Michael Laub / Remote Control Productions "Rolling" © Monika Rittershaus

Kresnik, Laub, Uhlich

oder doch Mailand im Haus am Ring?

Carl Raimund und Elsa von Strohlendorf, „Dorfschwalbenwalzer“ (Josef Hassreiter, 1912). Foto: Residenz-Atelier.

Complexions Contemporary Ballet „Star Dust – From Bach to David Bowie“ © Sharen Bradford

© Wiener Staatsoper / Ashley Taylor

choreografiert beim Bayerischen Staatballett

Bayerisches Staatsballett "Cecil Hotel" © S. Gherciu

© Südtiroler Kulturinstitut

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Kresnik6Zum Auftakt bescherte Impulstanz heuer seinem Publikum eine spannende Zeitreise. Nicht nur, weil zwischen der Eröffnungsproduktion, Johann Kresniks „Macbeth“, und den nachfolgenden Stücken – „Tank“ von Doris Uhlich und „Rolling“ von Michael Laub – über 40 Jahre liegen, sondern weil diese jeweils für unterschiedliche Epochen zeitgenössischen Tanzschaffens stehen.

02 raimund iconIn Riki Raabs unverzichtbarem „Biographischen Index des Wiener Opernballetts“ findet sich ein Eintrag, der leicht überlesen werden könnte. Im Stichwort „Elsa v. Strohlendorf“ – eine Tänzerin, die später als erste Primaballerina aus Wiener Schulung anerkannt wurde – heißt es am 1. März 1906: „1. x Pas de deux mit Carl Raimund“. Diese Notiz verleitet – im Zusammenwirken mit besonderen fotografischen Dokumenten – zur Spekulation, Mitglieder des Hofopernensembles hätten zu eigenen, international vielbeachteten Ausprägungen eines Pas de deux gefunden.

complexions0Complexions bedeutet übersetzt Gesichtsfarben. Und die können bekanntlich in allen möglichen Farbschattierungen glänzen. Genau wie außergewöhnliche Tanztruppen. Dazu zählt zweifellos das 16-köpfige „Complexions Contemporary Ballet“. Nun gastiert das Ensemble, dem das klassische Ballett als Basis dient, erstmals in Deutschland. Die Premiere am 2. Juli im Deutschen Theater in München hatte Wow-Effekt.

Tokyo Ensemble1869 war nicht nur das Gründungsjahr der Wiener Staatsoper und des dort ansässigen Balletts, sondern auch der Beginn der diplomatischen Beziehungen zwischen Österreich und Japan. Aus diesem Anlass gastierte das Tokyo Ballet mit Maurice Béjarts „The Kabuki“ im Haus am Ring. Das Resultat seiner Verbindung des neoklassischen Ballettstils mit der traditionellen, japanischen Theaterform ist ein hochästhetischer Augenschmaus und – im übertragenen Sinn – ein perfektes Symbol für die Zusammenarbeit der beiden Staaten.

CecilHotel1Wo man hinsieht, regiert der Tod – beim Dreiteiler „Á Jour“ des Bayerischen Staatsballetts. Erst in neoklassisch-schöner Verkleidung, dann wird es emotional-wuchtig. Zum Schluss herrscht ein derartiges Übermaß an (Selbst)Mordlust, dass das Zusehen pures Vergnügen bereitet. Obwohl hier alle drei Frauen die Hälfte der Zeit vornehmlich als Leichen tanzen. Schwerkraftselig-brillant übrigens.

Luminous iconMit einer vierstündigen Nurejew-Gala und diversen Avancements ging auch in diesem Jahr die Saison des Wiener Staatsballetts zu Ende. Das Gala-Programm war bunt gemischt und brachte choreografische sowie tänzerische Überraschungen. Das Publikum bejubelte die grandiosen SolistInnen, einige Gäste, eine insgesamt sehr gut aufgestellte Compagnie sowie das Orchester unter der dynamischen Leitung von Kevin Rhodes.

WS Bozen1Tanzen verbindet. Das wissen alle, die es tun, und das beweisen auch vermehrt Studien unterschiedlicher Wissensgebiete, die, unter anderem, den gesundheitsfördernden Aspekt von tanzen untersuchen. In Südtirol hat diese kohäsive Wirkung sogar eine (kultur-)politische Dimension, war doch der „Tanzsommer Bozen“ von Anfang an als ein Projekt geplant, „das alle drei in Südtirol beheimateten Volksgruppen gleichermaßen einbinden und das kulturelle Blickfeld weiten sollte“.

trocks13swanlakeWeltweit erregen sie Aufmerksamkeit, faszinieren und begeistern Ballettfans sowie solche, die es gar nicht werden wollten: Les Ballets Trockadero de Monte Carlo, vulgo Les Trocks. Erstmals zu Gast in Graz füllten sie die Reihen des Opernhauses mit entsprechend Erwartungsvollen; und die Luft mit zu erwartendem häufigen Szenen- und langanhaltenden Endapplaus.