lizkingAm 30. Juli und 1. August steht eine Compagnie auf der Bühne des Akademietheaters, die es seit dem Jahr 2003 nicht mehr gibt: das Tanztheater Wien. Die Neuauflage der Gruppe um die Choreografin Liz King ist nach ihrem erfolgreichen Comeback bei den Burgenländischen Tanztagen im Rahmen von Impulstanz zu sehen. Zwei Generationen des Tanztheater Wien treffen bei “Back to the Future” aufeinander und wirken doch wie eine lange aufeinander eingespielte Compagnie.

Als Liz King 1982 das Tanztheater Wien gründete, setzte sie damit ein Startsignal für die zeitgenössische Tanzentwicklung in Österreich. Wie einst ihr Mentor John Cranko das deutsche Ballettwunder schuf, so initiierte das ehemalige Mitglied des Stuttgart Ballett, in Wien eine Art zeitgenössisches Tanzwunder. Ihre Compagnie bestach durch die exzellenten TänzerInnen wie die Gründungsmitglieder Harmen Tromp und Esther Linley oder Katalin Lörinc und Liz King selbst. Mit einer Unterbrechung von 6 Jahren, als King Ballettdirektorin am Theater Heidelberg war, war das Tanztheater Wien bis 2003, zuletzt als Teil des Volksopernballetts, aktiv. 2005 zog Liz King ins Burgenland und ging mit demselben Pioniergeist daran, den Tanz im östlichste Bundesland zu verankern.

Durch den gebürtigen Oberwarter Manfred Biskup, ihren “langjährigen Partner, Mann, Freund“ hatte sie seit über 42 Jahren Kontakte ins Burgenland. In den 1980er Jahren, auf dem Höhepunkt des Tanztheater Wien, war es ein gemeinsamer Scherz: “Wenn alles schiefgeht, können wir noch immer das Burgenland Ballett beginnen.” Als dann ihr Vertrag als Leiterin des Balletts der Volksoper auslief, wurde die Übersiedlung ins Burgenland eine echte Option. “Und sehr vorsichtig begann ich vor zehn Jahren mit d.id. Dance Identity. Und es wuchs und wuchs und wuchs, alles von meinem Büro in Wiesfleck aus”, sagt King heute nicht ohne Stolz.SchreiKardinal

Wie erlebte die gebürtige Britin die Übersiedlung auf das Land?

“Es war interessant”, erzählt King. “Ich realisierte, dass ich wirklich und eindeutig Tänzerin bin, das heißt, dass ich mit der Welt hauptsächlich über Körperkommunikation, über die Energie und den Raum in Beziehung trete. Eine meiner ersten Begegnungen im Burgenland hatte ich mit einigen Roma-Burschen, die so etwas wie Rohdiamanten waren. Sie übten im OHO (Offenes Haus Oberwart, Anm.) ihre Street Dance Moves anhand von Videos. Denn sie hatten keinen Lehrer. Und zufällig kam ich dazu und konnte ihnen Tipps geben, wie sie eine Bewegung machen sollten, damit sie spektakulärer und leichter wird. So auf die Art: “Hey guys, wenn ihr eure Hüften hebt, wird das besser funktionieren.’ Und so war es dann auch. So begann unsere Körperkonversation, und in mir wuchs die Überzeugung, dass man überall Tanz machen kann. Nach und nach bildete sich eine Gruppe um d.id. herum, die Body Focus Group, ein Netzwerk von Menschen aus dem südlichen Burgenland. Keiner von ihnen ist professioneller Tänzer, aber durch den regelmäßigen Unterricht über die Jahre hinweg haben sie ein Bewusstsein für den Tanz bekommen. Und das bestätigte nur mein eigenes Verständnis von Tanz, dass nämlich jeder einen Tänzer in sich trägt und man ihn nur finden muss.” Inzwischen hat sich Kings Arbeit auch bei Kollegen in anderen Ländern herumgesprochen und sie ist als Mentorin für ähnliche Projekte etwa in Italien, Zypern und Holland tätig.

Mit seinem Artist-in-Residence Programm bietet d.id Dance Identity professionellen Choreografen einen 200 m2 großen Proberaum, eine Wohnung und eine Umgebung, in der sie nichts von der Arbeit ablenkt. Liz King versucht durch Fragestellungen auch den Blick von außen zu vermitteln – ohne sich einmischen zu wollen, wie sie betont. “Ich sage, was sich mir vermittelt und was nicht. Die meisten Künstler sind für diesen pragmatischen Blick auf ihre Arbeit auch sehr dankbar, denn ich bin sehr, sehr ehrlich. Weil Tanz eben inklusiv ist, muss das Publikum auch die Möglichkeit haben, sich in dem zu erkennen, was sie sehen. Das heißt nicht, dass es ein klare Geschichte braucht, aber die Bühnentänzer müssen verstehen, dass sie ihre Liebe zum Tanz, ihre Aufmerksamkeit, die sie in den Tanz legen, vermitteln, für das Publikum lesbar machen müssen. Als wir hier ankamen war unser Publikum sehr unerfahren, und manchmal hatten wir Probleme damit. Daher fordere ich meine Künstler auch immer heraus, wenn ich ihnen sage: ‚Dein Publikum versteht dich nicht, wenn du zu sehr mit dir beschäftigt bist. Suche nach einem Weg, auf dem du dich selbst findest, aber lass auch das Publikum hinein, hilf ihnen zu sehen, was du machst.’ Diese Dynamik hat auch den Künstlern geholfen zu wachsen. Und es ist keine Einbahnstraße. Denn das Publikum hat in den zehn Jahren die Herausforderung sich mit zeitgenössischem Tanz auseinanderzusetzen ebenfalls angenommen..“

Vor einigen Jahren ist Liz King selbst auf die Bühne zurückgekehrt, zuerst mit einem Solo in der Choreografie von Georg Blaschke, kürzlich in “Blind Date” mit dem ehemaligen Pina Bausch-Tänzer Arthur Rosenfeld in Maastricht im Rahmen des EU-Projekts „Act your Age“. Das Duo handelt von Internet Dating. „Ich habe das gemacht, und spreche darüber auf der Bühne. Es ist eigentlich sehr komisch geworden“, lacht sie. Und auch das Comeback mit den ehemaligen TänzerInnen des Tanztheaters Wien entstand aus der Idee heraus „to have fun together“.

ttwDer Wunsch der Kollegen sei es gewesen, der sie zu dieser Idee inspiriert habe, sagt die Choreografin. Nach der Rückkehr von Esther Balfe (die zwischenzeitlich bei der Forsythe Company war und nun an der Privatuniversität Konservatorium Wien unterrichtet) und Mani Obeya nach Wien, nahm die Idee konkrete Formen an. Neben Balfe und Obeya wirken Katalin Lörinc, Mick Dolan und Daphne Strothman mit. In Wien springt Vladislav Soltys für Harmen Tromp ein, der nach seiner langen Bühnen- und Pädagogikkarriere seine erste Auszeit in Australien nimmt. Nina Kripas steht statt der verletzten Esther Linley auf der Bühne. Bei der seit der erfolgreichen Burgenland-Premiere erweiterten Version wird sich jeder Tänzer/jede Tänzerin in ihrer eigenen Art vorstellen. Da sie über den Kontinent verstreut leben, sind lange gemeinsame Probenzeiten ausgeschlossen. Eine Woche vor der Premiere kommen sie in Wien zusammen, jeder mit einem dreiminütigen Solo im Gepäck. Und dann heißt es wieder: „Back to the Future“.

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