Wien AshtonTanzzeit ist die Zeit der großen Emotionen an Österreichs Theatern. Von Wien bis Innsbruck werden ikonische Werke des Balletts, der Musik und der Weltliteratur gezeigt. In traditionellem Gewand oder in Neudeutungen zeitgenössischer ChoreografInnen, die in Linz, Salzburg und Innsbruck den Spielplan bestimmen oder im Festspielhaus St. Pölten zu Gast sind. Das neue Werk vom Wiener Staatsballett-Chef Manuel Legris wird da wohl irgendwo dazwischen liegen. Wo sich die neue Ballettchefin Beate Vollack in Graz einordnet, ist zur Zeit noch offen.

Wien

Die Wiener Staatsoper feiert 2019 ihren 150. Geburtstag. Aus diesem Anlass wird auch Österreichs Flaggschiff des Tanzes (und eine der größten Compagnien weltweit) mit der Ausstellung „Die Spitze tanzt“ im Österreichischen Theatermuseum geehrt. Grund genug auch die Ballettakademie wieder ins Große Haus der Wiener Staatsoper zu holen. Der tänzerische Nachwuchs wird dort am 23. Juni 2019 Josef Hassreiters „Die Puppenfee“ (zusammen mit Peter Breuers „Bolero“ und Balanchines „Serenade“) tanzen. Auch die Nurejew Gala wird unter das Jubiläumsmotto gestellt und am 28. Juni die vorletzte Saison unter der Leitung von Manuel Legris beschließen. (Ab 2020/21 übernimmt Martin Schläpfer die Geschicke des Ensembles, tanz.at berichtete).Wien Solo Kimoto

Dieser versucht sich noch einmal als Choreograf. Seine „Sylvia“ zur Musik von Léo Delibes wird er in der Tradition der Pariser Oper anlegen, wo das Stück 1876 in der Choreografie von Luis Mérante seine Uraufführung hatte. Seither haben sich zahlreiche Tanzschöpfer an der Neuinterpretation der vertrackten Geschichte über diese Nymphe von Diana versucht, darunter Serge Lifar, Frederick Ashton oder László Seregi, dessen Version zuletzt 1985 ins Repertoire des Wiener Staatsopernballetts aufgenommen wurde. Legris holt sich bei Jean-François Vazelle Hilfe für die Entwicklung des Librettos und der Dramaturgie. Luisa Spinatelli, die bereits Nurejews „Schwanensee“ und Legris’ „Le Corsaire“ ausgestattet hat, wird auch bei „Sylvia“ Bühnenbild und Kostüme verantworten. (Premiere am 10. November 2018)

Wien CoppeliaLéo Delibes ist auch der musikalische Schöpfer der ersten Premiere des Staatsballetts an der Volksoper, wo Pierre Lacotte seine Version von „Coppélia“ einstudieren wird (27. Jänner 2019). Vesna Orlic, Ballettmeisterin des Staatsballetts an der Volksoper, wird nach ihrer erfolgreichen Inszenierung von „Carmina Burana“ (2012) diesmal die Geschichte von „Peter Pan“ auf die Bühne bringen (11. Mai 2019).Wien Peterpan

Vier Stücke stehen an dem Abend „Forsythe | Van Manen | Kylián“ im Haus am Ring auf dem Programm: William Forsythes „Artefact Suite“, Hans van Manens „Trois Gnossiennes“ und „Solo“ (das bei der Nurejew-Gala 2017 von Masayu Kimoto, Richard Szabó und Géraud Wielick vorzüglich interpretiert wurde) sowie „Psalmensymphonie“ von Jiri Kylián. (Premiere am 14. April 2019).

Das Repertoireprogramm ist auch in dieser Saison üppig: Mit „Giselle“, „Der Nussknacker“, „Schwanensee“ und „Le Corsaire“ stehen vier Klassiker der Ballettliteratur auf dem Spielplan der Staatsoper, dazu noch „Peer Gynt“ von Edward Clug , Neumeiers „Le Pavillon d’Armide“ | „Le Sacre“ sowie der Dreiteiler „MacMillan | McGregor | Ashton“. In der Volksoper sind weiterhin Jorma Elos „Ein Sommernachtstraum“ und Davide Bombanas „Roméo et Juliette“ zu sehen. Das Doppelprogramm „Märchenwelt Ballett“ (mit „Das hässliche Entlein“ von Andrey Kaydanovskyi sowie „Tausendundeine Nacht“ von Vesna Orlic) wird wieder aufgenommen.

FSH Montalvo2St. Pölten

Das Festspielhaus St. Pölten ist in der hiesigen Theaterlandschaft eine Ausnahme. Es ist ein Hybrid zwischen Konzerthaus und Theater und bietet ein Saisonprogramm von Musik und Tanz, wobei im Musikbereich das residente Tonkünstler-Orchester Niederösterreich dominiert, ergänzt durch Gastspiele klassischer Formationen sowie Weltmusik. Gleichzeitig ist es aber Österreichs spannendstes Tanzhaus, dessen Dimensionen allerdings für hiesige zeitgenössische Tanzgruppen zu groß sind. Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel: Die Hip-Hop-Formation Hungry Sharks unter der Leitung von Valentin Alfery zeigt „#fomo – the fear of missing out“ für ein Publikum ab 12 Jahren im Rahmen des 10. Workshop-Festivals „Jugendklub“ am 2. November 2018, Die inklusive Ich bin O.K. Dance Company gastiert am 28. März 2019. Partner des Festspielhaus St. Pölten sind aber vielmehr renommierte Häuser wie das Sadlers’ Wells in London, die Théâtres de la Ville in Paris und in Luxemburg oder das Théâtre National de Chaillot.FSH Acosta

Eine der vier internationalen Koproduktionen der kommenden Saison ist José Montalvos „Carmen(s)“. Der Franzose sieht in der ikonische Figur den kosmopolitischen Freiheitsdrang heutiger Frauen verkörpert und splittert sie daher auf mehrere Tänzerinnen auf. Das Eifersuchtsdrama kümmert ihn dabei ebenso wenig wie der Mord. Bizets Komposition findet sich hier in iranischer Dudelsackmusik, arabischandalusischen Klängen und koreanischer Perkussion wieder (13. Oktober 2018). Diese Version steht in starkem Kontrast zur konventionellen Carmen-Interpretation von Carlos Acosta (ursprünglich für das Royal Ballet kreiert), der beim Gastspiel seiner Compagnie Acosta Danza am 22. September selbst den Escamillo tanzen wird. Mit dem dreiteiligen Programm „Carlos Acosta - A Celebration“ wird er am 22. September 2018 die 22. Festspielhaus-Saison eröffnen. Bizets „Carmen“ und Debussys „L’après-midi d’un faune“ in der Choreografie von Sidi Larbi Cherkaoui werden an diesem Abend von den Tonkünstlern unter Paul Murphy gespielt, außerdem ist das Erfolgsstück „Rooster“ von Christopher Bruce zu Songs der Rolling Stones zu sehen.

FSH WaltzWeitere Koproduktionen sind: „Kreatur“ der designierten Chefin des Berliner Staatsballetts Sasha Waltz (8. Dezember 2018) sowie „Hotel“ des frankokanadischen Cirque Éloize (22. bis 24. März 2019). Ein aufwühlender Abend verspricht die jüngste Arbeit von Alain Platel und Fabrizio Cassol, „Requiem pour L.“, zu werden. In dieser "Totenmesse als Feier des Lebens" zeigt der belgische Choreograf Filmaufnahmen vom Sterben einer anonymen Frau, kurz „L.“ – gleich klingend wie das französische „elles“, also Frauen. Dazu füllt Fabrizio Cassol die Lücken in Mozarts unvollendetem Requiem mit afrikanischem Gesang, Jazz, Rap und karibischen Rhythmen. (23. Februar 2019)FSH Platel

FSH VlanderenDer flämisch-marokkanische Starchoreograf Sidi Larbi Chrekaoui kehrt am 26. April 2019 als Künstlerischer Leiter des Ballet Vlaanderen ins Festspielhaus zurück, wo die  Österreich-Premiere für „L‘Oiseau de Feu/Exhibition“ stattfindet. Die Tonkünstler unter Yannis Pouspourikas spielen dazu Strawinski sowie Maurice Ravels Orchesterbearbeitung von Modest Mussorgskis Klavierzyklus. Auch bei „Roméo et Juliette“ des Ballet Preljocaj am 24. und 25. November 2018 sind die Tonkünstler mit Sergej Prokofjews Musik im Einsatz.FSH Preljocaj

Hofesh Shechter, „the biggest beast in British choreography“, verwandelt das „grand finale“ im klassischen Ballett in eine dystopische Endzeitkatastrophe zwischen Komik und düsteren Abgründen. Live-Musikerinnen und -Musiker sorgen mit Motiven von u. a. Pjotr Iljitsch Tschaikowski, Franz Lehár sowie einer Perkussion-Tonspur für eine ekstatische Klangkulisse. (31. Jänner 2019)

FSH ShechterIhre Europa-Tournee beginnt und die Festspielhaus-Saison beendet am 7. Juni 2019 die Sydney Dance Company unter Rafael Bonachela mit „ab [intra]“.

Mit weiteren Gustostückerln aus der Welt des Cirque Nouveau sowie einem umfangreichen Kulturvermittlungsprogramm bietet das Festspielhaus auch diesmal wieder ein reichhaltiges generationenübergreifendes Angebot für tanzaffine Menschen.FSH Sharks

So ist der diesjährige Artist in Residence Shahar Binyamini für die Community Dance Aufführung zuständig. Der freie Choreograf aus Israel gründete 2013 zusammen mit Professor Atan Gross eine Forschungsgruppe von TänzerInnen und WissenschaftlerInnen, die am israelischen Weizmann-Institut die Verbindung zwischen Wissenschaft und Bewegung erforschen. Davor war er Tänzer in der Batsheva Dance Company unter der künstlerischen Leitung von Ohad Naharin und lernte dort dessen Gaga-Methode, mit der er auch in St. Pölten arbeiten wird. Mit tanzfreudigen NiederösterreicherInnen und NachwuchstänzerInnen wird das Stück „Gaga“ kreiert, das am 18. Mai auf der großen Bühne des Festspielhaus zur Aufführung kommen wird.

Graz Oper1Graz (Autorin: Eveline Koberg)

Neuorientierung ist für das Grazer Opernhaus-Ballett angesagt: wiederum, denn erst vor 3 Jahren übernahm Jörg Weinöhl als Ballettchef und verließ – aus eigener Entscheidung (die Erweiterung der Ballettpräsenz an der Grazer Oper wurde ihm verwehrt) - mit Ende der vergangenen Saison diese Position. Ihm folgt Beate Vollack nach, womit drei Damen an der Spitze des Hauses stehen.

Nora Schmid weist mit Recht auf bisherige Erfolge und internationale Beachtung ihrer Intendanz hin (im Februar 2018 etwa war das Haus in zwei Kategorien unter den Finalisten des International Opera Awards) und präsentiert ein umfangreiches Jahresprogramm von großer Dichte und Vielfalt.

Oksana Lyniv, die in der zweiten Saison Chefdirigentin der Grazer Oper ist, will die bereits erfolgreiche Zusammenarbeit mit allen Abteilungen des Hauses noch weiter vertiefen. Ein Beispiel für ein noch anspruchsvolleres Programm ist für sie die Eröffnungspremiere am 29. September, Mascagnis „Cavalleria rusticana“ und Leoncavallos „Pagliacci“, die sie „schon lange an einem Abend mit einer Inszenierung, die beide Stücke verbindet", dirigieren wollte.

Die 1968 in Berlin geborene Beate Vollack, wurde direkt von der dortigen Ballettschule an die Komische Oper engagiert, wo sie ab 1992 als Solistin tanzte. Nach dem Gewinnen eines internationalen Ballettwettbewerbs in Mississippi wurde sie ans Bayerischen Staatsballett engagiert und reüssierte dort in zahlreichen klassischen und vor allem auch in modernen Choreographien. 1997 wurde sie von der Fachpresse zur Tänzerin des Jahres gekürt. Daneben schloss sie eine Ausbildung zur Ballettpädagogin ab und begann ab 2002 auch mit Arbeiten als Choreographin. Als solche sowie als Tänzerin folgten international erfolgreiche Jahre an großen Häusern. 2014 schließlich übernahm sie am Theater St. Gallen die Leitung der Tanzcompanie; immer in auch spartenübergreifendem Austausch mit namhaften Regisseuren und interessiert an Neuem.Graz Vollack

Wenig verwunderlich, dass sie sich also in Graz ein aufgeschlossenes Publikum für einen „neuen Weg durch verschiedenen Stile und Genres,“ erwartet und erhofft. Möglichkeiten, sich damit zu konfrontieren, wird es auch für das Opern-Publikum geben:  in „König Roger“ von Karol Szymanowski, das „ein Highlight für den Tanz für ein neues Publikum werde“, gab doch, laut Vollack, „der Komponist dem Tanz viel Raum“ und stellt ihr als Choreographin „viel interpretatorische Ansätze“ zur Verfügung (Premiere am 14. Februar 2019). Operettenliebhabern will Vollack in „Polnische Hochzeit“ vorführen, wie gut man mit Tanz Geschichten erzählen könne (8. Dezember 2018).

In der ersten der beiden Ballettproduktionen, einem Auftragswerk der Oper Graz, in „Sandmann“ nach Musik von Benjamin Rimmer, übergibt Vollack die Choreographie an den jungen Andreas Heise, der 2015 mit „Tod in Venedig“ in England als Choreograph debütierte. In der Handlung nach der Erzählung von E.T.A. Hoffmann sieht Vollack spannende Parallelen zur Gegenwart: in der  „nicht wirklichen Kommunikation“ sowie im virtuellen Geschehen (Premiere am 30. Oktober 2018).

In „Die Jahreszeiten“ nach der Musik von Joseph Haydn stellt sich Vollack in Graz als Choreographin anhand eines Oratoriums vor: Es sei „reich an Bewegung“, man „muss sich dazu bewegen“, stellt sie dazu überzeugt und jeglichen Widerspruch vom Tisch wischend fest, sowie damit ein „optisch-akustisch-szenisches Gesamtkunstwerk“ in Aussicht - am 27. April 2019.

Graz Oper3Ihre Offenheit dem Spartenübergreifenden gegenüber unterstreicht sie durch eine Kooperation mit „Neue Galerie Graz“: Schickt sie doch in „Tänze einer Ausstellung“ zwecks synergetischer Effekte ihre TänzerInnen in die Welt der bildenden Kunst; mit dem Auftrag, für sich selbst und/oder  Tanz-KollegInnen ChoreographIn kleiner Werke zu werden.

Dass sie die Formate von „Tanz ganz nah“ weiterführen wird, zeugt von selbstbewusster Offenheit auch schon Bewährtem gegenüber. In „ABC des Tanzes“ macht insbesondere das Abendthema ‚Ballettpantomime – wie geht das?‘ neugierig. Vollkommen neu ist in diesem Rahmen aber „Selbst getanzt“: Interessierte haben hier die Möglichkeit, eine Szene aus „Die Jahreszeiten“ mit der Ballettdirektorin einzustudieren und auf der Bühne zu tanzen; unmittelbar bevor sie sich das Original in der anschließenden Vorstellung ansehen können. Ein Experiment, völlig offen auch für Vollack selbst.

Tanz sei ja grundsätzlich „nie schwer anzusehen“, aber ein Blick hinter die Kulissen immer gut und wichtig. Den Blick zu erweitern, das vertritt sie sehr vehement und lebt es auch vor, wenn sie etwa als „Herzenswunsch“ angibt, die nächste Opern-Redoute zu choreographieren.

LInz LinLinz

In ihrer 6. Spielzeit plant die Direktorin von Tanz Lin.z ihr Programm in veränderter Form. Bisher hat Mei Hong Lin pro Saison drei Stücke selbst inszeniert und war dabei überaus erfolgreich. 2017 wurde sie für ihre Produktion "Schwanensee", 2018 für "Die kleine Meerjungfrau" mit dem Österreichischen Musiktheaterpreis ausgezeichnet. Ihre "Brautschminkerin" wurde in der Kritikerumfrage der Fachzeitschrift „Die deutsche Bühne“ als beste Tanzproduktion 2017 nominiert. In der kommenden Saison werden aber drei Choreografen aus unterschiedlichen Generationen im Einsatz sein. "Wichtig ist das Theater", lautet das Credo der Linzer Ballettchefin. Neue Bewegungssprachen zu kreieren ist nicht ihre Priorität. In diesem Sinne hat sie auch die Beiträge der kommenden Spielzeit ausgewählt.LInz Macbeth

Nach längerer Zeit findet ein Stück von Johann Kresnik Eingang ins Repertoire einer österreichischen Compagnie. (Kresnik war 1974-79 ständiger Gastchoreograf im Theater an der Wien und hat dort "Die Nibelungen", "Schwanensee AG", "Magnet" und – als Uraufführung – "Masada" herausgebracht.) „Macbeth“, der „Klassiker des Theaterberserkers“ aus dem Jahr 1988, ist im gegenwärtigen politischen Geschehen erneut brisant. Auch wenn er sich in seiner Entstehung auf die damals aktuelle Barschel-Pfeiffer-Affäre in Deutschland bezog, lassen sich die Verstrickungen von Machtstreben und persönlichen Interessen nur zu gut auf die heutige Zeit projizieren. Fake News gab es schon damals. Kresnik, der gesellschaftliche Fehlentwicklungen plakativ und laut aufs Tapet bringt, hat in diesem Stück mit Gottfried Helnwein als Ausstatter und Kurt Schwertsik als Komponisten gearbeitet. Die Einstudierung bei Tanz Lin.z besorgt die ehemalige Kresnik-Tänzerin und nunmehrige Stellvertreterin der Tanzdirektion, Christina Comtesse. (Premiere am 13. Oktober 2018)

LInz LoboAm anderen Ende des Generationenspektrums steht der indisch-australische Choreograf Ashley Lobo. Er erhielt seine Ausbildung zum zeitgenössischen Tänzer im von der österreichischen Ausdruckstänzerin Gertrud Bodenwieser gegründeten Dance Centre in Australien, sowie bei der Sydney Dance Company. Er ist auch Yoga-Lehrer und hat in einer Fusion der Disziplinen die Prana Paint & Flow-Technik entwickelt. Lobo gründete bzw. leitet die Danceworx Academy mit Studios in New Delhi und Mumbai und ist ein Shooting Star unter den zeitgenössischen Choreografen Indiens für die Bühne wie auch für Filmproduktionen. In Linz wird er ein Tanzstück über die hinduistische Gottheit des Totenreiches „Yama“ kreieren. (Uraufführung am 25. Mai 2019).

LInz Lin2In der Mitte positioniert sich Mei Hong Lin mit ihrer Kreation „Marie Antoinette“ zur Originalkomposition von Walter Haupt. Die Geschichte der letzten Königin Frankreiches, Tochter Maria Theresias und Gemahlin von Louis XVI, die an der Guillotine ihr blutiges Ende fand, wird von Lin aber nicht biografisch aufgerollt. Vielmehr geht es der Linzer Ballettchefin um die innere Entwicklung dieser Frauenfigur und den aktuellen Bezug. „Was hat das mit mir zu tun?“, fragt sich die Choreografin bei der Umsetzung des Stoffes in den Tanztheater-Kontext. So fiel ihr bei er Recherche vor allem der Escapismus der Königin auf, die sich den aktuellen Entwicklungen verweigernd, im Schlösschen, „Petit Trianon“ eine Parallelwelt aufbaute, um den Zwängen des französischen Hofes zu entgehen und dort schließlich von der französischen Revolution eingeholt wurde. (Uraufführung am 30. März 2019)

Salzburg OliveiraSalzburg

Das Experiment scheint zu glücken: Die gleitende Übergabe der Ballettdirektion von Peter Breuer (der das Ensemble über 25 Jahre leitete) an den nunmehrigen Chefchoreografen und Leiter der Sparte Ballett Reginaldo Oliveira war erfolgreich. Kontinuität statt Umbruch lautet das Motto in Salzburg, und eine derart amikale Ko-Existenz von neuem und altem Ballettchef ist wohl einzigartig. Auch in der kommenden Saison werden die beiden sich die künstlerischen Ballettaufgaben am Landestheater Salzburg teilen. Oliveira wird das Handlungsballett „Othello“ inszenieren (Premiere 3. November 2018), Peter Breuer widmet sich in „Moonwalk“ der Pop-Legende Michael Jackson (3. Mai 2019). Beide zeichnen auch für die traditionelle „Inernationale Ballettgala“ zu Gunsten der Aids-Hilfe verantwortlich (22. April 2019). Ebenso ist Breuer als Choreograf bei der Ballettgala „Mozart Moves“ mit illustren internationalen Gästen im Rahmen der Mozartwoche vertreten. Im Kooperationsteam der Gesamtleitung agiert neben Oliveira für diesen Abend kein Geringerer als der Festivalintendant himself: Rolando Villazón (27. Jänner 2019). Flavio Salamanka, der mit dem neuen Ballettchef nicht nur in seiner Funktion als – hochrangig prämierter – Tänzer sondern auch als choreografischer Assistent nach Salzburg kam, wird für ein junges Publikum ein fantastisches Ballett frei nach Saint-Exupérys „Der kleine Prinz“ kreieren (20. Februar 2019).

Innbruck GasaInnsbruck

Eine positive Bilanz zieht auch Enrique Gasa Valga über seine bisherigen 10 Jahr als Ballettchef am Tiroler Landestheater, in denen er die Anzahl der Tanzabende vervierfachen konnte. In der kommenden Saison wird er die Tanztheater-Abende „A Midsummer Night’s Dream“ am 27. Oktober 2018 zur Uraufführung bringen bzw. „Frida Kahlo – Nueva Pasión“ aus dem Jahr 2011 wieder aufnehmen (16. Dezember 2018). „Un Ballo“ von Jiri Kylián, „Oktett“ von Uwe Scholz und „Por vos muero“ von Nacho Duato ergeben eine elegante Nacht: „Una Noche elegante“ hat am 2. Februar 2019 Premiere.  Marie Stockhausen widmet sich in ihrem neuen Tanzstück „Der blaue Engel“ der Welt des Varietés im Berlin der 1920-er Jahre (30. März 2018).