chinnbEin vielfältiges Programm im Festspielhaus St. Pölten mit einem Flamenco-Schwerpunkt. Neuschöpfungen und Wiederaufnahmen von den Ballettchefs und Gastchoreografen in Graz, Linz, Salzburg und Innsbruck – kurz: auf der Ballettreise durch Österreich gibt es sowohl Neues zu entdecken als auch Bekanntes wieder zu erleben. Alle (außer das Tiroler Landestheater) setzen im Dezember auf den Dauerbrenner der Ballettliteratur: „Der Nussknacker“.

Im Festspielhaus St. Pölten wird dieser Klassiker nach einer Geschichte von E.T.A. Hoffmann vom Chinesischen Nationalballett getanzt. Das choreografische Team unter der Leitung von Ming Zhao (dem auch Yuanyuan Wang angehört, die in diesem Jahr mit ihrem Beijing Dance Theater im Festspielhaus gastierte) kontrastiert dabei die hohe Schule des klassischen Tanzes mit Elementen der chinesischen Tradition und verwandelt so das westliche Weihnachtsfest in eine chinesische Neujahrsfeier (10. und 11. Dezember).Farruquito

Doch eigentlich steht der Flamenco in der kommenden Saison im Zentrum des Tanzprogramms im niederösterreichischen Tanz- und Musikhaus. Fünf Musiker und drei Säger begleiten Farruquito auf seiner Tournee des Tanzsolos „Pinacendá“ (22. Oktober 2016). Am 6. Mai 2017 wird einer der angesagteste Erneuerer des spanischen Tanzes, Israel Galván, im Rahmen seiner Residenz sein neuestes Stück „La Fiesta“ im Festspielhaus St. Pölten zur Uraufführung bringen, das er in Zusammenarbeit mit Patricia Caballero kreiert. Außer den beiden Choreografen wird unter anderen Francisco Contreras „Niño de Elche“ mitwirken, der den traditionellen Cante immer wieder mit experimentellen Musikformen erweitert.

MontalvoDie Mischung unterschiedlicher Stile macht den besonderen Charme der Arbeit von José Montalvo. Nach langer Zeit ist der langjährige Hauschoreograf des Pariser Tanztempels Théatre de Chaillot endlich wieder in Österreich zu erleben: „Y Olé“ ist eine überschäumende Liebeserklärung an das Leben und den Tanz und bringt mit dem Mix aus klassischem Ballett, Hip-Hop, Flamenco und Afrikanischem Tanz, aus Pop Songs, Flamenco-Rhythmen und Strawinskis „Sacre du printemps“ ein Frühlingsfest in unseren grauen Novemberalltag (8. November 2016).babel

Grenzüberschreitungen, interkulturelle Melange und Flamenco gibt es auch beim marokkanisch-belgischen Choreografen Sidi Larbi Cherkoui, von dem in der Saison 2016/17 zwei Produktionen im Festspielhaus St. Pölten zu sehen sind. Am 21. und 22. Jänner gibt es sein neuestes Stück „Fractus V“, das von Texten von Noam Chomsky über die Meinungsfreiheit inspiriert ist. Cherkoui tanzt in diesem Männerballett selbst mit. Seine Partner sind ein Circus-Akrobat, ein Lindy-Hopper, ein Flamenco-Tänzer, ein B-Boy und vier Musiker. Einen Monat später, am 25. Februar gibt es noch einmal die Gelegenheit, seine, gemeinsam mit Damien Jalet inszenierte Erfolgsproduktion „Babel (words)“ zu erleben.

Auch mit der Grupo Corpo gibt es ein Wiedersehen. Die vielleicht flinkesten Tänzer der Welt bringen diesmal „Suíte Branca“ von Cassi Abranches und „Dança Sinfônica“ in der Choreografie des Ensemblechefs Rodrigo Pederneiras auf die St. Pöltner Bühne (11.März).

7doigtsEbenso erfreulich die neuerliche Einladung der frankokanadischen Tanz- und Cirque nouveau-Truppe Les 7 doigts de la main, die mit „Cuisine et Confessions“ Küchengeständnisse auf akrobatisch-witzige Weise für Groß und Klein serviert (30. September und 1. Oktober). Ein weiteres Familienvergnügen steht am 7. April 2017 mit Camille Saint Saens’ „Karneval der Tiere“ der australischen Gruppe C!rca auf dem Programm.

Die spanische Compañía Nacional de Danza tanzt am 25. März „Carmen“ in der Choreografie des Schweden Johan Inger. Der neuseeländische Choreograf und Regisseur Lemi Ponifasio und seine Gruppe MAU Wahine mit 15 Maori-Frauen bringen mit „Hine Nui Te Po“ der „großen Göttin der Nacht“ eine Hommage. (20. Mai 2017)

Mit Strawinskis „Sacre du printemps“, interpretiert vom Tonkünstler-Orchester Niederösterreich, wird die Saison 2016/17 eröffnet und beschlossen: Sasha Waltz & Guests gestaltet den Auftakt am 24. September 2016 mit einem dreiteilige Programm: „L’Après-midi d’un faune“ (Claude Débussy), „Scène d’amour“ (Hector Berlioz) und Igor Strawinskis Jahrhundertwerk. Marie Chouinard setzt am 9. Juni 2017 den Schlusspunkt und bringt außer ihrer grotesken Interpretation des Frühlingsopfers „Mouvements“ auf die Bühne, das auf den surrealistischen Zeichnungen von Henri Michaux’ gleichnamigen Buch zurückgeht.Chouinard

Das Programm im Großen Saal wird durch zwei Vorstellungen auf der Bühne ergänzt. Am 13. Oktober sind „Young Professionals on Stage!“ mit Absolventen österreichischer Tanzausbildungsstätten.  Die Communities des Festspielhaus St. Pölten präsentieren am 10. Mai die Ergebnisse ihrer Arbeitsprozesse: „Yes.We.Share.“

Weinoehl1Graz

In der Oper Graz erforscht Ballettchef Jörg Weinöhl in seiner Version des Tschaikowksi-Klassikers eine kindliche Perspektive und Logik, in der beiläufig dahingesagte Worte der Erwachsenen riesige Auswirkungen auf ein Kind haben können. „Nussknacker und Mäusetraum“ hat am 3. Dezember Premiere.

Für seine zweite große Produktion teilt er den Abend mit der jungen spanischen Choreografin Ainara Garcia Navarro. In „Kontrapunkt. Auf der anderen Seite von Bach“ werden die beiden je eine Arbeit zu Klavier- und Choralmusik  von Johann Sebastian Bach kreieren. (Uraufführung 7. April 2017)

Eine Reihe von Veranstaltungen auf der Studiobühne ergänzt das Grazer Tanzprogramm. Das „ABC des Tanzes“ gibt mit anschaulichen Beispielen profunde Einblicke in die Arbeit des Balletts der Oper Graz, am 13. Oktober in die Kunst des „Pas de deux“. Am 18. Jänner gibt es eine „Choreografische Werkstattprobe“ und am 10. Mai eine Einführung in das Thema „Ballettkostüm“.

In der Serie „Tanz ganz nah“ stehen Choreografien von Compagniemitgliedern für ihre Kollegen unter dem Titel  „Solistische Dialoge“ auf dem Programm (11. und 12. Juni 2017). „Hör mich in dir – Sieh dich in mir“ heißt eine Zusammenarbeit von Jörg Weinöhl mit Gerd Kühr, dem Komponisten, Dirigenten und Professor für Komposition an der Kunstuniversität Graz. Junge Komponisten, die ihr Studium bereits abgeschlossen haben, werden gemeinschaftlich mit Tänzern des Balletts einen Weg erkunden, um ein gemeinsames künstlerisches Vokabular zu entdecken und zu entwickeln. „Diese intensiven wie auch intimen und fragilen Prozesse werden ihre Zeit beanspruchen und die soll in dieser Werkstatt ausreichend gegeben sein“, schreibt Weinöhl in der Programmbroschüre. „Und wenn ein Projekt, ein gemeinsamer Weg, eine Erkundung, zu einem Ergebnis gekommen ist, welches zur Veröffentlichung drängt, dann öffnen wir die Werkstatt-Tore und laden alle interessierten Zuschauer ein, an unseren Erfahrungen teilzuhaben, uns zuzusehen und zuzuhören.“ Die Daten stehen demgemäß noch nicht fest.

LinzMeiHongLinLinz

Im spektakulären Musiktheater Linz bringt die Tanztheater-Chefin Mei Hong Lin drei Produktionen auf die große Bühne: „Die kleine Meerjungfrau“ frei nach Motiven von Hans Christian Andersen zur Musik von Alexander von Zemlinsky und Franz Schreker (Premiere am 15. Oktober 2016); „Die Brautschminkerin“, inspiriert von der taiwanesischen Autorin Li Ang. Die Musik von Michael Erhard entsteht unter Mitarbeit von Li-Yu You, Yuan-Keng Yu (Premiere am 10. Februar 2017). Am 16. Dezember wird „Nussknacker“ wieder aufgenommen.LInzBlindDate

In der Blackbox im Musiktheater Linz hat „Das, was bleibt“ von Christina Comtesse am 1. April 2017 Premiere. „Blind Date“,  Mei Hong Lins Tanzstück über Begegnungen und die Suche nach dem großen Glück wird am 6. Mai wieder augenommen.

 

IbkGasaInnsbruck

Enrique Gasa Valga widmet sich in seinem Tanzstück „Mayerling“ einem österreichischen Mythos, der Liebesbeziehung zwischen Kronprinz Rudolf und der jungen Baroness Mary Vetsera und deren gemeinsamen (Frei-)Tod. „Das dramatische Leben des einzigen Sohnes von Kaiserin Elisabeth bildet die Grundlage für einen emotionalen wie fesselnden Tanzabend von Enrique Gasa Valga. Mit Glanz und Gloria wird ein Stück österreichischer Geschichte lebendig, das bis heute die Menschen fasziniert und zu wilden Spekulationen verführt“, ist im Programmheft zu lesen. Ein Vergleich mit der gleichnamigen, international bis heute erfolgreich getanzten Inszenierung von Kenneth MacMillan (unter anderem vom Wiener Staatsballett) ist also sowohl unvermeidbar als auch spannend. (Premiere am 22. Oktober 2016)

Eine „Ménage-à-trois“ steht mit Choregrafien von Chang Ho Shin, Uwe Scholz und Jiří Kylián ab 4. März auf dem Programm des Tiroler Landestheaters (TLT).  Chang Ho Shins „No comment“ war bereits 2012 zu sehen und wird wiederaufgenommen. Von Uwe Scholz (1958-2004) wird die Choreografie von Sergei Rachmaninovs dunkelromantischer Suite No. 2 für zwei Klaviere mit dem TLT Tanzensemble einstudiert. Der Abend endet mit einer heiteren Note: Jiří Kyliáns „Sechs Tänze“ zu Musik von Wolfgang Amadeus Mozart.IbkViel

In den Kammerspielen in der Messe wird der Abend „Viel zu heiß“ mit Tanzstücken von Marie Stockhausen und Young Soon Hue am 2. Oktober wieder aufgenommen. Am 10. Dezember hat dort das Tanzstück „Edith Piaf. Der Spatz von Paris“ von Marie Stockhausen seine Uraufführung.

sbgbreuerSalzburg

Peter Breuer, Langzeit-Ballettdirektor des Salzburger Landestheaters, erforscht zusammen mit Maren Zimmermann die Biografie des Renaissance-Komponisten Carlo Gesualdo, Prinz von Venosa, und dessen Beziehung zu seiner Heimatstadt Neapel. „Gesualdo. Fürst - Mörder – Komponist“ kommt am 15. Oktober zur Uraufführung. Am 12. November lädt Peter Breuer wieder Freunde aus allen Teilen der Welt zu seiner „Internationalen Ballettgala“, um mit seiner Compagnie des Salzburger Landestheaters zu tanzen. Sein „Nussknacker“ mit zusätzlicher Musik von Philip Glass wird am 7. Dezember wieder aufgenommen.sbgforever

Auf der Probebühne am Rainberg bring Breuer „Forever 27“ am 4. Mai 2017 zur Premiere. „Jung, berühmt, tot“ ist der Untertitel des Stückes, das sich mit jenen herausragenden Pop-Musikern auseinandersetzt, die alle mit 27 Jahren starben: der frühere Rolling-Stones-Gitarrist Brian Jones, Jimi Hendrix, Janis Joplin, Jim Morrison, Kurt Cobain und Amy Winehouse

Für ein Publikum ab 6 Jahren choreografieren Kate Watson, Alexander Korobko und Josef Vesely „Der Zauberlehrling“. Premiere ist am 3. März in den Kammerspielen.

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