JudithJudith – mit dem Namen ist nicht nur ihre Person verbunden, sondern auch das Klimt-Gemälde der biblischen Gestalt und ihre Großmutter; nun trägt auch die neue Oper von Judith Unterpertinger diesen Namen. Magdalena Knapp-Menzel hat mit kreativen Wortspielen das Libretto verfasst, doch der Fokus liegt auf dem Tanz. Martina Haager versucht, den drei Figuren auf der Bühne und im Video Leben einzuhauchen und ist wohl die Idealbesetzung – auch und besonders für die Kamera.

Bei ihrer hochästhetischen Inszenierung ist die Choreografin Katharina Weinhuber sehr reduziert und abstrakt geblieben, hat auf die Balance zwischen Musik, Tanz und Video (sehr stimmig, von Catherine Ludwig) geachtet. Die schlichten, eleganten Kostüme in Blautönen stammen von Salomé Ritterband. Die Zuschauer sitzen in zwei Blöcken einander gegenüber, und sehen je nur eine Seite des Geschehens. Die Bühne ist durch zwei Videowände geteilt vor der die Tänzerin und die Sängerinnen agieren. Ein interessantes Raumkonzept, das den langen „Schlauch“ der Hofstallungen im Museumsquartier optisch kompakt werden lässt.

Für die drei Frauen hat Unterpertinger jeweils ein musikalisches Zitat gewählt – aus der Barockmusik, aus der Volksmusik und aus ihrem eigenen Werk. Die Tänzerin verkörpert die drei Judiths durch unterschiedliches Bewegungsmaterial: tierähnliche Fortbewegung für die zeitgenössische, eine herausfordernde Haltung für die biblische und verlangsamte Gesten für Großmutter Judith. (Der 2010 Verstorbenen ist das Stück gewidmet.). Besonders berühren jene Szenen, in denen die Kamera auf dem Gesicht der Tänzerin verharrt – Martina Haagers hat ein äußerst fotogenes Gesicht, das in sich zu ruhen scheint.Haager

Die Sängerinnen sind nicht den einzelnen Figuren zugeordnet. Vielmehr bestimmt ihre unterschiedliche Stimmqualität ihren Einsatz. Mit Elisabeth Kanettis, Claudia Cervenca und Anna Maria Pammer stehen drei sehr unterschiedliche Sängerinnen auf der Bühne, die vom klassischen Fach, aus dem Jazz und aus dem Schauspiel kommen. Das „Orchester“ besteht ebenfalls aus drei Instrumenten – Fagott (Robert Gillinger), Viola da Gamba (Eva Neunhäuserer) und Clavichord (Manon-Liu Winter) – und wird von Chef der Neuen Oper Wien, Walter Kobéra geleitet.

In „Judith | Schnitt_Blende“ werden die Frauenfiguren in jeweils einer Szene dargestellt, eine Verbindung zwischen ihnen lässt sich auf den ersten Blick nicht ausmachen, was dieser Tanzoper zusätzlich einen rätselhaften Aspekt verleiht.

Neue Oper Wien: „Judith | Schnitt_Blende“, Uraufführung am 22. Oktober 2015, letzte Vorstellung am 25. Oktober