«Le Spectre de la Rose «  -  Variationen des Be-Greifens
Sie kennen einander seit ihrer Kindheit, die beiden slowenischen Tänzer-Choreographen  Rosana Hribar und  Gregor Luštek. Ihre erfolgreiche künstlerische Zusammenarbeit besteht nun seit  mehr als 10 Jahren,  wurde neben anderen Preisen bereits  2008  mit dem Trdin Prize „for their long lasting achievements in contemporary dance art“ ausgezeichnet. Im Rahmen der TANZ NITE  4  waren sie soeben in Graz zu erleben (Studiobühne Opernhaus, Premiere 16.1.2013)
Um sie vorzustellen bat  Ballettchef und Initiator der Tanz Nite-Reihe  Darrel Toulon sie um eine nonverbale Visitenkarte. Nicht mit Verbeugung und Knicks überreichten die Künstler diese, vielmehr mit  gelassener Selbstverständlichkeit – was dennoch in Kürze  den Atem stocken ließ:  Da sind zwei auf der Bühne, zwei als wären sie Eines; zwei, bei denen das jeweilige Tempo sich mit dem des anderen zu addieren scheint. Da verdoppelt sich die Dynamik von zwei sich  trennenden, sich  zueinander, ineinander fügenden Gestalten – während auf leisen Sohlen mit geschmeidiger Hand  Bewegungspoesie  diesem explosiven Miteinander auch  Spuren sensibelster Art unübersehbar  aufdrückt.  Sie erzählten von ihrem Leben, lautet ihre schlichte Erklärung zum Gezeigten.
Erzählen sollte diese Tanz Nite  vordringlich vom berühmten Ballett Michel Fokines „Le Spectre de la Rose“; und dies gelang auch durchaus neuerlich in der nun schon  bewährten Mischung:  aus  Tanz-Theoretischem (diesmal Infos zur  Choreographie, die immerhin  am  Beginn der Emanzipation männlicher Tänzer steht), aus  Dialogen mit Gast-Künstlern und solchen aus Graz sowie aus konkreten Tanzbeispielen.
Immer öfter und stärker bietet Toulon seinen Grazer Tänzern die Möglichkeit, sich in choreographischer Hinsicht  mit eigenen Interpretationen zum jeweiligen Thema zu „äußern“ bzw. zu bewähren: ein herausforderndes, bereicherndes Angebot an diese, eine perspektivenerweiternde Konfrontation (auch) für das Publikum, denen sich  derart das Spektrum zeitimmanenter tanzkünstlerischer Statements Schritt um Schritt auftut.
Die Arbeitsaufgabe an das slowenische Künstlerduo Rosana Hribar/Gregor Luštek war (in dieser Form leider zum letzten Mal in dieser Saison), innerhalb einer Woche mit den Grazer TänzerInnen eine Choreographie,  in diesem Fall eine zeitgemäße Version von „Le Spectre de la Rose“,  zu erarbeiten. Die bei dieser Zusammenarbeit erlebte tänzerische Bereicherung sei in mehrfacher Hinsicht eine qualitativ außergewöhnliche gewesen,  so einige der Grazer KünstlerInnen begeistert  im O-Ton.
 
Dem Publikum bot sich ein zweifellos unerwarteter, wenngleich durch das „Vorspiel“ des Abends (den Versuch, den Geist zu haschen) bereits angedeuteter, zum Teil dennoch nicht sofort zugänglicher Ansatz: der eines relativ abstrakten nämlich.  Einer, der den (kaum zu be-greifenden) „Geist“ zur un-fassbaren Metapher von Wünschen, Sehnsüchten, Erinnerungen, Idealen, Versäumnissen ...  vom Miteinander werden lässt; erlebt und dargestellt aus individuellen Perspektiven, an unterschiedlichen Orten, in divergierenden Situationen – und  ohne Protagonisten; angelegt zwischen solistischer Darstellung und solchen des Corps de Ballet;  abgerundet schließlich durch die  vielsprachige Wiedergabe (problemlos umsetzbar durch  die internationalen Tänzer) des Gedichtes von Théophile Gautier, das als Anregung  am Beginn der choreografischen Transkription stand . Das wunderbare Ergebnis ist  ein vernetztes Übereinander von Kommunikationsebenen, die sich zu einem Thema und durch ein Thema entfalten.
Wenn bedacht wird, dass laut Toulon die TANZ NITE Reihe aus der „Ausrede“ entstanden ist, mit dem Publikum in Kontakt zu treten, mögen möglichst viele „Kavaliersdelikte“ dieser Art ohne Political-correctness-Analyse durchgehen.
 

hribargrazVariationen des Be-Greifens. Sie kennen einander seit ihrer Kindheit, die beiden slowenischen Tänzer-Choreographen  Rosana Hribar und  Gregor Luštek. Ihre erfolgreiche künstlerische Zusammenarbeit besteht nun seit  mehr als 10 Jahren,  wurde neben anderen Preisen bereits  2008  mit dem Trdin Prize „for their long lasting achievements in contemporary dance art“ ausgezeichnet. Im Rahmen der TANZ NITE  4 waren sie soeben in Graz zu erleben.

Um sie vorzustellen bat  Ballettchef und Initiator der Tanz Nite-Reihe  Darrel Toulon sie um eine nonverbale Visitenkarte. Nicht mit Verbeugung und Knicks überreichten die Künstler diese, vielmehr mit  gelassener Selbstverständlichkeit – was dennoch in Kürze  den Atem stocken ließ:  Da sind zwei auf der Bühne, zwei als wären sie Eines; zwei, bei denen das jeweilige Tempo sich mit dem des anderen zu addieren scheint. Da verdoppelt sich die Dynamik von zwei sich  trennenden, sich  zueinander, ineinander fügenden Gestalten – während auf leisen Sohlen mit geschmeidiger Hand  Bewegungspoesie  diesem explosiven Miteinander auch  Spuren sensibelster Art unübersehbar  aufdrückt.  Sie erzählten von ihrem Leben, lautet ihre schlichte Erklärung zum Gezeigten.

Erzählen sollte diese Tanz Nite vordringlich vom berühmten Ballett Michel Fokines „Le Spectre de la Rose“; und dies gelang auch durchaus neuerlich in der nun schon  bewährten Mischung:  aus  Tanz-Theoretischem (diesmal Infos zur  Choreographie, die immerhin  am  Beginn der Emanzipation männlicher Tänzer steht), aus Dialogen mit Gast-Künstlern und solchen aus Graz sowie aus konkreten Tanzbeispielen. Auch die Arbeitsaufgabe an das slowenische Künstlerduo Rosana Hribar/Gregor Luštek war, innerhalb einer Woche mit den Grazer TänzerInnen eine Choreographie,  in diesem Fall eine zeitgemäße Version von „Le Spectre de la Rose“,  zu erarbeiten. 

Immer öfter und stärker bietet Toulon seinen Grazer Tänzern die Möglichkeit, sich in choreographischer Hinsicht  mit eigenen Interpretationen zum jeweiligen Thema zu „äußern“ bzw. zu bewähren: ein herausforderndes, bereicherndes Angebot an diese, eine perspektivenerweiternde Konfrontation (auch) für das Publikum, denen sich  derart das Spektrum zeitimmanenter tanzkünstlerischer Statements Schritt um Schritt auftut. 

Dem Publikum bot sich ein zweifellos unerwarteter, wenngleich durch das „Vorspiel“ des Abends bereits angedeuteter, zum Teil aber dennoch nicht sofort zugänglicher, abstrakter Ansatz: nämlich der Versuch, den Geist zu haschen. Der kaum zu be-greifende „Geist“ als un-fassbare Metapher von Wünschen, Sehnsüchten, Erinnerungen, Idealen, Versäumnissen ...  vom Miteinander, erlebt und dargestellt aus individuellen Perspektiven, an unterschiedlichen Orten, in divergierenden Situationen – und ohne Protagonisten; angelegt zwischen solistischer Darstellung und solchen des Corps de Ballet;  abgerundet schließlich durch die vielsprachige Wiedergabe (problemlos umsetzbar durch  die internationalen Tänzer) des Gedichtes von Théophile Gautier, das als Anregung  am Beginn der ersten choreografischen Transkription gestanden ist. Das wunderbare Ergebnis ist ein vernetztes Übereinander von Kommunikationsebenen, die sich zu einem Thema und durch ein Thema entfalten.

Wenn die TanzNite-Serie laut Toulon aus der "Ausrede" heraus entstanden ist, mit dem Publikum in Kontakt zu treten, dann wünscht man sich angesichts der Ergebnisse durchaus weitere "Verlegenheitslösungen".

TANZ NITE  4  Studiobühne Grazer Opernhaus, Premiere 16. Jänner 2013