Jaska1Die Ballettwelt trauert um Marialuise Jaska. Die weit über ihren heimatlichen Wirkungskreis – die Wiener Staatsoper – hochgeschätzte Künstlerin ist am 24. Februar im 62. Lebensjahr in Mistelbach gestorben. Erst drei Jahre sind vergangen seit sie – eineinhalb Jahrzehnte nach ihrem Bühnenabschied als Erste Solotänzerin des Wiener Staatsopernballetts – ganz dem Stücktitel „Come Back“ entsprechend, beim steirischen herbst wieder vor das Publikum getreten ist; und vor zwei Jahren wurde sie für ihre letzte Rollenkreation an die Oper Graz geholt.

Marialuise Jaska, am 2. April 1954 in Wien geboren, wurde – nach erstem Unterricht bei Irene Steiner – an der Ballettschule der Wiener Staatsoper bei Mattlyn Gavers und Edeltraud Brexner ausgebildet. Ihre wichtigste Pädagogin im Ausland war Marika Besobrasova. Im Alter von fünfzehn Jahren wurde sie 1969 in das Wiener Staatsopernballett aufgenommen, 1982 avancierte sie zur Solotänzerin, von 1990 bis 1998 war sie Erste Solotänzerin. Überdies wurden ihr im Staatsopernballett Aufgaben der Probenleitung übertragen.Jaska blau hoch

Nachdem sie schon früh mit Solopartien im Staatsopernballett betraut worden war, ging sie in der Saison 1973/1974 zu Patricia Neary an das Grand Théâtre de Genève, wo sie vor allem im Balanchine-Repertoire eingesetzt wurde. An die Wiener Staatsoper zurückgekehrt, waren es ihre unverwechselbare Persönlichkeit, ihr Interesse an nicht-klassischen Techniken und damit verbunden ihre Offenheit für stilistische Herausforderungen, die Choreographen immer wieder dazu bewogen, Rollen für sie zu kreieren: Ruth Berghaus in „Orpheus“, Fred Howald in „Valse triste“, Erich Walter in „Rondo“ und „Der Golem“, Bernd R. Bienert in „Radz-Datz“, Jochen Ulrich in „An-Tasten“ und „Tantz-Schul“, Manfred Aichinger in „Die Hände der Töpferin“ und „Die Zeit, die ist ...“ sowie Renato Zanella in „Movements“.

Ihr außergewöhnlich großes Rollenrepertoire war ein Spiegel ihrer herausragenden Begabung, die sich in verschiedenster Weise manifestierte. Zu ihrer „hohen“ Erscheinung kamen souveräne Beherrschung der Tanztechnik und Intensität im Ausdruck. Im klassischen und zeitgenössischen Fach beeindruckte sie als Odette/Odile in „Schwanensee“, Königin der Dryaden und Straßentänzerin in „Don Quixote“, Erste Hoftänzerin und Carabosse in „Dornröschen“, alle in der Choreographie von Rudolf Nurejew, Carabosse in Peter Wrights „Dornröschen“, Myrtha in Alicia Alonsos und in Elena Tschernischovas „Giselle“, Lescauts Geliebte in Kenneth MacMillans „Manon“, Diana in László Seregis „Sylvia“, Hippolyta/Titania in „Ein Sommernachtstraum“, Potiphars Weib in „Josephs Legende“, Dona Ana in „Don Juan“, Lykainion in „Daphnis und Chloe“, Titelfigur in „Der Feuervogel“, alle in der Choreographie von John Neumeier, Mädchen in Uwe Scholz’ „Der wunderbare Mandarin“ sowie in Hauptpartien in George Balanchines „Die vier Temperamente“, „Serenade“, „Divertimento No. 15“, „Symphonie in C“ und „Liebeslieder Walzer“, Hans van Manens „Adagio Hammerklavier“, „Twilight“, „Grand Trio“, „5 Tangos“ und „Große Fuge“, Rudi van Dantzigs „Letzte Lieder“, Jiři Kyliáns „Wiegenlied“ und „Rückkehr ins fremde Land“. Wichtig wurden für Marialuise Jaska auch Rekonstruktionen von Werken des Ausdruckstanzes, unter anderem „Der Tod und das Mädchen“ von Grete Wiesenthal, „Jeanne d'Arc“ von Rosalia Chladek sowie „Nixe“ und „Sphinx“ von Gertrud Bodenwieser.
 
Jaska schrei querGastauftritte führten sie unter anderem nach Havanna, Hamburg und London. In Köln kreierte sie die Rolle der Gräfin Geschwitz in Jochen Ulrichs „Lulu“. Dazu kamen in jüngster Zeit die erwähnten Auftritte in Doris Uhlichs „Come Back“ und in Darrel Toulons „Die Liebe einer Königin“ in Graz.

Marialuise Jaskas erste eigene Choreographie, „H(alb)traum“, war schon 1989 im Auftrag der Wiener Staatsoper entstanden. Nach dem (vorläufigen) Ende ihrer Tanzkarriere wurde sie 1998 als Leiterin des Tanztheaters an das Tiroler Landestheater berufen. Zu den von ihr in Innsbruck herausgebrachten Werken zählen „Alma – Die Suche nach dem Ich“ (1998), „Strauß, Strauß nur du allein“ (1999) und „Liebe, Macht und Leidenschaft“ (2000).