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weltmuseumholzEin altes Museum, das der Völkerkunde in Wien, hat sich zu einem neuen gewandelt und heißt jetzt Weltmuseum. Als Eröffnungsausstellung der neuen (welt)offenen und kinderfreundlichen Ära fasziniert die interaktive Ausstellung „Getanzte Schöpfung“ über die verschiedenen Aspekte des asiatischen Tanzes. Prächtige Kostüme, Masken, Bronze- und Holzfiguren und Arbeiten zeitgenössischer Künstler geben ein lebendiges Bild einer alten Tradition.

Tanz ist in Asien ein wesentlicher Bestandteil des kulturellen, religiösen und gesellschaftlichen Lebens. Der hinduistische Gott Shiva hat tanzend die Welt erschaffen und wird deshalb häufig als „Nataraja“, als „König des Tanzes“ dargestellt. Eine Legende berichtet, dass bereits 200 v. Chr. in Indien ein Buch über die Tanzkunst entstanden ist. Das „Nataya Sastra / Buch des Tanzes“ wurde durch göttliche Eingebung vom Brahmanen Bharata Muni beschrieben. Tanz ist in Asien auch heute noch Gebet und Meditation und wird oft in Tempeln zu Ehren der Gottheiten aufgeführt.

Nicht nur die kambodschanische, javanische oder indische Tanzkultur ist in der mit TänzerInnen und ChoreografInnen erarbeiteten Ausstellung berücksichtigt, sondern auch japanische und chinesische Tanztheatertradition. Begleitet wird die lebendige Ausstellung von einem umfangreichen Workshop- und Performanceprogramm, in dem auch viele Projekte für Kinder konzipiert sind. Auch in anderen „Weltmuseen“ werden nicht mehr Ausstellungen „über“ fremde Kulturen gemacht, sondern mit deren VertreterInnen. Deshalb erhielten die Kuratorinnen Jani Kuhnt-Spatodewo und Bettina Zorn theoretische und praktische Unterstützung von sechs Ko-KuratorInnen. Mit vollem Körpereinsatz haben haben die balinesische Tänzerin Bulan Trisna Djelantik und der Tänzer Didik Nini Thowok aus Java mitgearbeitet, wie auch die koreanische Mudang (Shamanin) Hiah Park. Am Gelingen der Ausstellung mitgewirkt hat auch der in Österreich durch mehrere Auftritte bereits bekannte Thailändische Tänzer und Choreograf Pichet Klunchun. Er wird gemeinsam mit Jerôme Bel die 2005 entstandene Tanzperformance „pichet klunchun and myself“ zeigen (31.7., 2.8.). Auch der Tänzer (Terence Lewis Contemporary Dance Company) und Choreograf zahlreicher Bollywood Filme, Bühnenshows und Musikvideos sowie Stammdozent bei ImPulsTanz, Terence Lewis aus Mumbai, war im Team. Fast schon ein echter Wiener ist der Performer und bildende Künstler Matsune Michikazu, der sich mit einem eigenen Projekt an der Ausstellung beteiligt hat.

weltmuseumfigurWie sehr die asiatische Bewegungssprache und das Körperbild die europäische Theater- und Tanzkultur bereits vor mehr als 100 Jahren beeinflusst haben, kann übrigens ab 24. April im Theatermuseum in der Ausstellung über die magische Figurenwelt des Richard Teschner erfahren werden. Längst haben die eindrucksvollen, präzisen und in aller Ruhe ausgeführten Bewegungen (vor allem der Hände, Arme und Füße) asiatischer Künstler Eingang in den europäischen Tanz gefunden und auch umgekehrt: Asiatische Tanz- und PerformancekünstlerInnen nehmen sich Elemente aus Europa oder Amerika, um sie zu integrieren oder zu konterkarieren. Das wird man auch in einer Performance-Reihe während des ImPulsTanz Festivals feststellen können. „Occupy the museum“ ist das Motto der als Kooperation von ImPulsTanz und Weltmuseum von Michael Stolhofer und Ong Keng Sen gestalteten Festival-Reihe im Museum.

„Getanzte Schöpfung“, Asien zwischen den Welten, Weltmuseum, Neue Burg, bis 30. September, täglich außer Dienstag 10–18 Uhr. Bis Ende Juni findet jeden Mittwoch von 20 bis 21 Uhr eine Tanzperformance statt. Ausstellungskatalog „Getanzte Schöpfung. Asien zwischen den Welten“, Christian Brandstätter, 2013, 224 S € 29,95.

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