didwk1 iconLiz King, Mit-Begründerin der zeitgenössischen Tanzes in Österreich, setzt nach wie vor und immer wieder neue Akzente. Zuletzt im Palais Schönborn-Batthyány, wo sie mit ihrer Organisation D.ID – Dance Identity und in Zusammenarbeit mit der Galerie W&K – Wienerroither & Kohlbacher jungen Choreografinnen eine neuen, außergewöhnlichen Spielort eröffnete. Im Rahmen der Ausstellung „Metamorphosis“ von Arotin & Serghei waren works in progress von Eva-Maria Schaller und Katharina Senk zu sehen.

Die Verbindung von Tanz und bildender Kunst ist seit dem EU-Projekt „Dancing Museums“ fixer Bestandteil von Liz Kings Tätigkeit. Regelmäßig gibt sie Workshops in der Galerie der Akademie der bildenden Künste in Wien (die während der Renovierungszeit ihrer Räumlichkeiten zur Zeit im Theatermuseum Asyl gefunden hat). Gleichzeitig hat sie in Pinkafeld im Burgenland ein choreografisches Zentrum aufgebaut und ein Programm für und mit jungen ResidenzkünstlerInnen entwickelt. Die so entstandenen Arbeiten wurden im Regelfall bei den von Dance Identity kuratierten Burgenländischen Tanztagen gezeigt, die in diesem Frühling aber aus budgetären Gründen nicht stattfinden.didwk4

Dafür gab sich nun mit dem Projekt „Kunst als Tanzerfahrung“ im Palais Schönborn-Batthyány erstmals die Gelegenheit Kunst, „public learning“ und Tanz miteinander zu verbinden. Einer der Danceguides war Liz King selbst, die als geübte Community-Choreografin das Publikum mit einfachen Anweisungen schnell in bewegte Schwingungen versetzte. Die Interaktivität blieb auch während der choreografischen Showings der beiden von d.id – Dance Identity unterstützten Nachwuchskünstlerinnen erhalten. Denn die TänzerInnen waren herausgefordert sich ihren Weg durch das Publikum zu bahnen. 

didwk2In „Everlong“ von Eva Maria Schaller begeben sich fünf TänzerInnen auf improvisierte Fragestellungen zum Thema Zeit. Mit tänzerischen und lautmalerischen Äußerungen finden sie zu immer wieder zu neuen Konstellationen im Raum, der in diesem Fall von zwei dominierenden Faktoren geprägt ist: von den farbintensiven, multimedialen „digital canvases“ von Arotin und Serghei, die in starken Kontrast zu den barocken Textiltapeten des Wiener Palais stehen. Dieses Setting, zusammen mit den Tanzinterventionen inmitten der ZuschauerInnen eröffnete eine neue, spannende Dimension der Kunsterfahrung, in der alle Beteiligten denselben Raum teilen und die Grenzen zwischen Werk und Betrachter verschwimmen.didwk3

Die vier Cyborgs, die Katharina Senk in „super[human]“ auf die Reise schickt versuchen mit ihren durch die Kostüme von Gerda Graf verfremdeten Körper mögliche Formen der (menschlichen) Kommunikation im digitalisierten Zeitalter auszuloten. Die Cyborgs (in einer spannenden Inter-Generationen-Besetzung) bahnen sich den Weg selbstbewusst und offensiv und kreieren mit ihrem Mut zum physischen Risiko durchaus humorvolle Situationen.

In diese tanz- und bildkünstlerischen Themen fügte sich die Führung der Literaturwissenschaftlerin Diane Shooman ein. Ihr gelang es nicht nur die Verbindung zwischen den beiden Künsten sondern auch der unterschiedlichen Epochen von Architektur und zeitgenössischem kreativen Schaffen zu beleuchten. Vielleicht stehen die medialen, sich ständig verändernden Bilder von Arotin & Serghei ja für die Ahnenportraits der Familie, die einst das Palais bewohnte? (Durch ihre Beweglichkeit vielleicht sogar den Portraits in Hogwart ähnlich?)

Auch in der Abschlussintervention ging es um andere Wirklichkeiten als unsere erfahrbare Welt. Einen Einblick in das Mysterium der Quantenphysik lieferte der Physik-Professor der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Dr. Rupert Ursin. Schrödingers Katze wird jedoch, trotz stichhaltiger mathematischer Beweise, für die meisten im Publikum weiterhin ein Rätsl bleiben.

Die Tanzproduktionen von Eva-Maria Schaller und Katharina Senk werden jedenfalls im Herbst im Rahmen der Burgenländischen Tanztage in Oberwart zur eigentlichen Premiere kommen – die Daten werden demnächst bekannt gegeben.

„Tanz als Kunsterfahrung“ im Palais Schönborn-Batthyány am 25. April 2018, eine Veranstaltung von D.ID – Dance Identity und W & K