Nahezu 20 Jahre lang hat der Fotograf Dieter Blum den Tänzer Vladimir Malakhov begleitet und gewiss jede Menge Bühnen- und Probenfotos gemacht. In seinem neuen, aufwendig ausgestattetem überformatigen Bildband aber wird Vladimir Malakhov nicht nur in Kostüm und Maske gezeigt, sondern völlig nackt.


Zwar zeichnet Blum Malakhovs Karriere in Bildern nach und lässt neben den Texten von Claus Lutterbeck auch den Tänzer selbst zu Wort kommen, doch gilt sein Hauptinteresse dem nackten Körper. Die Fotos des hüllenlosen Körpers in Bewegung sagen dann auch mehr aus, als Malakhovs freundliche Worte für den Reisebegleiter Dieter (Blum).
Mit Malakhov springen und fliegen, ebenfalls nackt, Ballerinen aus dem Berliner Ensemble. Nadja Saidakova, Sarah Mestrovic oder Elisa Barrillo Cabrera. Lediglich Polina Semionova lässt die Hüllen nicht fallen. Der Hauptdarsteller ist da weniger schamhaft, ebenso willig tanzendes Aktmodel wie hervorragender Bühnenkünstler. Blum verfremdet die Bilder, arbeitet perfekt mit Licht und Schatten, lässt die Körper entrückt in geisterhaftem blauem Licht erscheinen oder in samtrotem Plüsch schmachten.
Der tanzende nackte Körper wirkt auf Blums Bildern mitunter unwirklich, ätherisch und strahlt dann wieder fleischliche Erotik aus, wie man sie von den Bildern Robert Mapplethorpes kennt. Der ließ seine Modelle starr posieren, Blum hält sie in der Bewegung fest. Wenn Blum Eadweard Muybridge und dessen Bewegungsstudien zitiert, wird die Kunst zur Mechanik.
Dieter Blum ist ein Ästhet und liebt es, seine Fotos zu inszenieren, darin trifft er sich mit dem Tänzer Malakhov, den Kolleginnen und Kollegen. Die Harmonie von Objekt und Subjekt ist in diesen perfekt gearbeiteten Bildern spürbar. Fast zu intensiv, auf jeden Fall zu üppig. Blum (geboren 1936) konfrontiert die BetrachterInnen mit einem Körperbild, das so nicht stimmt, Interpretation von Tanz, so zu einseitig ist und einer Intimität, die so nicht gewünscht ist. Was nichts an der Perfektion der Fotos ändert.


Dieter Blum: Vladimir Malakhov
h.f. ullman Verlag
Erscheinungsjahr: 2010
ISBN: 978-0841659001

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