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02 horvathDie im Rahmen des Festivals „wean hean“ realisierte Produktion von Ödön von Horváths Bühnenerstling „Das Buch der Tänze“ war aus mehreren Gründen von Bedeutung. Die ausgewiesene „Pantomime“ führt in die Zeit der Wiener Moderne zurück, in der dieses Genre Literatur, Musik und Malerei in einem Werk vereinigte, um – wie Horváth 1926 formulierte – durch „tänzerische Darstellung zur Einheit angehoben“ zu werden. Am Beispiel der Produktion und aus Anlass des 80. Todestags des Autors am 1. Juni soll dem Interesse Horváths an Körperarbeit nachgegangen werden.

02 nijinska iconManuel Legris’ Absicht, seinen Vertrag als Direktor des Wiener Staatsballetts über 2020 hinaus nicht zu verlängern, wirft einmal mehr die Frage auf, wer denn in Wien über die Besetzung der Ballettdirektion zu entscheiden hat. Dieser Frage soll an Hand des 1930 erfolgten Engagements Bronislawa Nijinskas als Ballettmeisterin der Wiener Staatsoper nachgegangen werden. Ob die Tatsache, dass sie das Haus schon nach wenigen Wochen wieder verließ, mit den Entscheidungsträgern für den Posten oder mit den Arbeitsbedingungen zu tun hatte, ist heute nicht mehr festzustellen.

icon petipaAls Tänzer kann Marius Petipa – er war einer der letzten Partner der Fanny Elßler – als Link zu Wiens glänzender Ballettromantik gesehen werden, als Autor von „Ballettklassikern“ gibt er noch immer – auch in Wien – das klassische Standardrepertoire vor. Trotzdem kann von einer engen Beziehung zwischen ihm und Wien nicht die Rede sein, die von Petipa selbst zweimal umworbene Stadt war an ihm nicht interessiert. So wurde der Meister, dessen 200. Geburtstag man heuer weltweit feiert, der einzige große Choreograf des 19. Jahrhunderts, der nicht selbst in Wien arbeitete.

Anita 2 iconBetrachtungen um die Frage, ob eine Stadt ihre Einwohner prägt, oder umgekehrt, der Charakter der Einwohner die Stadt, rücken verstärkt in einem Monat und in einem Jahr – März 2018 – in den Mittelpunkt des Interesses, in dem man noch intensiver jener gedenkt, die nach den Geschehnissen im März 1938 Wien verlassen mussten. Aus denjenigen unter ihnen, die Tänzerinnen oder Tänzer waren, hätte sich – wäre dem nicht die künstlerische Eigenwilligkeit und Eigenständigkeit der einzelnen Persönlichkeiten entgegengestanden – ein exquisites Tanzensemble von Facetten eines selbstbewussten „WienerInnentums“ bilden lassen.

02 vonEinem webDie 100. Wiederkehr des Geburtstags des „Componisten“ Gottfried von Einem am 24. Jänner gibt Anlass, über ein künstlerisches Berufsfeld nachzudenken, das der 1918 in der Schweiz Geborene und 1996 im Waldviertel Gestorbene über Jahrzehnte hin (auch) verkörperte: das des Ballettkomponisten. Als Vertreter des Musiktheaters des mittleren 20. Jahrhunderts pflegte Einem nämlich nicht nur die Oper, sondern auch das Ballett. Für ihn sei, so Einem, ein „schweigender Körper“ etwas Wunderbares. „Kein Gesang, keine Sprache, kein Laut: Nur der Körper in seiner ganzen Grazie.“

02 Minkus K webDie Wiener Gastspiele der Matilda Kschessinskaja 1903 und 1912 verliefen spektakulär. Die Beachtung, die man der Mariinski-Ballerina entgegenbrachte, betraf vielerlei: ihre Schönheit, ihren Schmuck, ihre Nähe zum Zarenhof – der Zarewitsch nannte seine Geliebte „Little K.“ –, gewiss auch ihr Können. All dies mochte ein damals wieder in Wien lebender, lange Zeit als Ballettkomponist in Russland tätig gewesener Musiker genutzt haben, um sich in Erinnerung zu rufen. Ob Ludwig Minkus nun die Kschessinskaja in Wien tatsächlich traf, ist nicht überliefert.

2 DeKeersmaeker

Das Wieder-Sehen von Kunst gehört zu den außerordentlichen Erlebnissen, wobei das ausschließlich für den Körper sowie eine körperliche Wiedergabe Konzipierte einen ganz besonderen Platz einnimmt. Mehr als andere künstlerische Äußerungen nämlich ist seine Entstehung doch von einer psychischen und physischen Verfasstheit, dazu von einem bestimmten Umraum abhängig. Das Wieder-Sehen von Tanzstücken ist also nicht nur ein Wiedereintauchen in den Entstehungsraum der Kreation mit allen ihren Beteiligten, sondern auch ein Zurückgehen in die Vergangenheit der ZuseherInnen.