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studentscorner 01Nach ihrem BA-Studium am MUK Wien hat Miriam Schmid im letzten Jahr ihr Lehramtsstudium der Psychologie/Philosophie, Universität Wien abgeschlossen. In ihrer Diplomarbeit „Ballo, ergoi sum“ ging es um philosophische Überlegungen zum Leib-Seele-Problem im Hinblick auf eine zeitgemäße Tanzpädagogik, die sie im folgenden vorstellt.

Einleitend widmet sich die Arbeit zunächst der Geschichte des klassischen Balletts, der Entwicklung des europäischen modernen Tanzes und zeitgenössischen Tendenzen im Tanz sowohl hinsichtlich geschichtlicher Eckdaten, als auch in Bezug zu einigen anthropologischen und epistemologischen Gesichtspunkten. Dabei wird herausgearbeitet, dass unabhängig davon, welche anthropologischen Ideen tanzgeschichtlich gerade im Fokus standen, allen tänzerischen Entwicklungen und Stilen ein zentraler Aspekt stets gemeinsam bleibt: Physiologie und Intellekt, Handlung und Denken, Außen und Innen finden im Tanz zu einer Vereinigung. Der Tanz verkörpert Wissen als eine spezifische Praxis, nämlich als Körperbewegung, die räumliche und zeitliche Gestaltung ist.

In weiterer Folge setzt sich die Arbeit mit dem philosophischen Selbstverständnis des zeitgenössischen Tänzers und der zeitgenössischen Tänzerin auseinander, plädiert für die Wichtigkeit der Leib-Seele-Auseinandersetzung in der tänzerisch-künstlerischen Praxis und erklärt, wie der Tanz als konstruktive Wechselwirkung zwischen Selbstständigkeit und Beziehungsoffenheit verstanden werden kann.

Es wird dabei argumentiert, dass es für den Tänzer oder die Tänzerin hilfreich ist, selbst ein überzeugtes Menschenbild zu haben, um der Flexibilität gewachsen zu sein, temporäre Veränderungen im Selbstverständnis für die künstlerische Praxis annehmen zu können. Aus Überlegungen zu den sechs Körperkonzeptionen nach Manfred Aichinger – die mit philosophischem Gedankengut und Textausschnitten in Beziehung gesetzt werden – ergeben sich dabei Parallelen zu einem humanistischen Menschenbild: Tanz besteht gleichermaßen aus Selbstständigkeit wie aus Beziehungsoffenheit und in seiner Flüchtigkeit zeigt sich eine vorwärtstreibende, selbstaktualisierende Tendenz. Sein Wesen besteht in Entwicklung. Mit Jean-Luc Nancy lässt sich Tanzen schließlich als werdendes, sich gerade im Entstehen befindliches Denken begreifen, und der tanzende Körper als ein denkender Körper.
Abschließend wird mit Ausarbeitungen an der Schnittstelle von Philosophie- und Tanzunterricht ein Bogen zur Praxis und Anwendbarkeit dieser Überlegungen, insbesondere für den schulischen Bereich, gespannt. Tanzpädagogik wird hier als Chance für den Schulalltag, den Philosophieunterricht und die Persönlichkeitsentwicklung von Schülerinnen und Schülern dargestellt.

Miriam Schmid: „Ballo, ergo sum. Einige philosophische Überlegungen zum Leib-Seele-Problem im Hinblick auf eine zeitgemäße Tanzpädagogik“, Diplomarbeit im Studium Psychologie/Philosophie, Universität Wien, 2017

MiriamSchmid 720pxMiriam Schmid, Mag.phil, BA

Die 1989 geborene Tanzpädagogin, Choreografin und AHS-Lehrerin absolvierte ihr Studium der Zeitgenössischen Tanzpädagogik an der Konservatorium Wien Privatuniversität (inzwischen: MUK - Musik- und Kunst-Privatuniversität der Stadt Wien) sowie ihr Lehramtsstudium der Psychologie/Philosophie und Anglistik an der Universität Wien.
 
Bereits während des Studiums der Zeitgenössischen Tanzpädagogik trat Miriam Schmid als Tanzpädagogin eine Lehrvertragsstelle an einem Wiener Gymnasium an; heute ist sie dort mit einer vollen Lehrverpflichtung für Tanz, Bewegung und Darstellung, Musiktheater, Psychologie/Philosophie und Englisch tätig und war an der Entwicklung eines neuen Lehrplanes für das Maturafach Tanz beteiligt. Außerdem leitete sie Kurse und Workshops für Körperbildung in der Generation 50+.
 
Künstlerisch war sie an diversen Projekten, u.a. unter der Leitung von Hubert Lepka, Nicole Berndt-Caccivio, Nikolaus Selimov, Manfred Aichinger und Stephan Rabl beteiligt.

Sie ist im Leitungsteam des Theaters BRETTERHAUS, wo sie als Choreografin, Tänzerin, Schauspielerin und Regieassistentin bei der Uraufführung und bislang elf Wiederaufnahmen von „FAUST – Der Tragödie Dritter Teil“ seit 2010 tätig ist.
 
Im Jahr 2015 zeigte sie ihre Choreografie „septem“ im Rahmen der Theater BRETTERHAUS Produktion „Die 7 – Auch deine Todsünde ist dabei“ und wirkte bei „Circus Infernalis“, dem zweiten Teil des Stücks, als Schauspielerin mit.

2016-2018 wirkte sie choreografisch bei einigen Musikvideos mit (Wiener Blond – „Suesser“, Neuschnee – „Umami“, Josh – „Melodie verloren“).

Sie gestaltet den Weltkongress für PCE Psychotherapie unter dem Motto „Facilitating Hope – Personal and societal challenges“ im Juli 2018 künstlerisch/choreografisch.