feedbacksimonMit der dritten Ausgabe von „Feedback“ gibt das Tanzquartier wieder einen subjektiven Überblick über das Tanz- und Performancegeschehen in Wien. An vier Tagen sind Aufführungen, die im Tanzquartier für exemplarisch für die Formenvielfalt der Tanzszene gehalten werden, noch einmal (oder endlich erstmalig) zu sehen. Erwartet werden neben dem geneigten Publikum auch internationale Gäste, Programmverantwortliche, FestivaldirektorInnen oder KuratorInnen.

Von Amanda bis Willi, von Bitterli bis Wenninger reicht die alphabetische Liste der Mitwirkenden. Eingehendes Studium des Kalenders ist daher empfohlen. Einen Tipp pro Tag erlaube ich mir jetzt zu geben. Subjektiv und keineswegs vorurteilsfrei. Er darf kommentiert, angenommen oder verworfen werden.

22. April. Am ersten Tag werde ich mir in den TQW/Studios Simon Mayer ansehen, der splitternackt auf der Sonnenbank sitzt und humorvoll über Tradition, Volksbräuche und die Klischees in Stadt und Land nachdenkt. „SunBengSitting“ ist perfekte Performance und pures Vergnügen. Wer Kindern den erfreulichen Anblick eines nackt durch die Gegend springenden Geigenspielers ersparen möchte, lässt sie zu Hause.

23.April. Immer wieder und immer wieder anders kann ich Milli Bitterli zusehen, wenn sie versucht die Flüchtigkeit des Tanzes aufzuheben und festzuhalten „Was bleibt“. Im Rahmen des Langzeitprojektes „Was bleibt?“ tanzt Bitterli, begleitet von dem Kameramann Jack Hauser, seit 2004 immer wieder dieselbe Bewegungschoreografie an immer neuen unbekannten privaten und öffentlichen Orten. Hauser hält die kurze Vorführung mit der Kamera fest. Was bleibt, zeigt der Film , „was ist“, zeigt die Tänzerin live vor der Leinwand in der Passage vor den TQW / Studios.

24.April. Amanda Piña und Daniel Zimmermann / nadaproductions sind ebenfalls fix im Kalender eingetragen. Ihre Performance „War“ beschäftigt sich nicht nur mit polynesischen Kriegstänzen, sondern thematisiert auch die Teilung von Kunst in zeitgenössisch versus traditionell als Fortsetzung kolonialistischer Machtverhältnisse. Was heute getanzt wird, sagen sie, ist heutiger Tanz. „War“ wurde seit der Uraufführung 2013 im Tanzquartier bereits in vielen europäischen Ländern und bei unterschiedlichen Festivals aufgeführt.  feedbackchivalry
Damit der Tag nicht zu ernst und ich nicht zu nachdenklich werde, sehe ich mir im Dschungel Wien auch an, wie die eisernen Ritter einander vernichten. In der Komödie „Chivalry is Dead“ widmen sich Alex Deutinger und Alexander Gottfarb den ritterlichen Tugenden („Chivalry“) und beschwören in ihren Rüstungen die Welt der Rollenspiele, in denen das Mittelalter glorifiziert wird. Doch so edel, stark und tapfer sind die Ritter von heute schon lang nicht mehr. Der Aufführungsort signalisiert, dass diesmal junges Volk willkommen ist.

25.April. Am letzten Tag gönne ich mir eine üppige Performance, bunt und appetitlich. Chris Haring / Liquid Loft zeigt am 25. April den letzten Teil seiner „Perfect-Garden“-Serie: „Deep Dish“. Eine barocke Inszenierung, die das Werden und Sterben im Garten der Lüste zeigt. Luke Baio tanzt mit der Handkamera und zeigt im Mikrokosmos die organischen Skulpturen von Michel Blazy, lenkt den Blick auf verfaulendes Obst und quirlige Wasserflöhe bis sich die Körper (Stephanie Cumming, Katharina Meves, Anna Maria Nowak) in den Makrokosmos dehnen und die Orange zum Sonnenball wird.

Zwölf Performances werden in den vier Feedback-Tagen an unterschiedlichen Aufführungsorten gezeigt. Manche als Unikat, andere sogar mehrmals. Versäumen gilt diesmal nicht. An zwei Tagen (24., 25. April) wird auch geredet: „Imaginary Relationsships“ ist das Thema der „(Un)Konferenz“, die das Tanzquartier gemeinsam mit dem European Dancehouse Network (EDN) und dem Dachverband Tanz Deutschland veranstaltet. Die etwas verquaste Verdeutlichung der Veranstaltung kann hier nachgelesen werden.

Feedback 3rd Edition“ Plattform des aktuellen Tanz- und Performancegeschehens Österreichs aus der Perspektive des Tanzquartier Wien. 22.–24.April 2015. Information mit Spielorten und Beginnzeiten.