbeit aufbaut, verzichtet weitgehend auf einfache, konkrete Bebilderung der eingespielten Texte. Vielmehr wird hier erfolgreich versucht, das diffus Emotionale, das Atmosphärische - ´beim „Handy-Schau‘n …„arg, keina red‘t miteinand‘“ - der Interview-Ausschnitte in Bewegungssprache umzusetzen. Die Abstraktion im Tanz vermittelt so etwa auch eingehend, was es bedeutet, wenn aus dem Lautsprecher tönt: „Kana kennt mi wie du, Handy“. Aber auch beim akustischen Auflisten von Fakten, etwa die der Funktionsweisen von Algorithmen, wird durch die zu erlebende Körperlichkeit auf der Bühne diese digitale Welt greifbarer und damit in gewisser Weise verständlicher. Klug, wenn und dass ‚einfache‘ Tatsachen wie etwa die Dauer der Handynutzung auch einfach, also relativ konkret in ihrer Auswirkung von den Tänzern umgesetzt werden; im (wieder einmal) wunderbar simplen, aber multifunktionalen Bühnenbild aus vier beweglichen Rahmen Christina Bergners. 

Challenge3Bemerkenswert, welch Fülle an Themen in der gut 60-minütigen Performance angesprochen werden. Wohl überlegt eingebettet und auf ein Minimum reduziert das Mahnende: „Lasst euch nicht verunsichern“ in Bezug auf zu erreichende Ideale. Aber auch nicht ganz vergessend das Spielerisch-Humorvolle in einem angedeuteten Battle etwa.  Ein bisschen klischeehaft das gegen Ende erkennende, ‚geläuterte‘ Suchen im Lichte der der Natur. Aber dies allein ist selbstverständlich keinerlei Grund, nicht die hohe, kreative Qualität und damit einhergehend die jugendgerechte Umsetzung dieses Themas als überaus beachtenswert wahrzunehmen und zu empfehlen; eine Produktion, die – auch das ist nicht ganz ‚gewöhnlich‘, aber umso erfreulicher – als Koproduktion von Next Liberty, dem Kinder- und Jugendtheater der Bühnen Graz, und dem freien Mezzanin Theater umgesetzt werden konnte. 

"Challenge", (UA 13.Februar, 2026), 14.Februar 2026 im Next Liberty 

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