McGregor Kairos1Soviel Schlagkraft ist selten! Drei ästhetisch wie musikalisch unterschiedliche Choreografien hat der Brite Wayne McGregor in seinen Portraitabend für das Bayerische Staatsballett gepackt. Die drei Stücke erweisen sich im Programmverlauf als Gesamtkunstwerke aus Musik, Licht, wenigen markanten Ausstattungselementen und einer jeweils eigenwillig-schrägen, megaverschraubten und scharf konturierten Bewegungssprache.

Kunststoff1Selten habe ich das Publikum in Dschungel Wien durchgehend so aufmerksam erlebt. Auch die Zustimmung am Ende des Stückes war enthusiastisch, jedoch nicht übertrieben polternd. Das Kollektiv Kunststoff – das sind Christina Aksoy, Waltraud Brauner, Raffaela Gras und Stefanie Sternig – hat mit seinen Zukunftsvisionen offenbar den Nerv der digital natives getroffen und dafür auch ein rundum ansprechendes Format mit Tanz, Musik (Peter Plos) und Visuals (nita) gefunden.

1 MerwuerdigDie Tänzerin, Choreographin und Regisseurin Jing Hong Okorn-Kuo aus Singapur, international erfahren und bewährt im Umgang mit anerkannten Profis, trug sich schon seit langem mit dem Gedanken, mit älteren Menschen zu arbeiten: Ausgehend von der Frage, welche Spuren das Leben in ihnen hinterlassen habe und ob und wie diese Spuren durch künstlerische Mittel sichtbar zu machen seien, inszenierte sie im Grazer Forum Stadtpark  – laut Untertitel – „eine performative Forschungsreise mit Menschen ab 60“.

SBB SchwanenseeDas Besondere an der Aufführung war nicht so sehr die Besetzung – obwohl die Vorstellung mit Polina Semionova als Odette/Odile und Marian Walter als Prinz Siegrfied hochkaratig gecastet war. Vielmehr gab es einen „Schwanensee“ mit MInimaldekoration, da die Deutsche Oper aufgrund eines Wasserschadens noch immer nicht voll funktionsfähig ist. Der Blick auf die edle Tanzkunst, aber auch auf die psychologisierende Choreografie von Patrice Bart sollte so unverstellt bleiben.

JRohn248 Lebensjahre haben die zwei Künstlerinnen noch vor sich - statistisch errechnet entsprechend der für ihr jeweiliges Geburtsjahr geltenden Lebenserwartung und den Lebensdaten ihrer Vorfahren. Nüchtern werden diese Fakten auf den Tisch, respektive auf die Festtafel gelegt, rund um die sich ihre Gäste, vulgo ihr Publikum (maximal 20 an der Zahl), versammelt haben: um das Sterben zu thematisieren.