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OpenStage1Angeregtes Geplauder, aufgeregtes Gewusel vor Beginn der ausverkauften 5. Ausgabe dieses Abends der freien zeitgenössischen Tanz- und Performanceszene von Tanz Graz. Dessen Das primäres Ziel, „die Interessen der Künstler:innen im zeitgenössischen Tanz- und Performancebereich zu vertreten und die Szene in der Steiermark zu stärken sowie die Aufmerksamkeit für diese Kunstform zu vergrößern“, scheint erreicht. 

Zwölf Programmpunkte von einer Dauer zwischen 3 und 10 Minuten sind es, die gezeigt werden: von Vollprofis wie auch von solchen, die erstmals auftreten, um ihre künstlerische Bühnenarbeit einem interessierten, offenen Publikum vorzustellen.OpenStage3

Schwung- und energievoll, aus einem Mix von Urban Dancing und lateinamerikanischen Stilmitteln standen erstmals in diesem Rahmen die Mighty Shakers auf der Bühne. Anerkennender Applaus für diese, ihre Umsetzung der in ihrer Musik zitierten Zeile: „let me try“. Dem Thema der Wertschätzung im Privaten wie Öffentlichen widmet sich die DanceAcadAIMée. Unterlegt mit viel Text gelingt es ihnen unter der Leitung von Aimée Natter-Fröhwein den gewählten Inhalt immer wieder auch tänzerisch berührend zu transportieren. Der erste Bühnenauftritt Jonas Maibergs ist vor allem wegen seiner Ungewöhnlichkeit mutig: „EmoTUTional“ setzt sich in urbaner Tanzweise mit dem Motiv der Form auseinander: als weitgehend reduzierter Körperausdruck, wobei insbesondere seine Hände sprechend sind, sowie als Bewegungsmuster im mit einfachen Formen ausgestatteten Bühnenraum. All dies in einer humorvoll-ernsten wie auch emotionalen Weise. Hannah Charlotte Nürnberg studierte in Köln und zeigte den Ausschnitt einer Arbeit, die in Graz erarbeitet und gezeigt werden wird: „Ich bin nicht alleine damit, allein zu sein“ – in packend eigenständiger, minimalistischer Bewegungssprache, mit einem Stuhl als zeitweiligen Partner lässt sie gespannt sein auf das Endprodukt. Als eine sich (vielleicht/noch) in Entfaltung befindende Tänzerin präsentierte sich Sophia Marold. Erstmals als Choreografin versuchte sich Sarah Zurl in „[In]Dependence“: Eine eigenwillige Körper-Installation eröffnet vielversprechend; und man wird nicht enttäuscht von dieser 10minütigen Choreografie, die in eigenständiger Handschrift und variierender Dynamik in spannenden Bildern die Thematik von Verbundeheit und Freiheit skizziert. Auch die eingespielte Musik, eine Eigenkomposition, ist überzeugend. Als Styrian Artist in Residence zeigte die Ukrainerin Mariia Bakalo als Gast eine hoch (gesellschafts-) politische Performance mit Video zu Entscheidungen Europas in den 90ern. „We got promises“ – um dieses Faktum mit Alleinstellungsmerkmal zieht sie rennend, stampfend, tobend, „sich übergebend“ und auf den Boden schmeißend ihre Kreise. Die gegebene, notwendige Zeitbeschränkung war hier ein bedauerliches Manko. Im unmittelbaren Kontrast dazu und doch auch in Reaktion auf eine nicht selbst gewählte Tatsache (wenn auch ungleich weniger dramatisch): eine Verletzung, tänzerisch aufgearbeitet von Jadi Carboni in „Twist-ing“. Witzig humorvoll, mit viel ernstem Charme und bislang eher nicht bekannter mimischer Ausdruckskraft erobert sie mit Krücken die Bühne und die Aufmerksamkeit. Gipfelnd in einem verspielt-reizenden, sitzendenden Tanz mit ihrem Fuß. Die seit 10 Jahren bestehende TanzCompany Ella ließ nochmals einen Ausschnitt aus ihrer sehr gelungenen, gesellschaftskritischen Produktion „Zerfall“ erleben. 

OpenStage4Natter-Fröhwein zeigte in ihrem Impro-Solo zum Thema Essstörung das in  ihr schlummernde Potential einer markanten Handschrift; einer in aller Bewegungs-Reduktion und Sequenzwiederholungen sehr ausdrucksstarken. Thora Hohbergs autobiografisches Work in Progress „Radius“ ist inhaltlich vielversprechend, derzeit aber noch weitgehend in den Kinderschuhen; die talentierte Performerin macht aber neugierig. Eine hoch sensible Verbindung des grundsätzlich ruhenden Objekts und menschlicher Bewegung, von Achtsamkeit des Lebendigen dem Nicht-Lebenden gegenüber versucht Anna Major zu vermitteln: berührend.  

Tanz Graz: Open Stage am 18. Jänner 2026 im Kristallwerk Graz

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