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Viel zu lachen gibt es bei den Wiener Festwochen heuer nicht. Der scheidende Intendant Luc Bondy und seine MitarbeiterInnen wollen „den Blick schärfen“ für die sozialen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Krisen nah und fern. Inmitten der 36 Produktionen aus 24 Ländern haben auch Tanz und Performance eine kleine Ecke erobert.

Üppig ist vor allem das Schauspielprogramm, das heuer mit zehn Uraufführungen protzt. Luc Bondy inszeniert ein neues Stück von Peter Handke („Die schönen Tage von Aranjuez“, Akademietheater); die australische Filmschauspielerin Cate Blanchett ist der Star in Botho Strauß’ bereits klassischem Stück „Groß und Klein“, aufgeführt von der Sidney Theatre Company. Beeilen sollte man sich auch mit dem Kartenkauf für die Bühnen-Adaptation des Romans „Der Meister und Margarita“ von Michail Bulgakow. Der Aufführung des Ensembles Complicite unter Simon McBurney eilt ein fantastischer Ruf voraus (Burgtheater, in englischer Sprache).

Der Tanzbereich ist klein, aber überaus fein: Constanza Macras zeigt die Uraufführung von „Open For Everything“. Seit 2010 hat die in Berlin lebende argentinische Choreografin in Ungarn, Tschechien und der Slowakei Lebensweise, Tanzstile und Musik der Roma recherchiert und  im Verlauf der Arbeit ein großes Ensemble aus Roma-Musikern und -PerformerInnen, Tänzerinnen ihrer Kompanie und Amateuren zusammengestellt. (10., 12. bis 14. Mai, Museumsquartier, 20.30 Uhr)

Erinnerungen rekonstruieren Wen Hui und Wu Wenguang, (Living Dance Studio) aus Peking. „Memory“ wird in einer Kurzfassung von einer Stunde und in der achtstündigen Version gezeigt. Die persönlichen Erinnerungen der Tänzerin Wen Hui an ihre Kindheit während der Kulturrevolution verflechten sich mit den Gespräche, die das Team mit Opfern und Tätern der roten Garde geführt hat. (Kurzfassung: 16. Mai, Schauspielhaus, 19 und 21 Uhr; Langversion: 17. Mai, Schauspielhaus 15 Uhr).

Im Projekt „Memory 2: Hunger“ gedenken die chinesischen KünstlerInnen in epischer Breite der Hungersnot von 1959 bis 1961, die als Ergebnis landwirtschaftlicher Kollektivierung und Fehlsteuerung der Parteiführung zwischen 15 und 45 Millionen Tote gefordert hat. Die ursprüngliche Länge von acht Stunden wurde für Wien auf fünf Stunden gekürzt. Anders als das intime Stück „Memory“ arbeiten Choreografin und Regisseur in „Memory 2: Hunger“ mit der „Masse“. 20 TheaterkünstlerInnen haben mehr als 200 Zeitzeugen interviewt. In der Vorstellung konfrontieren sich die Interviewer mit den Videoaufnahmen der Gespräche. (18. und 19. Mai, Schauspielhaus 18 Uhr.) Als Ergänzung sind in der Dokumentation „Memory Circumstances“ in den Räumen des Schauspielhauses Fotos und Videos der „Memory“-Arbeiten gezeigt.soulimenkoleg

Die Schiene „forum festwochen ff“ hat Künstler aufgefordert sich in der „Wienerwelt“ mit Integration, den Klischees und falschen Interpretationen dieses Begriffs, zu beschäftigen. Neben drei internationalen Positionen zeigen auch drei Wiener Künstler, was ihnen zum Thema eingefallen ist Dem Performer Oleg Soulimenko sind Immigranten begegnet, die in Wien ein erfolgreiches Leben aufgebaut haben. Er präsentiert sie in der Performance „Made in Austria“ hoch über der Stadt, im Donauturm (31. Mai bis 3. Juni, Donauturm, 20.30 Uhr). Das Wiener Kollektiv God’s Entertainment wendet sich an die Einheimischen: „Österreicher integriert euch!“. An den unterschiedlichen Spielorten (Urban-Loritz-Platz, 31. Mai, Ecke Mariahilferstraße/Museumsplatz, 7. bis 9. Juni.; Meidlinger Platz /Niederhofstraße, 14. bis 16. Juni, jeweils von 10 bis 21 Uhr  und Abendführungen ab 18 Uhr) sind Integrationsmobile aufgestellt, in denen Integrationswillige waschechte ÖsterreicherInnen empfangen werden.

Wiener Festwochen, 11. Mai bis 17. Juni 2012

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