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KeersmaekerAnne Teresa de Keersmaeker, eine der richtungsweisenden ChoreografInnen der Gegenwart, wurde mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst, eine der höchsten Auszeichnungen der Republik für wissenschaftliche oder künstlerische Leistungen, geehrt. Im Rahmen der Ordensverleihung wurde ihre Choreografie zu Schönberg „Verklärte Nacht“ gezeigt, die de Keersmeaker als „schamlos romantische Liebesgeschichte“ bezeichnet.

Formen zu Musik. Inspiriert von einem Gedicht von Richard Dehmel komponierte Schönberg ein Kammermusik-Stück, das er später für Streichorchester erweiterte. Diese Version unter dem Dirigat von Pierre Boulez ist Grundlage der Choreografie von Anne Teresa de Keersmaeker. Die Geschichte, in der eine Frau ihrem Liebhaber bei einem monderleuchteten Waldspaziergang gesteht, das Kind eines anderen zu tragen, wird ausschließlich aus der Perspektive der Frau erzählt. Das ursprüngliche, 1995 entstandene Gruppenstück hat de Keersmaeker im letzten Jahr für die Ruhrtriennale zu einem Trio umgearbeitet und damit die Essenz sowohl in musikalischer als auch dramaturgischer Hinsicht verdichtet. Nun konzentriert sich alles auf einen Pas de deux, bei dem sich das anfänglich vorsichtig-schüchterne Begehren allmählich zu höchster Leidenschaft steigert.VerklaerteNacht

Das Ballett ist typisch für de Keersmaeker Oeuvre von über 40 Stücken: das Bewegungsmaterial, das sich seit nunmehr über dreißig Jahren durch ihr Werk zieht; die scheinbare Leichtigkeit in einer überaus präzisen Struktur; die hochmusikalische Dynamik des Tanzes; eine Geschichte, die allein durch die Verkörperung der Bewegung schlüssig erzählt wird; bis hin zum Kostüm der Frau, einem einfachen Sommerkleid. Und daher war es auch besonders passend für den Anlass der Ordensverleihung durch Kulturminister Josef Ostermayer am 18. Februar 2015 im Kasino am Schwarzenbergplatz. In ihrer Dankesrede beschrieb de Keersmaeker ihr künstlerisches Streben übrgens schlicht als die Suche nach "shapes to music“.

De Keersmaeker, die von 1992 bis 2007 Residenzchoreografin am Brüssler Opernhaus La Monnaie war, verbindet eine lange Geschichte mit Österreich. Ihr hiesiges Debut gab die Gruppe Rosas im Juni 1985 im Serapionstheater am Wallensteinplatz mit "Rosas danst Rosas". Seither gab es 137 Auftritte in Österreich – bei der Szene Salzburg, beim steirischen herbst, im Theater an der Wien und bei ImpulsTanz. Mit dessen Intendanten Karl Regensburger verbindet de Keersmaeker seit 20 Jahren eine enge Zusammenarbeit. 28 Produktionen zeigte sie bisher beim Festival, unter anderen "Fase", „Drumming“, „Mozart / Concert Arias – Un moto di gioia“, „Elena’s Aria“, oder die Gala „Soirée Répertoire“ anlässlich des 20. Jubiläums ihrer Compagnie (2002) und – im letzten Jahr – das Duett mit Boris Charmatz „Partita 2 (Sei solo)“. Im Sommer stehen „Vortex Temporum“ und „Verklärte Nacht“ auf dem Programm.

Und seit ihrem ersten Auftritt bei ImpulsTanz mit „Toccata“ im Jahr 1994 ist wohl auch kein Jahr vergangen, in dem die Choreografin oder Rosas-TänzerInnen (allen voran Samantha Van Wissen, die Tänzerin der „Verklärten Nacht“) eine Reihe von Workshops geben. Denn Anne Teresa de Keersmaeker ist nicht nur eine Weg weisende Choreografin, sondern hat mit P.A.R.T.S. (Performing Arts Research and Training Studios) in Brüssel auch die Tanzausbildung reformiert. Über diese Schule bestehen durch AbsolventInnen wie beispielsweise Saskia Hölbling, Linda Samaraweerova oder Simon Mayer, ebenfalls direkte Verbindungen zur hiesigen Tanzszene.

www.impulstanz.com
www.rosas.be
www.parts.be

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