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Omer3 BaumgartnerEindringlich und intensiv präsentierte die in Wien lebende israelische Tanz- und Performancekünstlerin Loulou Omer eine neue Soloarbeit. „HIStorieS – Angelus Novus“ nimmt Walter Benjamins ikonischen Text über Paul Klees berühmtes Engels-Bild zum Ausgangspunkt einer performativen Reflexion, verwoben mit biographischen Elementen und Werken aus der Familie. 

Omer bespielt den Bühnenraum mit wenigen, doch essentiellen Mitteln: Stoffbahnen als Prospekte, Projektionen von Bildern, ein hoher Tisch, ein Sessel, ein Klavier. Sie selbst ist, in japanischer Anmutung, dunkelblau-schwarz gekleidet samt expressionistisch wirkendem Makeup.Omer2

Benjamins Metapher vom „Engel der Geschichte“ fungiert hier als Folie für eine Montage subjektiver Assoziationen, performativ verkörpert von Omer auf ihrer Reise durch den Erinnerungsstrom aus persönlichen und mit der Biographie der Wiener Choreografin Gertrud Kraus verknüpften Elementen. Ihr so geschaffener Engel blickt nicht nur zurück auf das Grauen des Nationalsozialismus, sondern schaut wie durch ein Panorama-Objektiv rundherum und vorwärts zugleich. Dabei streift er auch die Übel der Gegenwart, insbesonders im Israel und Palästina von heute.

Omer1Dies geschieht aber nicht direkt, sondern poetisch verbrämt durch Musik und Lieder von Henry Purcell, Loulou Omer und ihrem Großvater, sowie ein Gedicht des Vaters. Dazu setzt sie kunstvoll Lichtsettings, Foto- und Videoprojektionen auf die Stoffbahnen ein. Und mit expressiven Bewegungen als eine persönliche Reverenz an Gertrud Kraus – Omers Mutter hatte bei dieser getanzt – entsteht so ein dichtes und stimmungsvolles theatrales Gewebe, das man gern betrachtet. 

Loulou Omer: „HIStoriesS – Angelus Novus“, Premiere am 5. Februar 2026 im Theater Nestroyhof Hamakom.