PavillonIn der letzten Aufführung des Neumeier-Doppelprogramms beim Wiener Staatsballett (tanz.at berichtete über die Premiere) tanzte noch einmal die „Alternativbesetzung“. In „Le Pavillon d’Armide“ gaben Jakob Feyferlik und Ioanna Avraam das Ehepaar Nijinksy. Eno Peci debütierte als Arzt bzw. Diaghilev. Keine Alternative für ihr Solo in „Sacre“ gibt es wohl für Rebecca Horner, die auch diesmal mit ihrer ganzen Energie gegen Strawinski antanzte.

Jakob Feyferlik ist zweifellos ein Ausnahmetalent. Seine Begabung als danseur noble hat er bereits als Jean de Brienne in „Raymonda“ unter Beweis gestellt. Dass demnächst weitere Prinzenrollen folgen werden, davon ist auszugehen. Allerdings fehlen dem jungen Tänzer jene Lebenserfahrungen, die die Gestaltung einer Charakterrolle wie Nijinsky in „Le Pavillon d’Armide“ ausmachen. Zweifellos beachtlich, wie Feyferlik die Wahnvorstellungen interpretiert, wie er sich vor den Geistern seiner Vergangenheit zu schützen sucht, indem er sich quasi in sich verkriechen möchte. Das ist Mitleid erregend. Doch von der Persönlichkeit des Vaslav Nijinsky bleibt dabei wenig übrig. Im Duo Nijinskys mit Diaghilew hingegen wird der Eros quasi „herauschoreografiert“: Zu kompliziert sind die Handgriffe und Windungen, mit denen Feyferlik und Eno einander umgarnen und manipulieren, um erotische Gefühle aufkommen zu lassen. Das wiederum schafft Raum, um die Beziehung von Romola Nijinsky (Ioanna Avraam) mit dem Arzt (Eno Peci) deutlicher herauszustellen – in bedeutungsvollen Gesten und Blicken manifestiert sich ihre Affäre. Der Pas de trois aus „Le Pavillon d’Armide“ wurde souverän von Liudmila Konovalova, Natascha Mair und Davide Dato interpretiert, ebenso wie der Danse siamoise von Masayu Kimoto, der der Rolle allerdings weniger Sinnlichkeit verlieh als Davide Dato bei der Premiere.Sacre

Die hybriden Wesen in „Sacre“ wurden neben der eingangs erwähnten Rebecca Horner von Nikisha Fogo und Francesco Costa angeführt, die sich wie das gesamte Ensemble ohne Rückhalt einbrachten. Strawinskis Score war wie bei der Premiere unter der Leitung von Michael Boder ein musikalischer Hochgenuss.  

Wiener Staatsballett: „Le Pavillon d’Armide“ | „Sacre“ am 16. März 2017 in der Wiener Staatsoper