Tanz und mehr über Tanz über Bewegung über Theater über Tanzgeschichte über Community Dance über Ausstellungen über Film über Tanzaufführungen über Performance über Musik über Tanzvermittlung über Tänzer über Tänzerinnen über Tanztraining über Tanzkritiken über Tanzevents über Kultur über Körper über Spitzentanz über Modern Tanz über zeitgenössischen Tanz über afrikanischen Tanz über Flamenco über Cirque nouveau über Rhythmus über Urban Dances über Hip Hop

wachter2Die Inszenierung österreichischer Literatur ist Programm im Theater Franzjosefskai21 von Alexander Waechter. Diesmal rezitiert er aus Joseph Roths Familiensaga „Radetzkymarsch“. Die Geschichte über die Trottas ist nicht nur ein Schlüsselwerk zum Verständnis des Zerfalls der Donaumonarchie, für den Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki (1920-2013) zählte es zu den Top 20 der deutschen Literatur.  Wie immer erweckt Waechter mit seiner Interpretation sowohl Inhalt als auch die altösterreichische Sprache zu neuem Leben.

Der Großvater Joseph Trotta ist der Held von Solferino, da er in besagter Schlacht das Leben des Kaisers gerettet hatte. Damit ist er für die nachfolgenden Generationen ein Vorbild, das sie nie erreichen können. Aufgrund einer unwahrheitsgemäßen Heroisierung seiner Tat in einem Schulbuch, verlässt er die Armee und verbietet seinem Sohn die militärische Laufbahn. Dieser wird also Beamter wider Willen, für seinen Sohn Carl Joseph aber hat er die Soldatenkarriere geplant. Im Enkel brechen die Familienkonflikte als Metapher für das Scheitern der Monarchie durch, er wird Alkoholiker, hat Spielschulden und wäre ruiniert, würde die Hand des Kaisers nicht noch immer schützend über der Familie Trotta liegen. Als Carl Joseph beschließt die Armee zu verlassen, bricht der Erste Weltkrieg aus. Er wird zum Dienst an der Front einberufen. Rettete sein Großvater einst unter Einsatz seines Lebens den Kaiser, so stellt sich der Enkel nun schützend vor seine Soldaten. Bei einem Versuch für sie Wasser zu holen, fällt er.waechter

Stimmgewaltig und ausdrucksstark macht Alexander Waechter aus diesem Text ein leidenschaftliches Plädoyer. Zweieinhalb Stunden lang führt er vor Augen, wie die Nachkommen des Helden von Solferino an ihren Rollen zunehmend verzweifeln: Für den Schauspieler ist diese One-Man-Show eine Tour de Force, die dem Publikum den engen Zusammenhang zwischen politischen Umständen und individuellen Schicksalen eindringlich zu Bewusstsein bringt. Nun ist die Aufführungsserie aufgrund der großen Nachfrage verlängert worden.

Alexander Waechter „Radetzkymarsch“ am 13. Oktober 2017 im Theater Franzjosefskai21. Weitere Vorstellungen: 7. November bis 1. Dezember, jeweils Dienstag, Mittwoch, Freitag, Samstag und Sonntag.