GAGA icon„Mr. Gaga“, ein Film über den israelischen Choreografen und Leiter der Batsheva Dance Company Ohad Naharin, hat es nur einmal im Rahmen des Jüdischen Filmfestivals Wien in ein österreichisches Kino geschafft. Eine DVD kann diese Lücke füllen. Der Film vom Tomer Heymann ist eine einfühlsames Portrait über die Arbeit und das Leben eines Künstlers, der mit seiner “Gaga“-Methode auf der Suche nach der Essenz der Bewegung ist.

Ohad Naharin wurde 1956 in einem israelischen Kibbutz geboren. Erst spät kam er zum Tanz, nachem der während seiner Militärzeit begonnen hatte, Tanzabende für die Soldaten an der Front zu choreografieren. Nach seiner Ausbildung in der Batsheva Dance Company ging er nach New York und studierte dort an die American Ballet School sowie die Juillard School. Engagements bei der Martha Graham Dance Company und bei Maurice Béjarts Ballet du XXe siècle waren nur von kurzer Dauer. Naharin fand es schwer, sich an den Bewegungsstil des Balletts oder von Graham unterzuordnen. Zusammen mit seiner Frau Mari Kajiwara, eine Solistin der Alvin Ailey Dance Company, gründet er die Ohad Naharin Dance Company, wo er seinen eigenen Tanzmodus zu entwickeln begann, der ihm in der Folge eine internationale Karriere eröffnen sollte. Seine Berufung als Künstlerischer Leiter der Batsheva Dance Company brachte ihn zurück nach Israel, für die er zahlreiche Choreografien schuf. Außerdem arbeitete er unter anderen für das das Nederlands Dans Theater, das Cullberg Ballett, das Genfer und des Lyoner Opernballett, das Ballett Frankfurt und die Compañía Nacional de Danza in Madrid.

Gaga10Nach dem Tod von Mari Kajiwara öffnete Naharin seine Methode für Laien. Heute bieten er und speziell qualifizierte Tänzer seiner Compagnie in vielen Ländern Workshops und Kurse für professionelle Tänzer (Gaga/Dancers) und Amateure (Gaga/People) an.

Heymanns Film, der übrigens über Crowdfunding finanziert wurde, portraitiert einen komplexen und eigenständigen Künstler, mit einer sehr klaren Vorstellung von dem, was er will - auch wenn seine Anweisungen sind oft sehr vage erscheinen. Er lässt eine Bewegung so oft wiederholen, bis sie seinen Ansprüchen genügt – nicht immer könnern die Tänzer nachvollziehen, was sie letztlich richtig gemacht haben. Und doch stehen sie hinter ihm.gaga2 Als seine Choreografie 1998 zur 50-Jahr-Feier des Staates Israel von religiös Orthodoxen zensuriert wurde, war er für seine Tänzer zwar bereit, einen Kompromiss einzugehen, hatte aber beschlossen am nächsten Tag die Leitung seiner Compagnie zurückzulegen. Seine Tänzer solidarisierten sich mit ihm, sie sagten die Aufführung ab. Viele solidarisierten sich damals mit der Batsheva Dance Company, wochenlange Protestaktionen folgten.

Aus Anlass des Films „Mr. Gaga“ veröffentlichen wir nun das Gespräch von Ohad Naharin mit der israelischen Tanzkritikerin Gabi Aldor, die darin die Persönlichkeit des Choreografen sehr plastisch darstellte. Unter diesem Aspekt hat der Artikel "Zeit für Knoblauch und Tomaten", der im November 1997 in der Zeitschrift tanzAffiche erschienen ist, bis heute seine Gültigkeit bewahrt.

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Mr. GAGA