fendDie Bachelorarbeit von Natalie Fend – Absolventin 2012 Konservatorium Wien Privatuniversität (MUK) – trägt den Titel Bewegung – Raum – Architektur. Sie verbindet zwei Künste miteinander und nimmt deren stetige Wechselbeziehung unter die Lupe.  In der Kommunikation von Architektur und Tanz, Raum und Mensch, geht es um Raum, der durch Bewegung entsteht, Bewegung, die durch den Raum beeinflusst wird und um Raum, der eben genau diese Verknüpfung bedingt.

Wie ich auf dieses Thema gekommen bin? Mein persönliches Interesse an der Kunst besteht darin, Künste miteinander zu verbinden, denn nur zusammen werden sie eine Einheit. An welcher Stelle lassen sich also Tanz und Architektur verbinden? Durch den Raum! Angetrieben von der Faszination Raum entstand über die Jahre meiner Tanzausbildung eine intensive Auseinandersetzung damit. Als ich den  großen Saal in der Bräunerstraße des Konservatoriums das erste Mal betrat, erschien mir dieser Tanzraum viel größer als ich ihn später wahrnehme, aber warum eigentlich? Im Laufe der Zeit stellte ich fest, wie sich meine Wahrnehmung in Bezug auf diesen Raum durch Ereignisse, unterschiedliche Alltagssituationen und Emotionen wandelte. Ich stellte mir vermehrt die Frage,  was dieser weitläufige Begriff „Raum“ überhaupt darstellt? Wo beginnt die Wahrnehmung von Raum, wo endet sie? Welche Auswirkung hat nun der architektonische Raum auf den Tänzer, welche Bewegungsmöglichkeiten entstehen in bestimmten Räumen? In meiner Arbeit gehe ich der Frage nach, wie sich der architektonische Raum und der Bewegungsraum eines Tänzers gegenseitig beeinflussen, unterstützen oder unterbinden.

Ich beschränke mich in dieser Arbeit im Wesentlichen auf drei Räume: Den architektonischen Raum, den Umraum des Tänzers und die Schnittstelle dieser zwei Räume.

Bewegung: Für die Darstellung des tänzerischen Bewegungsumraumes sind vor allem die Tänzer und Choreografen Rudolf von Laban, Merce Cunningham und William Forsythe zu nennen. Diese entwickelten Bewegungskonzepte, die sich mit der Beziehung des menschlichen Körpers zum Raum befassen. Forsythes’ Studien der Improvisation Technologies stellen eine Verbindung aus Mathematik und Tanz dar. Die Linien, welche er mit seinem Körper in die Luft schreibt, werden zu eigenen Körpern und Räumen.

Zeit: Ein wichtiger Aspekt in der Betrachtung von Raum ist die Zeit. Zeit als vierte Dimension des Raumes, wie Albert Einstein damals beschrieben hat, stellt eine wichtige Variable in der Arbeit, im Umgang mit Raum dar. Eine Bewegung wird zeitlich gemessen. Ein Sprung im Tanz findet zu einer bestimmten Zeit, an einem bestimmten Ort im Raum statt. Wird dieselbe Bewegung wiederholt, ist sie mit der vorangegangenen nicht identisch, haben sich Raum und Zeit bereits verändert, sind gealtert, die Bewegung liegt in der Vergangenheit. Ohne Zeit gibt es keine räumliche Struktur und Ordnung, in Bezug auf den Tanz, keine Bewegungsfolge, in der Architektur kein Gebäude.

Körper: Ohne einen Körper wäre Raum nicht erfahrbar. Jede Bewegung braucht einen Körper, der sich bewegt oder bewegt wird! Dies entspricht dem Bewegungsbegriff der klassischen, Newtonschen Physik. Der Körper bietet somit den Ausgangspunkt für die Orientierung des Individuums im Raum. Ich grenze an dieser Stelle den Raum also erneut ein, um der Beziehung von Bewegung und Architektur durch Raum näher zu kommen.

Architektur: Prinzipiell gesehen handelt es sich in der Leere zwischen zwei Objekten – wie beispielsweise zwei Gläser, die sich gegenüber stehen – um Raum, dadurch treten sie in Beziehung zueinander. Doch auch in den Gläsern selber ist Raum. Die Architektur respektive die Baukunst, befasst sich mit dem gebauten und dem umbauten Raum und den entstehenden Räumen dazwischen. Für die Erstellung und Manipulation von Räumen dienen Körper die sich in Ebenen und Achsen gliedern. Der Architektonische Raum ist (physisch) ein geometrisch-/ mathematischer Raum der funktionale Aspekte aufweist.

Schnittstelle zweier Künste: Im letzten Abschnitt der Arbeit suchen eine Tänzerin und ein Architekt deren Schnittstelle in der Vermessung von Raum durch den eigenen Körper und untersuchen, welche Auswirkung der architektonische Raum auf die Bewegungssprache im zeitgenössischen Tanz haben kann.

Florian und Natalie Fend befassen sich seit 2012 mit der Schnittstelle von Tanz und Architektur: Architektonischer Raum, der durch Bewegung sichtbar wird und Bewegung, die durch Raum entsteht: Video im Rahmen der Bachelorarbeit https://vimeo.com/57138357.

Eine erneute Auseinandersetzung und ein geplantes Projekt für 2016/17 lässt deren Arbeit nun weiter in die Tiefe eintauchen und unternimmt den Versuch, mittels unterschiedlicher Perspektiven neuen Wahrnehmungsraum zu kreieren.

fend portraitNatalie Fend

ist ausgebildete Tänzerin/Choreografin/Tanzpädagogin. Sie wurde 1989 in Feldkirch geboren, ist in Götzis aufgewachsen und studierte von 2008 bis 2012 Tanz in Wien und Dijon. Als freischaffende Künstlerin beschäftigt sich Natalie mit der Schnittstelle verschiedener Künste und führt diese zusammen. Sie tanzt, singt, schreibt. Ihre Projekte führten sie bisher nach Afrika, Wales, Italien, Österreich, Schweiz, Deutschland, Palästina und Israel. 2016 startete sie mit einer Weiterbildung in Gesang am CVI in Kopenhagen. 2013 erhielt Natalie das Stipendium der Stadt Wien für ihre Bachelorarbeit "Bewegung – Raum – Architektur" an der Konservatorium Wien Privatuniversität (MUK), 2015 den Förderpreis für Kunst des Landes Vorarlberg.