hambbeweTanzend lernen: Das Bundesjugendballett tritt mit Hamburger Schülern in der Kampnagelfabrik auf. Wie gut, dass Kampnagels große Bühne Platz für sie alle bietet: für die Tänzer vom Bundesjugendballett, für ihre Gäste aus der Ballettschule des Hamburg Balletts und eben auch für die über 350 Schüler der Katholischen Schulen in Hamburg.

„Bewegt!“ ist ihr gemeinsamer Abend überschrieben, ein gutes, passendes Motto für diese bunte, fröhliche, wilde und energiegeladene Collage aus Tanz, Schauspiel und Musik. Sechs Monate Arbeit und Vorbereitung stecken in der Veranstaltung und man kann sich die Mühen der Organisation eines solch groß angelegten Projektes vorstellen. Doch das Bundesjugendballett hat da schon Erfahrung. Seit seiner Gründung in der Spielzeit 2011/12 haben die Tänzer des achtköpfigen Nachwuchsensembles immer wieder Workshops in Schulen abgehalten. 2012 traten sie außerdem zusammen mit 500 Schülern auf dem Hamburger Rathausmarkt auf. Da die jungen Tänzer (alle um die zwanzig) immer nur für zwei Jahre im Bundesjugendballett bleiben dürfen, hat die Besetzung inzwischen gewechselt. Zum Ensemble der zweiten Generation gehören Jemina Bowring, Sara Coffield, Maria del Mar Hernández, Madoka Sugai, Nicolas Gläsmann, Yehor Hordiyenko, Luca-Andrea Tessarini und Hélias Tur-Dorvault.

Schön zu sehen, wie es den Tänzern gelingt, mit den vielen kleinen und schon etwas größeren Schülern wirklich gemeinsam aufzutreten. Denn natürlich könnte ein Projekt wie dieses auch anders aussehen. Schüler als bloße Statisten für die Präsentation der professionellen Tänzer. Aber so ist es hier nicht. Die Tänzer des Bundesjugendballetts zeigen ihr Können, ohne dabei das Zusammenspiel mit den Kindern aus den Augen zu verlieren. Sie nehmen sich angenehm zurück, mischen sich unter die Darsteller, sind Teil des Ganzen. Den Rahmen für dieses homogene Gesamtkonzept hat Kristofer Weinstein Storey geschaffen. Er hatte die choreographische Leitung inne. Zusammen mit Alexander Radulescu, der Regie geführt hat, ist es ihm eindrucksvoll gelungen, pädagogische und künstlerische Ambitionen miteinander zu vereinen. Es ist eine schwungvolle Performance, die er da auf die Bühne gebracht hat.

Hiphop, Tango, Cheerleader-Songs - vieles haben die Schüler geprobt und mutig präsentiert. Auch Orchester und Chor können überzeugen. Da merkt man, wie groß das Interesse der Schulen an einer fundierten musikalischen Ausbildung ist. Spannend an diesem Abend ist aber auch, dass Stücke aus dem Repertoire des Bundesjugendballetts neu erarbeitet wurden. Darunter John Neumeiers „Simple Gifts“, Teil einer Choreographie zu den „Old American Songs“ von Aaron Copland. Kombiniert mit Weinstein Storeys Choreographie für die Schüler erhält diese Arbeit von 2013 nun einen ganz anderen Gestus, erscheint neu lesbar. Aber es gibt auch speziell für dieses Projekt entstandene Arbeiten. So hat Weinstein Storey zu Ravels „Bolero“ ein Bewegungsvokabular gefunden, dem uneingeschränkt alle Schüler gerecht werden können. Als hilfreich erweist sich dabei, dass Patrick Eberts als Solotänzer mit viel Gespür eine Art Erzählfaden durch das vibrierende Treiben dieser Stücke zieht. Und wenn ein Schüler trotzdem einmal nicht weiter weiß, schaut er sich einfach schnell nach den Profis um. Auf diese ist Verlass. In „An der schönen blauen Donau“ von Johann Strauß Sohn lässt Weinstein Storey kleine und größere Tänzer miteinander ihre Runden drehen, ungleiche Paare, die wundersam zusammengehören. Ein poetisches Bild in einem Tanzabend, der den Schülern sicher genauso viel Spaß gemacht hat wie dem Publikum.

Bundesjugendballett und Kulturforum 21 des katholischen Schulverbandes Hamburg: „Bewegt!“ Kampnagel Hamburg am 18. Jänner 2014

Weitere Auftritte des Bundesjugendballetts: Internationales Musikfestival Heidelberger Frühling: 28.-31. März 2014: mit dem Bundesjugendorchester auf Deutschlandtournee: 20.April 2014 Baden-Baden, 21. Arpil Essen, 25. April Köln, 2. Mai Hamburg, 4.Mai Berlin, Podium Festival Esslingen: 5. bis 11. Mai 2014