nostalgiaZum Saisonabschluss präsentiert das Festspielhaus St. Pölten die Uraufführung von Joachim Schlömers Inszenierung „Nostalgia“ sowie das Festival Österreich TANZT, für dessen Ausgabe 2012 das Kuratorenteam Manfred Aichinger und Nikolaus Selimov dasThema „erinnern / Erinnerung / vergessen“ vorgegeben haben.

Nostalgia. Es ist die letzte Inszenierung von Joachim Schloemer als künstlerischer Leiter im Festspielhaus St. Pölten: „Nostalgia“. Die Basis für diese konzertante Inszenierung bilden Werke Wolfgang Amadeus Mozarts. Kompositionsfragmente, von kurzen Instrumental-Stücken bis hin zur Originalfassung des Requiems werden zum klingenden Sinnbild für die Fragmenthaftigkeit der menschlichen Existenz. Inspiriert von Jon Fosses Roman „Das ist Alise“ entwirft Joachim Schloemer das Bild einer Frau, die in einem einsamen Haus am Meer auf die Rückkehr ihres Geliebten wartet, der nicht kommen wird. „Im Requiem-Fragment, das man aus dem ‚Amadeus’-Film kennt, reißt mitten in der Ausformulierung der Lebensfaden Mozarts. Wenn man dieses Original hört, zerreißt es einem das Herz, wie es mittendrin einfach aufhört. Man kann es nicht genauer treffen, was der Tod sein könnte. Ohne Wehmut, es stoppt, es hält einfach an und ruft nicht nach mehr“, sagt Schloemer.

Das Tonkünstler-Orchester Niederösterreich unter der Leitung von Lutz Rademacher, der Philharmonia Chor Wien und der Gitarrist Maurizio Grandinetti lassen eine blühende Mozartsche Klangwelt entstehen. Auf der Bühne vereinen sich der Chor und das Orchester mit der Sängerin Anna Radziejewska, der Burgtheater-Schauspielerin Sabine Haupt und den beiden TänzerInnen Boglárka Börcsök und Maté Meszaros zu einem eindrucksvollen Szenarium. Zu sehen und zu hören am 2. Juni.

oesttanztÖsterreich TANZT „Tanz verhandelt – als nonverbale Kunstform – den Moment, das Gegenwärtige und per se nicht das Vergangene oder Zukünftige. Mit dem diesjährigen Festival Österreich TANZT wollen wir  thematisieren, inwiefern zeitgenössischer Tanz gegen das Vergessen positioniert werden kann. Wir haben den in Österreich arbeitenden TanzkünstlerInnen die Frage gestellt, was sie vor dem Vergessen bewahren möchten“, sagen die Kuratoren Manfred Aichinger und Nikolaus Selimov über  das Programm von Österreich TANZT.

An vier Abenden (06. bis 09. Juni 2012) stehen zehn Produktionen, davon drei Uraufführungen heimischer ChoreografInnen auf dem Programm.

Am Eröffnungsabend nimmt Nici Rutrecht in ihrem Stück „Taped Version of Happiness“ fast 30 Jahre alte Ballett-Kassetten zum Ausgangspunkt für eine Studie zum Thema Erinnerung und Vergessen im Tanz. In „solo series / part one“ setzt sich Anna Knapp mit dem Körper als Erinnerungsträger auseinander. Liz King erinnert sich mit „Ikarus & Newton“ an eine ihrer früheren Choreografien, die sie nun sieben TänzerInnen ihrer Compagnie D.ID Dance Identity neu bearbeitet hat.

Am 7. Juni gastiert Lisa Hinterreithner mit „wieder 1“ und Milli Bitterli zeigt „Was bleibt?

Die medial-performative Installation „Past Present Times“ von Lisa Lengheimer, Tanja Dinter und Elisabeth Wildling ist eine Annäherung an einen Ort und sein Verschwinden im ¾-Takt: aufgetanzt, geposcht und gedreht wird am 7. und 8. Juni.

Der Abend des 8. Juni wird von Elke Pichler und Georg Blaschke gestaltet. Elke Pichler zeigt die Performance „Gefühl Gesicht Gestalt“, Rekonstruktionen der „Raumlinien Gymnastik“, eines Werks Susanne Schmidas. In dem Stück „On The Platform With My Father“ versucht Georg Blaschke, erinnerte und vergessene Bewegungsmuster aus der Kindheit sowie Körperbeziehungen zu seinem Vater zu rekonstruieren.

Am Abschlussabend (9. Juni) stehen drei Uraufführungen auf dem Programm:

In „erreur de mémoire“ gehen Simone Kühle, Daniela-Katrin Strobl und Thomas Wagensommerer der Frage nach wie stark die Erinnerung von der Realität abweicht und wie stark sie durch weitere Erlebnisse beeinflusst wird. „Body Memory“ ist das Forschungsergebnis von Martina Haagers persönlichem Tänzerinnen-Archiv. Elio Gervasi fragt sich in „Erinnern und Vergessen“ was eigentlich mit den Gefühlen passiert, wenn die Erinnerung an das Ereignis, welches die Gefühle verursacht hat, verloren geht.

Ergänzend zu den Vorstellungen auf der Bühne des Festspielhauses wurde für Österreich TANZT 2012 wieder ein dichtes Zusatzprogramm entwickelt, das junge und ältere NiederösterreicherInnen in Workshops unterschiedlicher Disziplinen zum Erfahren von Tanz einlädt.

Im Rahmen des Seminars „Performance Practice“ unter der künstlerischen Leitung von Manfred Aichinger machen sich Tanzstudierende von Mittwoch bis Samstag auf den Weg in die Stadt und gehen in ihren Performances der Frage nach, wie sich ihre Bewegungssprache verändert, wenn unterschiedliche Körperkonzeptionen mit urbanen Gegebenheiten in Verbindung gebracht werden.

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