"F* the EXIT" – konfrontiere dich mutig mit Gegebenen – so in etwa lautet die Affirmation der vier KünstlerInnen von flyingelephant an ihr Publikum. Und sie ergänzen es für sich mit der Intention, gängige Verhaltensweisen in ihrer Art zu präsentieren, neu aufzumischen und derart vielleicht zu verändern.
Ein Tisch, ein Rucksack so wie eine verschlossene Türe, jeweils aufgestellt in drei Ecken der Bühne, genügen ihnen als Requisiten. Alles andere ihrer als ‚Tanztheater‘ charakterisierten Performance offerieren sie mit ihrem Können. Das heißt nicht ganz, denn Lukas Eismayr unterstützt sie bei aller wohltuenden Zurückhaltung punktgenau mit seinem Lichtdesign; und die Kompositionen des italienischen Musikers Marco Girardin begleiten faszinierend eingefügt und doch auch in zusätzlich spannungsgebendem Kontrast das Geschehen.
Eines, das gleichermaßen dramatisch wie undramatisch um das Thema der eigenen wie der kollektiven Grenzen mäandert: um eine Ausnahmesituation, die sich in unerklärter Weise ergeben hat, wie aber auch um eine allgemeingültige Tatsache, nämlich die des Gefangenseins in kaum überwindbaren Realitäten.
Ein Raum, dessen einzige Tür sich nicht öffnen lässt: So die unvorhersehbare Situation, in der sich eher zufällig zusammengekommene Menschen befinden und die sich - gleichermaßen jeder für sich wie gemeinsam – ihr stellen müssen. Die in den gut 60 Minuten aufgezeigten, dichten Szenen, die weitgehend ohne chronologischem Plot auskommen, sind sowohl formal wie inhaltlich weit gestreut, wiewohl Resultat ein und derselben Ursache. Als roter Faden gelegt ist ein anregender Wechsel von leisen, langsamen, ja die Grenze zwischen Super-Zeitlupe und Statischem auslotenden Passagen zu hoch aktiven, explosiven Konfrontationen und Ausbrüchen (Dramaturgie: Daphni Patsourakou). In beiden Darstellungsformen beweisen die vier PerformerInnen (Carolina Avellaneda, Joni Österlund, Florian Entenfellner, Lara Pilloni) hohe Qualität. Sie manifestiert sich in feiner Mimik, klarer Gestik und zielgerichteten, kreativen Bewegungsabläufen wie auch in dynamischen, an Akrobatik streifenden Sequenzen. Dieser häufige Rhythmuswechsel korrespondiert gut überlegt zu dem der beschriebenen Inhalte: Zum Erkennen der eigenen wie allgemein gegebenen Grenzen, zu deren Akzeptieren aber auch einem dagegen Aufbäumen. Zur individuellen Suche nach Akzeptanz der Gegebenheit oder aber gemeinschaftlicher Suche nach Veränderung, nach Auswegen. Zu Zusammenhalt oder aber auch Verrat. Zur individuellen Unterstützung oder aber dem Finden und Nützen individueller Potentiale. Zahlreich sind die gezeigten Möglichkeiten und Variationen, arrangiert und choreografiert zwischen Ernstem, emotional Tiefem, aber auch Humorvollem und Witzigem; entsprechend überzeugend sind sie insgesamt. 
Berechtigt auch, dass Einbeziehung von verbaler Sprache nicht gescheut wird, wenn (bewusst) banal und klischeehaft nach dem Schuldigen für die Einengung, Einschränkung, Begrenzung oder gar Ausgrenzung gesucht wird; wenn der listenartig geäußerte Wortschwall in geteilten Rollen über die Bühne schwappt – ins Leere mündet. Ein ‚Tanztheater‘, das in einer derart schlüssig-einprägsamen Form seinen zeitgemäßen Platz hat.
Flyingelephant: “F* the EXIT” am 13. Februar 2026 im Theater am Lend, Graz
