microboomZur zehnten Ausgabe seines Coaching- und Monitoring-Programms Artist at Resort (AAR) lud das Tanz*Hotel ehemalige ResidenzkünstlerInnen zur Wiederaufnahme ihrer Produktionen ein. Die meisten der an zwei Wochenenden gezeigten Stücke waren bestehende Produktionen, die weiterentwickelt  oder an die Raumsituation adaptiert wurden. Michael Turinsky und Cornelia Voglmayr brachten ihre Produktion „Micro Boom“ zur Uraufführung.

Weit über 20 KünstlerInnen haben bisher beim Tanz*Hotel Projekt AAR mitgewirkt. Das Jubliäums-Abschlussprogramm zeigte denn auch die ganze Bandbreite von inklusivem Tanz, über die Verbindung von Tanz, Musik und Video bis hin zu einer Art von kabarettistischen Einlage.

Der seit seiner Geburt körperbehinderte Philosoph und Künstler Michael Turinsky überrascht sowohl als Choreograf als auch als Tänzer immer wieder. In „Micro Boom“ überschreitet er ständig seine physischen Grenzen und verschmilzt mit seiner Partnerin Cornelia Voglmayr in aufregend körperlicher Komplizenschaft. Die beiden verlassen sich auf die Schwerkraft, nützen den Auftrieb des Körpergewichts. Ihre Variationen sind physisch schonungslos, dynamisch geladen - und gleichzeitig ein wunderbares Beispiel gelebter Contact-Improvisation, die Turinsky aus dem Rollstuhl bis in den aufrechten Stand katapultiert. Turniskys Lust an den komplexen Bewegungen, die auch von der einfühlsam, aber keineswegs vorsichtig agierenden Partnerin geteilt wird, ist deutlich sichtbar und spürbar. Nach diesen Sequenzen voll fordernder Körperlichkeit ergreift er das Mikrofon. Sein Atem wird zu einem Soundteppich, der sich im Raum ausbreitet und schließlich im Duett mit Vogelmayr zu einem Lied wird (Sound/Technik: Simon Schwarzmann).travellingheart

Die Beziehung von Tanz und Musik steht auch – obgleich in ganz anderer Form – im Mittelpunkt von „Travelling*Heart II – Pure“. Choreograf und Tanz*Hotel-Chef Bert Gstettner, die Tänzerin Kanako Sako und der Kontrabassist Matija Schellander haben die ursprünglich im Rahmen einer Ausstellung im Bildraum 07 erarbeitete Installation choreo- und videografisch weiterentwickelt. Eingehüllt in ein dunkelgraues Gespinst betritt die Tänzerin den Raum. Durch ihre Bewegungen wirft das Kostüm (Devi Saha) immer neue Formen. Ich sehe einen verletzten Elefanten, der seine Haut ablegt, aus dem die Tänzerin entsteigt. Der Tanz zum nun eingeblendeten Video unterbricht die Geschichte, die in meinem Kopf entstanden ist und lässt mich nicht mehr hineinfinden. Denn die Interaktion zwischen Tänzerin und Videobild hat sich noch nicht eingespielt, und der Stoff des wandelbaren Kostüms bleibt unbelebt auf dem Boden liegen.

Den Abschluss des Abends bildete Matthias Mollner, der als „The Runner“ wohl seine überschüssige Energie los werden wollte. Die skurril- verrückte Performance endete mit einer Schaumdusche, die Mollner mittels einer Fahrradpumpe aus einer selbst gebastelten Puppen-Skulptur pumpte.

AAR Term 10: Michael Turinsky & Cornelia Vogelmayr „Micro Boom“, Bert Gstettner: „Travelliong*Heart II – Pure“, Matthias Mollner „The Runner – Level 2“ am 7. Dezember 2014 im Tanz*Hotel