Tanz und mehr über Tanz über Bewegung über Theater über Tanzgeschichte über Community Dance über Ausstellungen über Film über Tanzaufführungen über Performance über Musik über Tanzvermittlung über Tänzer über Tänzerinnen über Tanztraining über Tanzkritiken über Tanzevents über Kultur über Körper über Spitzentanz über Modern Tanz über zeitgenössischen Tanz über afrikanischen Tanz über Flamenco über Cirque nouveau über Rhythmus über Urban Dances über Hip Hop

Simulacrum„Simulacrum – seems like a room“ heißen die neuen Medienspielereien des Duos Luke Baio & Dominik Grünbühel. Wieder experimentieren sie mit verschiedenen Realitäts- und Abbildungsebenen und verändern mittels filmischer Techniken die Wahrnehmung. Andreas Berger hat dazu einen elektroakustischen Sound gebastelt, der mühelos unterschiedliche Erlebniswelten evoziert.

Ist das Gitarrenkabel wirklich zu kurz, oder gehört Baios Irritation zur Show? Jedenfalls ist der Opening Sampler, den Baio auf der Gitarre und Grünbühel am Bass einspielen schon aufgenommen und damit ein Teil der „Filmmusik“ schon fix im Kasten. Dazu wollen sich die beiden durch eine (optische) Zwergentür zwängen oder rocken als geteilter Körper auf der Leinwand, die beiden sind dabei gleichzeitig auf der Bühne für das Publikum gut sichtbar.

Aus dem letzten Stück (tanz.at berichtete) kennen wir den Raum der nächsten Szene, den der Mann betritt, bereits: eine tickende Riesenuhr, eine geheimnisvolle Nachricht im Jackett, ein Glas Whiskey, eine Zigarette und das Feuerzeug in der Tischlade – ganz wie aus einem Hitchcock-Film der 50er Jahre. Baio & Grünbühel kreieren die Suspense aber durch ungewöhnliche Kameraeinstellungen, die immer andere Blickwinkel auf den Akteur preisgeben.

Nach einigen Wiederholungen wird die Zigarette endlich in angezündet, der Rauch in das Modell einer brennenden Fabrik geblasen, dass es nur so qualmt. Cut. Durch Glitzerlicht und einen Schwenk im Soundtrack mutiert sie zur Hollywood-Traumfabrik. Mit einem Nebeltunnel und Spiegeln geht das muntere, mediale Verwirrspiel weiter. Durch eine geschickte Kameratechnik erreicht ein Tänzer hier die kaleidoskopischen Effekte à la Busby Berkeley, wofür dieser noch -zig Tänzerinnen im Gleichklang der Bewegung brauchte.

Auf ihrer Reise zwischen der Realität und ihrer Abbildung entdecken Luke Baio & Dominik Grünbühel immer wieder neue technologische Tricks. Bei „Simulacrum – seems like a room“ können diese immer wieder verblüffen. Und doch fehlt hier die zwingende Dramaturgie, die das technische Arsenal der beiden bisher immer rechtfertigte. Vielleicht ist ihnen einfach die Zeit ausgegangen? Bei der Premiere wirkte das Stück jedenfalls noch wie Rohschliff, ein work in progress – das aber dennoch allemal sehenswert ist.

Luke Baio & Dominik Grünbühel: „Simulacrum – seems like a room“, Premiere am 18. April 2017. Weitere Vorstellungen am 19. Und 20. April im WUK