KulturRezept IconIn einigen europäischen Ländern ist es bereits Realität: Kunst als medizinische Indikation für Gesundheit und Wohlergehen. Auch hierzulande wurde Ende letzten Jahres die Debatte darüber mit dem Workshop "Arts and Health" der Kulturabteilung des Bundeskanzleramtes eröffnet. Dazu gab die IG Kultur die Zeitschrift „Kultur als Rezept“ heraus, in der Initiativen in Österreich sowie internationale Perspektiven vorgestellt werden.

Artikel über Beispiele aus der Praxis, Berichte von ExpertInnen, Beiträge zu Politik und Theorie ergeben einen Überblick über die derzeitigen Stand der Forschung sowie über Projekte, die zur Zeit in Österreich durchgeführt werden. Das Magazin ist in Print und als pdf erhältlich.

Michaela Wolf schreibt darin über MAD, die von drei Tänzerinnen im Rollstuhl – Vera Rosner, Elisabeth Löffler und Cornelia Scheuer – gegründet wurde und die sich durch ihre Angebote an ChoreografInnen und TänzerInnen mittlerweile auch in der zeitgenössischen Kunstszene durchgesetzt hat. Ein weiteres bemerkenswertes Beispiel liefert die Künstlergruppe Einmaliges Gastspiel, das psychisch Kranke simuliert und sich als Erstkontakte für Studierende der Psychiatrie zur Verfügung stellt, um die PatientInnen vor eventuell verstörenden Fragen der unerfahrenen Ärzte zu schützen. Die Interventionen, die aus den Bereichen der bildenden Kunst bewegen sich zwischen Therapie und künstlerischer Erfahrung, etwa für für Menschen mit Demenz oder bei Burnout. Die Beiträge „Kunst auf Rezept“ oder „Die Packungsbeilage und ihr Double“ beschreiben spezielle Kunstprojekte zum Thema.

Auf der politischen Ebene stellen Monika Novotny (Gesundheit Österreich GmbH) und Anna Fox (Gesundheitsministerium) die „Kompetenzgruppe Entstigmatisierung“ vor, und die Rolle die Kunst und Kultur bei der Überwindung von Stigmata von psychischen Erkrankungen spielen können. Veronika Krenn geht in ihrem Artikel „Warnhinweis: Künstlerische Tätigkeit kann ihre Gesundheit gefährden“ auf die prekäre Situation freischaffender KünstlerInnen ein.

Dass Kunst für die Gesundheit mehr ist als ein Placebo, ist mittlerweile hinlänglich belegt. Unter der Rubrik "Theorie" wird der Stand der wissenschaftlichen Forschung über Kunst und Gesundheit dargestellt. In dieser Sektion ist auch mein Beitrag "Tanz ins Wohlbefinden" erschienen, der auch auf tanz.at abrufbar ist. (Dabei sei angemerkt, dass der WHO-Report “What is the evidence on the role of the arts in improving health and well-being? A scoping review”, für den ca. 3700 Studien evaluiert wurde, erst nach Redaktionsschluss erschienen ist.)

Mit dem Sammelband „Kultur als Rezept“ ist jedenfalls ein umfassender Überblick zu dem Thema gelungen, quasi als Vorstufe für die Umsetzung: Internationale Beiträge von Katherine Taylor und Johanna Vuolasto erläutern das britischen bzw. finnische Modell, mit dem Kunst als Teil des Gesundheitswesens verankert ist. Barbara Stüwe-Essl war Mitglied der EU-ExpertInnengruppe zum Thema Kunst und soziale Inklusion, deren Bericht eine Reihe von Empfehlungen für die Förderung von sozialer Kohäsion mit Mitteln der Kunst formuliert. Für Österreich empfiehlt sie die derzeit durchgeführten Pilotprojekte zu erfassen, alle Akteure in den verschiedenen Sektoren im Gesundheitsbereich zu vernetzen und eine Informationsplattform zu schaffen.

IG Kultur (Hg): Zentralorgan für Kulturpolitik und Propaganda 1.19 „Kultur als Rezept“. Gratis Download der pdf-Datei

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