jemineh dschungelWie man ein Kinderbuch über alles was grad noch ein Glück ist auf die Bühne bringt, wie man mit Tanz und Pantomime, Theater und Musik eine lustige Geschichte erzählt und zugleich ein wenig philosophiert, zeigt Bert Gstettner (Tanz*Hotel) mit „Herr Jemineh hat Glück“ im Dschungel Wien. Das gleichnamige Buch stammt vom erfolgreichen Autor Heinz Janisch, der auch schon dem Tanztheater Homunculus (Choreografie Karin Steinbrugger) so manche Vorlage geliefert hat.

Getanzte Knödelmalzeit. Herr Jemineh ist ein Tolpatsch. Er purzelt über die Stiegen und wird von einem Schiff gestreift, er wird fast von einem Elefanten erschlagen und kann auch einem aus dem Fenster fallenden Blumentopf nicht ausweichen. Doch Herr Jemineh nimmt das alles nicht tragisch, findet er doch beim Treppensturz seine Schlüssel wieder, kommt er durch die Schiffskollision zu einem Gratisausflug auf dem Wasser und der Elefant verschafft ihm einen Zirkusbesuch samt beklatschtem Auftritt. Das schönste Glück aber beschert ihm der riesige Blumentopf, der sich über seinen Kopf stülpt. Er fiel einer Frau aus dem Fenster und die hat er dann geheiratet. Beim Knödelkochen und Verspeisen erzählt er ihr, dass er immer nur Glück hat. Heinz Janisch (und Bert Gstettner) haben mit dieser fröhlichen Geschichte die alte Tante Jolesch Lügen gestraft, die bittet, „der Herrgott bewahre uns vor allem, was grad noch ein Glück ist.“ Nur nicht, sagt Herr Jemineh, wir brauchen dieses Glück, um das Leben so zu nehmen wie es ist und es von der heiteren Seite zu betrachten.

Glücksfall Àkos Hargitay. Der kleines und großes Unglück einfach negierende Hermann Jemineh wird von Àkos Hargitay gespielt, getanzt und geturnt und das ist mehr als grad ein Glück für die Zuschauerinnen. Hargitay hat eine vis comica, kann seine Mimik bis zur Unkenntlichkeit verändern, ist Clown und armseliger Wicht, Tollpatsch und Sonnyboy, Akrobat, Schauspieler und Tänzer. Ihm zur Seite (oder im Rücken und auf dem Kopf und in den Armen) tanzen und spielen fünf Kinder. Sie sind Schatten und griechischer Chor, karikieren und ironisieren die Abenteuer Herrn Jeminehs, wechseln blitzartig ihr Kostüm (entworfen von Devi Saha) und schlüpfen in verschiedene Rollen. Sind Schiffsbesatzung und gefleckter Hund, Möwen und Zirkusakrobaten und tanzende Rapper. Dass die Kleinen energiegeladen und ohne Patzer wie die Großen agieren, ist dem Choreografen und Regisseur Bert Gstettner zu verdanken, der sie in langer intensiver Probenzeit zur Reife geführt hat. Unterstützt wird das Tanztheater durch die einfühlsame, mal dramatisch aufbrausende, dann wieder sanft beruhigende Musikbegleitung durch Katharina Ernst (Schlagzeug, Percussion) und Matija Schellander (Kontrabass). Nora Pider (Residentin bei Tanz*Hotel) ist Herrn Jeminehs knödelkochende Frau, die nicht so genau weiß, ob es wirklich ein Glück ist Jemineh zum Mann zu haben.

Mit wie viel Einfallsreichtum das Bilderbuch (illustriert von Selda Marlin Soganci) in eine lebendige Performance umgesetzt worden ist, beweisen ungezählte Blumentöpfe in allen Größen. Sie dienen den Kindern als Kuschelecke und Versteck, werden zur Brücke zusammen gestellt und zum Schiff umgebaut; Herr Jemineh benützt einen sogar als Kloschüssel und wird ihn nicht mehr los. Ein Gag unter vielen, den die gespannt und aufmerksam folgenden ZuschauerInnen mit glucksendem Gelächter belohnen. Das „Tanztheater mit Livemusik“ (mit sparsamem schön gesprochenem Text) ist für Kinder ab fünf Jahren entwickelt, auch Erwachsene werden es mit Gewinn genießen. Die exzellente Vorlage, die professionell perfekte und einfallsreiche Umsetzung haben gemeinsam mit Engagement und Leistungen sämtlicher Mitwirkenden ein Meisterwerk ergeben. Echt! Ganz ohne Pathos gesagt.

Tanz*Hotel: „Herr Jemineh hat Glück“, Uraufführung im Dschungel Wien am 28. März 2013.

Weitere Termine: 30., 31. März; 9.–12. April.

Heinz Janisch / Selda Marlin Soganici: Herr Jemineh hat Glück. Residenzverlag, 2012

Und hier kann man das Buch direkt bestellen:

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