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16 SchlaepferAm 4. Dezember kommt die erste Kreation von Martin Schläpfer für das Wiener Staatsballett zur Uraufführung. Das Publikum kann dieses nur am Bildschirm über ARTE Concert, und einige Tage später, auf ORF2 sehen. Und doch ist es kein Digital-Ballett, sondern wurde ausschließlich als Bühnenwerk kreiert.

Es ist ein spannendes Unterfangen, ob die Fernsehversion jene Magie einfangen kann, die der Choreograf bei der Arbeit mit den TänzerInnen spürt. Hans van Manen hat das Ballett „Live“, das den Abend eröffnen wird, jedenfalls zu einer COVID-Fassung adaptiert und zeigte sich wieder einmal „offen für Veränderungen“. Getanzt wird es von Olga Esina und Marcos Menha.live

Die Wahl für Mahlers 4. Symphonie als zweites Stück des Abends traf Martin Schläpfer aus mehreren Gründen. Einerseits hat sie einen Bezug zu seiner früheren Arbeit "7" (zu Mahlers 7. Symphonie). Andererseits sollte diese Entscheidung als eine Referenz an Wien verstanden werden, wo „Mahler sehr wichtig ist“. Vor allem aber bietet sie eine Einladung zum Tanz an alle 102 TänzerInnen des Wiener Staatsballetts, so „dass sie sich erwünscht und inspiriert fühlen“. Die Herausforderung in diesem, seinem bisher größten Ballett mit dem schlichten Titel "4", war es sowohl die SolistInnen zu fordern als auch jedes Ensemblemitglied zu inspirieren.

4 Mahler3Bei einem online-Pressegespräch beschriebt Wiener Ballettchef Bilder und Stimmungen der vier Sätze seiner Mahler-Kreation, und man schaut ihm da quasi beim Choreografieren zu. Mit seiner bedächtigen Erzählweise zieht er uns hinein in seine kreative Gedankenwelt, spricht von der Leichtigkeit, Abwechslung, Hinterhältigkeit … Da fehlten nur noch die musikalischen Einspielungen für die Bilder im Kopf …4 Mahler2

Mahler erweist sich hier tatsächlich „als Katalysator zweier Künste“, wie Gunhild Oberzaucher-Schüller in ihrer Betrachtung ausführt. Auch wenn der Komponist keine Affinität zum Ballett zeigte, so spreche ihn, den Choreografen, die Musik auch körperlich an, denn sie sei „schamlos, nicht kalkulierbar, zutiefst human“ und gleichzeitig auch „sehr wienerisch“. Privat würde Martin Schläpfer Mahler gar nicht so oft hören, „aber man muss nicht immer mit seiner Lieblingsmusik arbeiten“.

Bei der Aufnahme fürs Fernsehen (Regie: Myriam Hoyer) hat sich Schläpfer nicht involviert, er wird nur beim Schnitt dabei sein. Es ist ein Risiko und: „Im besten Fall verliert mein Stück nicht“.

Wir hoffen jedenfalls, dass es 2021 auch bald vom Zuschauerraum in der Staatsoper zu erleben sein wird.

„Live / 4” am 4. Dezember, 20:30h als live-zeitversetzter Stream auf ARTE Concert; „4“ als Fernsehaufzeichnung am 8. Dezember um 9:00h auf ORF2

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