sharks1Valentin Alfery ist ein Name, den man sich merken muss. Mit seiner Choreografie „Hidden in Plain Sight“ zeigt er, wie man Urban Dance aus der kommerziellen Umklammerung und akrobatischen Zwanghaftigkeit befreit ohne auf die Stärken der unterschiedlichen Hip Hop Tanzstile zu verzichten. Das Ergebnis ist ein überaus dynamisches, aufregendes, künstlerisch kinetisches Bühnenerlebnis.

Alfery arbeitet mit seinem Kulturverein Hungry Sharks von Salzburg und Klagenfurt aus. Die ausgezeichneten zwölf Tänzerinnen und Tänzer mit unterschiedlichen Backgrounds kommen aus ganz Österreich. „Hidden in Plain Sight“ hatte im Choreographic Center Bleiburg/Pliberk im August seine Uraufführung. Sozusagen ein Bundesländerpaket, das die Wiener Tanzszene im brut gehörig aufmischte.

Alfery benützt das Urban Dance Vokabular als Baukastensystem für eine Choreografie, in der komplexe Bewegungsabläufe in einem Loop-Modus wiederholt werden. Dieser Ansatz bietet sich an, da im Urban Dance ein System besteht, in dem die Moves von im Breaking, Locking, Popping etc. zu ihren Ursprüngen verfolgt werden können und einen eigenen Namen haben. In dieser Art der Kodifizierung hat der Hip Hop Tanz Ähnlichkeit zum klassischen, akademischen Tanz, bei dem ebenfalls jede Bewegung eindeutig benannt wird. Doch damit sind die Parallelen auch schon weitgehend erschöpft. Die fabelhaften Tänzer von Hungry Shark sind nämlich Autodidakten, die sich in Battles und Workshops weiterbilden – und offensichtlich gibt es in dieser Szene ein reichhaltiges Talentepool.sharks3

Jeder Tänzer hat also seinen eigenen Minitanz, der ihn immer wieder in ein und dieselbe Stellung zu seinen Kollegen bringt. In drei Etappen wird der Aktionsraum auf der Bühne sukzessive verkleinert, bis die Tänzerinnen sich kaum noch bewegen können, ohne einander anzurempeln. Das passiert aber nicht, denn hier ist eine präzise Millimeterarbeit am Werk. Am Ende wird der Raum über die ursprünglichen Grenzen hinaus erweitert, die Galerie im brut mit einbezogen.

Dieses klug aufgebaute und akribisch und detailreich durchchoreografierte Stück schließt aber auch den Zuseher ein, der beim Zusammensetzen des Puzzles gefragt ist. Auch wenn die einzelnen Moves immer wiederkehren, so werden doch ständig neue Formationen und Beziehungsgeflechte zwischen den Tänzern sichtbar.

Choreografisch ist Alfery mit „Hidden in Plain Sight“ weit über den Urban Dance Ursprung hinausgegangen und hat die Jugendkultur bühnentauglich gemacht. Mit der Komposition von Patrick Gutensohn ebnen Hungry Sharks auch auf musikalischer Ebene den Weg ins zeitgenössische Fach. Ein willkommener Input, der im ausverkauften Brut zu Recht lautstark bejubelt wurde.

Hungry Sharks „Hidden in Plain Sight“ am 12. November 2016 im brut Wien. Nächste Vorstellung am 13. November.