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Bezaubernde Clara, kühler Prinz. Knirschte und knackte „Der Nussknacker“ von Rudolf Nurejew bei der Premiere im Oktober noch an manchen Ecken und Enden, so zeigt sich die erste Vorstellung der weihnachtlichen Serie runderneuert und geschmeidig. Maria Yakovleva debütierte als Clara und fand in Robert Gabdullin einen verlässlichen Partner. Die lebhaften Gefühle Claras, wollte er jedoch nicht erwidern. „Der Prinz“ blieb ungerührt.

Der neue „Nussknacker“ in der schwierigen Nurejew-Choreografie schien bei der Premierenserie im heurigen Oktober noch recht verbesserungswürdig.  Die erste Weihnachtsvorstellung am 23. Dezember zeigte das Wiener Staatsballett in gewohnter Hochform. Keine Faux Pas bei den komplizierten Drehungen und Hebungen die das Corps zu bewältigen hat. Kein Gewurschtel und Gezappel mehr. Exakt und geschmeidig fügten sich Schneeflocken und Walzerpaare zum sich stets neu ordnenden irisierenden Mosaik. Ein Vorteil für die Besitzerinnen der billigeren Plätze hoch oben. Sie können die bewegten Muster der Ensembleszenen erst richtig sehen und genießen.

War schon bei der Premiere an den Kindern der Ballettschule, die nahezu den gesamten ersten Akt am Leben halten, nichts auszusetzen, so muss festgehalten werden, dass sie auch nach der Aufführungspause nichts an Elan und Spielfreude verloren haben. Mädchen und Buben sind mit vollem Einsatz dabei und erlauben sich weder Spompanadeln noch falsche Bewegungen. Wirklich beeindruckend ist auch diesmal die Invasion der Ratten, nicht nur Clara fährt da der Schrecken in die Glieder. Yakovleva bezaubert jedoch in jeder Gefühlslage, freut sich kindlich über die Nussknackerpuppe und reagiert anfangs amüsiert auf die Sekkatur des Bruders. Der ist aber in der Interpretation von Marcin Dempc (Rollendebüt) gar kein so wilder, übermütiger Kerl. Vorsichtig dirigiert er seine Reiterschar und erschrickt regelrecht, als er die hölzerne Puppe zerbricht und Clara bitterlich weinen muss. Ihrer reichen Gefühlspallette steht Gabdullin als Prinz eher ratlos gegenüber. Während sie, mit jedem Schritt erwachsener werdend, anfangs zögernd, dann aber nahezu fliegend, auf ihn zugeht, bleibt er distanziert und verschlossen. Es scheint als könnte Yakovleva das Publikum bezaubern, aber nicht den schüchternen Prinzen. Was Gabdullin wirklich kann, zeigt er in den solistischen Partien und so wird er ebenso wie Yakovleva mit heftigem Applaus belohnt.

Als für viele unsichtbarer wahrer Star des Abends muss Paul Connelly vor den Vorhang. Der renommierte Ballettdirigent hat seine Karriere als Erster Kapellmeister des American Ballet Theatre begonnen und wird inzwischen nicht nur als Ballettdirigent von sämtlichen Opernhäusern der Welt umworben. Tschaikowsky scheint ihm besonders am Herzen zu liegen und die Musiker folgen ihm mit ebensolcher Freude wie die TänzerInnen. Selbst der häufige Tempowechsel macht dem Corps mit Connelly kaum Schwierigkeiten und die Kantilenen steigen so weich und innig aus dem Orchestergraben, dass auch der Prinz gerührt sein sollte. Da macht es nichts aus, wenn man bei den herunter gehudelten Charaktertänzen die Augen schließt.

Großer Applaus für eine feine Weihnachtsvorstellung.

„Der Nussknacker“, 23. Dezember 2012, Staatsoper.