malkaDas Buch „Malka Mai“ von Mirjam Pressler erzählt nach einer wahren Geschichte den Überlebenskampf des siebenjährigen Mädchens auf der Flucht vor den Nazis. Das teater Iskra hat daraus ein Theaterstück für ein Publikum ab 12 entwickelt. Mit ihrer reduzierten, sachlichen Inszenierung hat Regisseurin Nika Sommeregger diese ergreifende Geschichte eindrucksvoll in Szene gesetzt. Sie ist ab 10. Februar wieder im  Dschungel zu sehen.

Noch 1943 fühlt sich Hanna Mai trotz ihrer jüdischen Herkunft vor den Nazis sicher: sie ist Ärztin und als solche werde sie immer gebraucht, meint sie. Doch als die Deutschen in ihrem Ort Lawoczne an der polnisch-ungarischen Grenze mit den Deportationen beginnen, muss auch sie mit ihren zwei Töchtern Minna und Malka Hals über Kopf nach Ungarn fliehen. Auf dem Weg dorthin wird Malka krank. Schweren Herzens entschließt Hanna sich, das Kind bei Bauern zurückzulassen. Diese versprechen ihr, das Mädchen nachzubringen, sobald es sich erholt hat. Statt dessen setzen sie Malka quasi auf die Straße. Sie landet im Gefängnis und im Ghetto. Nach einer so genannten "Aktion" der Deutschen überlebt sie als Einzige und muss sich ab nun ganz allein durchschlagen. Trotz aller Widerigkeiten überlebt Malka Mai – die Krankheiten und den Holocuast. Ihre Mutter und ihre Schwester gelingt die Flucht nach Budapest.

NIka Sommeregger stellt den Text von Mirjam Pressler in den Mittelpunkt ihrer Inszenierung. Den drei Schauspielerinnen (Angela Ahlheim, Franziska King, Anne Wiederhold) ist dabei keine spezifische Rolle zugeteilt, vielmehr erzählen sie die Geschichte abwechselnd aus  der Sicht von Hanna, Minna oder Malka Mai. Nur wenige Szenen werden dramatisch in Szene gesetzt, meist wird der Text  einfach und klar gesprochen. Nur die Körperhaltung verstärkt die Worte. Dazu passt das sparsame Bühnenbild aus Baumstämmen, die von den Schauspielerinnen mehrmals umarrangiert werden (Peter Ketturkat). Im Laufe einer Stunde werden die Texte immer dichter, wird das Schicksal dieser Familie immer unbegreiflicher, der Schmerz der drei Frauen deutlich spürbar. Verstärkend wirkt dabei die musikalische Begleitung der Cellistin Marta Berchtold. „Malka Mai“ ist ein wichtiges und anspruchsvolles – für Jugendliche ebenso wie für Erwachsene – Stück über unsere grausame jüngste Geschichte (die anlässlich des 70. Jahrestags der Befreiung  von Auschwitz dieser Tage wieder verstärkt in den Medien reflektiert wurde). Und es hat mich auch gleich veranlasst, das ebenso packende Buch zu lesen, für das die Kinderbuchautorin den Deutschen Bücherpreis bekam. Beides - das Stück und das Buch – sind absolut empfehlenswert.

Teater Iskra: „Malka Mai“, gesehene Vorstellung: 29. Jänner 2015. Weitere Vorstellungen: 10. Bis 13. Februar im Dschungel

Mirjam Plasser: „Malka Mai“, Verlag Gulliver von Beltz und Gelberg, Basel, 2004

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