brut yoyoAls internationale Koproduktion zeigt der finnische Performancekünstler Mikko Niemistö, wie man sich auf die Katastrophe vorbereitet und auch danach gut leben kann. Idee und Konzept stammen von Joonas Lahtinen, in Wien und Helsinki lebender Bühnenkünstler und Regisseur. Dem Thema entsprechend hat das Team der Gruppe „onemorequestion“ die Krypta unter der Kirche St. Ursula als Spielort ausgewählt.

Was braucht man, um sich auf den Supergau (Weltkrieg oder Tsunami, Erdbeben oder Atombombe) vorzubereiten und sich auch als Überlebender behaglich zu fühlen?

Nicht nur genügend Wasser und Instantnahrung (samt einem Tauchsieder) und ein Fahrrad, um Strom zu erzeugen, sondern auch Voraussicht, Gelassenheit (Yoga üben!) und Selbstvertrauen (Coaching buchen!). Und natürlich Erinnerungen an bessere Zeiten (Bilder von der Liebsten, ein Video vom Strandurlaub samt Vogelgezwitscher und  Meeresrauschen aus dem Lautsprecher (fleißig treten nicht zu vergessen), einen Rasenteppich samt Blumenschmuck aus dem Möbelhaus und einen Beamer, der an die Decke des Schutzbunkers den blauen Himmel zaubert. Man könne sich schon wohl fühlen in diesem Ambiente, wenn nicht die mahnende Stimme aus dem Off wäre, die an von anderen erlebte Katastrophen erinnert und vor neuen warnt.

Die gute Stunde im rauen, kalten Keller, dessen unverputzte Wände durch die Erinnerungsvideos mit seltsamen Fresken geschmückt werden, lebt von der verschmitzten Darstellung Mikko Niemistös. Sorgsam und betulich im Sinne der züchtigen Hausfrau richtet er sich im Gewölbe ein, reflektiert mit freundlichem Blick ins Publikum die reale Aufführungssituation und hüllt das surreale Katastrophenszenario in milde Ironie. Eine sanfte Satire, die das Abrüsten, Abregen, die Gelassenheit und die Möglichkeit das Beste aus jeder Situation heraus zu holen, gegen Aufregung und Aufrüstung, gegen die Angst und Pessimismus setzt. Sympathisch und entspannend.

onemorequestion / Joonas Lahtinen, Mikko Niemistö und andere: “YoYo – You are On Your Own“, brut in der Universität für Musik und darstellende Kunst (mdw), 3. Februar 2014.
Noch drei Vorstellungen, 4. 5. 6., 19 Uhr, Seilerstätte 26.