deutingerScheinbar unbegrenzt erstreckt sich nahezu bedrohlich der Tanzboden in gähnendem Weiß. Schlicht, aber nicht minder die Szene beherrschend, in der Mitte im Hintergrund das Schlagzeug auf einem Podest, das Marta Navaridas festen Schrittes betritt. In die erwartungsvolle Stille hinein drei kraftvolle „Paukenschläge“; zögerlich nur fügt sich Alexander Deutinger in das spannungsreiche Tableau.

„Why do I feel like a lamb to the slaughter?” Dieses Zitat Lady Dianas stellt das Performerduo Navaridas & Deutinger an den Beginn eines ihrer Texte zu „Queen of Hearts“: Und dieses Thema, eines von mehreren, ist von Beginn an vielschichtig greifbar:
Weil es wie alle anderen, die da rund um Sozialkontakte, Beziehungsspielchen in tradierter monarchischer wie alltäglichen Realität so wie im Jetzt des Theaters nachdenklich selbstironisch und kritisch analysiert werden. Feinst durchdacht und mit ebensolcher, gekonnter Exaktheit präsentiert, sich differenziert schwingend ausbreitet in der Leere, unter die Haut geht in der gegebenen Kälte einer unentrinnbaren Situation.

In sich wiederholenden, rhythmisch exakt akzentuierten Bewegungssequenzen kombiniert Deutinger sein tänzerisches Können mit darstellerischem - in feinsinniger Zurückhaltung der eingesetzten Ausdrucksmittel. Dieses „Weniger“ und die Zeit, die die Künstler sich nehmen - dies gilt auch für das wohlgesetzte, gestisch-musikalische Agieren, vielfältige Dirigieren (!) von Navaridas - und die Künstler damit dem Zuschauer geben, um gemeinsam die Empfindungspallette zwischen Getrieben- wie Verlorenheit, Empathie und Oberflächlichkeit, Maske und Disziplinierung zu durchwandern, bewirken ein eindringliches Erleben der aufgegriffenen Fakten: die von verknöcherter Tradition wie immerwährender, individueller Projektion.

Unaufgeregt und doch fern jeder Monotonie, verbindet sich der monologisch von Deutinger präsentierte Text mit seiner Bewegung - die auch ein Verharren sein kann; oder aber sich ergänzend artikuliert, sich in kontrapunktischem Herunterbrechen des Gesagten äußert. Und da kann auch einmal freudvolle Lockerheit, ja Ausgelassenheit ihren Weg sich bahnen, simple Assoziation oder aber ein vorsichtiges Hindenken, Hinbewegen darauf. So wie sich hier Normalität am Abgehobenen reibt, sich aus der Alltäglichkeit übernommener Phrasen auch kritisch Provokantes zu formulieren, zu manifestieren versteht, entwickelt sich so was wie ein heller Spalt – vorsichtig.

Getragen auf jeden Fall von einer durchgehend stimmigen Kombination von Akustischem, Verbalem und Choreographischem; von einer wiederum gänzlich anderen, mutig Neues suchenden Arbeit der beiden höchst präsenten Künstler.

Navaridas & Deutinger: “Queen of Hearts”, Premiere am 31. März 2016 im TTZ, weitere Aufführungen: 1. Und 2. April, ebendort
Am 15. Und 16. April im Tanzquartier Wien und am 14. Mai bei den Burgenländischen Tanztagen im OHO Oberwart.