Die Kunst, meinte Gustav Mahler einmal, sei das Band zwischen ihm und den Wiener Philharmonikern. Den Tanz betreffend, könnte dies – ebenfalls mit Mahler im Sinn – leicht dahin gehend paraphrasiert werden, dass es die Kunst sei, die ihn mit der damaligen Protagonistin der Wiener Tanzmoderne Grete Wiesenthal verbinde. Denn Mahler war es, der dieser Jahrhunderttänzerin an „seinem“ Haus – der Wiener Hofoper – die erste Chance und damit den Anstoß für eine kometenhafte Karriere gab.
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Der neue Abend „American Signatures“ des Wiener Staatsballetts in der Volksoper Wien (Premiere: 9. Mai 2026) wird mit Jerome Robbins’ „Interplay“ (Musik: Morton Gould) eröffnet. In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, dass dieses 1945 ursprünglich für eine Broadway-Revue entstandene Werk – nach „Fancy Free“ war es erst das zweite Ballett des später weltweit bekannten amerikanischen Choreografen – eine Wiener „Vergangenheit“ hat! Am 15. Juni 1953 nämlich war „Interplay“ Teil des Repertoires, mit dem das damals so genannte American National Ballet Theatre (ABT) in der Volksoper gastierte.
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23. April 2026: 136 Jahre nach dem ersten Besuch von Sergej Pawlowitsch Diaghilew (1872–1929) in Wien – der damals 18-jährige angehende Student hatte 1890 die Haupt- und Residenzstadt Österreichs zur ersten Station seiner ersten Auslandsreise auserkoren – gab sein Ururgroßneffe, der Bratschist Alexander Sergejewitsch Diaghilew, sein Wiener Solodebüt im Haus Hofmannsthal in der Reisnerstraße. Der Anlass: die szenische Lesung von „Gottes Narr. Nijinsky – Diaghilev – Romola“ von Alex Alexandrov.
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Gemeinhin wird das „Concert for Dance“ am 6. Juli 1962 in der New Yorker Judson Memorial Church als Geburtsstunde des Postmodern Dance angesehen. Daran wird nicht gerüttelt, doch wirft man einen Blick auf den eigenen „Wiener Teller“, genauer auf die Galerie nächst St. Stephan, Grünangergasse 1, so kann festgestellt werden, dass dort vor 66 Jahren, am 9. April 1960, mit der Verlesung des Manifests „NN Tanz“ durch die Tänzerin Alice Kaluza und die anschließende Tanzvorführung eine mit den Auffassungen der US-amerikanischen Postmoderne durchaus vergleichbare Initiative gesetzt wurde.
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Die nächste Premiere des Wiener Staatsballetts (28. März 2026) vereint drei herausragend choreografisch Schöpfende nicht nur des angloamerikanischen Raums: Die Ikone der Postmoderne, die Amerikanerin Twyla Tharp, deren frech-nonchalanter jazziger Bewegungsstil sich auch in großen Häusern etablieren konnte. In diesen ist ihr junger Landsmann Justin Peck vorwiegend klassisch zu Hause. Im Londoner Covent Garden arbeitet der Engländer Wayne McGregor, seine Ballette werden als „truly of the twentyfirst century“ (Alastair Macaulay) gefeiert. Der Fokus der folgenden Ausführungen soll jedoch auf jenem Künstler liegen, der für die Dekoration von McGregors Stück „Yugen“ verantwortlich ist: Edmund de Waal.
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„Doch erlebt man 2026 wohl ein Minkus-Jahr?“ So fragte der Autor dieses Artikels 2014 in einem Plakattext des Wiener Staatsballetts zur von ihm angeregten und kuratierten Ausstellung LUDWIG MINKUS. Wiener, Weltstar, Don Quixote, die als erste und zugleich einzige dem Ballett gewidmete vom 19. März 2014 bis zu dessen endgültigen Schließung im Staatsopernmuseum zu sehen war. Leider wurde die gleich im Anschluss im selben Text getroffene damalige Einschätzung „Die Antwort ist ernüchternd“ nicht enttäuscht: Ein Minkus-Jahr sucht man nicht nur in seiner Heimatstadt Wien ebenso vergeblich, wie international deutlich sichtbare Feiern zum 200. Geburtstag eines Komponisten, der auszog, die Ballettwelt zu erobern.
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Die „frohe Botschaft“, die nicht nur das tanzinteressierte Wien kurz nach Weihnachten erreichte, lautete: Renato Zanella, von 1995 bis 2005 Ballettdirektor an der Wiener Staatsoper, übernimmt – wirksam schon mit dem Beginn des Jahres 2026 – die Leitung des so traditionsreichen Ballettensembles des Teatro San Carlo in Neapel! Damit findet nicht nur der „Wiener“ Italiener einen neuen, ihm adäquaten Wirkungsbereich, damit wird auch die seit Jahrhunderten so erfolgreiche (Ballett-)Achse Wien–Neapel fortgeführt.
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Es sind nicht zuletzt die Tanzszenen, die in Strauss’ Operetten historische, national-regionale und soziale Konstellationen charakterisieren, die also der Couleur locale bzw. der Couleur du temps dienen und gesellschaftliche Konventionen reflektieren. Stände bzw. soziale Schichten werden über die von ihnen gepflegten Tanzformen gekennzeichnet, kulturelle Traditionen zumal volkstümlicher Ausprägung über Bezugnahmen auf tanzmusikalische Eigenheiten dieser oder jener Region aufgerufen.
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Im Rahmen des Festjahres anlässlich des 200. Geburtstags von Johann Strauss Sohn bot die seit 2004 bestehende Veranstaltungsreihe „Tanz-Signale“ des Wiener Instituts für Strauss-Forschung (WISF) 2025 ein wissenschaftlich und künstlerisch besonders breit gefächertes Programm unter dem Stichwort „Phänomen Strauss“. Marion Linhardt widmete sich den bisher in der Forschung kaum beachteten Tanzszenen in Strauss’ Operetten. In diesen Szenen zeigt sich eine stilistische Anbindung an ein ganzes Spektrum von Tanzpraktiken zwischen historischen Gesellschaftstänzen, dem Handlungsballett des 19. Jahrhunderts und der aufkommenden Varietéästhetik.