crackzEr bringt Streetdance von der Straße auf die Bühne und verbindet ihn mit Techniken des zeitgenössischen Tanzes: Der brasilianische Choreograf Bruno Beltrao zeigt seine neue dynamische Arbeit CRACKz (Danca morta) bei den Wiener Festwochen, die erst in der vergangenen Woche in Brüssel uraufgeführt wurde.

Zwölf Tänzer und eine Tänzerin der Grupo de Rua aus Niteroi in der Nähe von Rio de Janeiro verrenken sich gelenkig in flotten Hip-Hop-Tanzsolos die Körper oder durchstreifen in Zweier bis Sechser-Teams den Raum. Sie „schrauben“ und drehen sich wie Kreisel durch den Raum und ineinander, eine Gruppe greift in die Bewegungsrichtung der anderen ein, zwei oder mehrere Gruppen verschmelzen miteinander. Auf zu Skateboards umfunktionierten Turnschuhen rutschen sie gemeinsam in den Raum, aufgestellt in einer Formation wie Schachfiguren zum Angriff. Mal sieht es aus wie Spiele, manchmal werden die Spiele aber zu ernsten Situationen, manchmal zu Duellen oder Straßenkämpfen. Spektakuläre Sprünge, geräuschvolle Stürze, gegenseitiges Durch-den-Raum-Schieben, wildes Gestikulieren und Diskutieren, all das könnten alltägliche Situationen auf den heißen Straßen Brasiliens sein. Aber auch anderswo auf der Welt. Urbane Klänge erfüllen den Raum und die Lichtstimmungen auf der Bühne der Halle G im Museumsquartier durchlaufen die Stimmungen eines Tages: vom hellen Tageslicht zu rötlichem, immer blasser werdenden Licht der Sonne, Schatten, die immer tiefer werden, bis zur dunklen Nacht, in der die Tänzer sich scharf wie Schattenrisse vom Gegenlicht abheben.

Der Titel der Arbeit, „CRACKz“, bezieht sich auf „cracken“, auf unerlaubtes Kopieren von Computerprogrammen oder Spielen und der ursprüngliche Arbeitstitel „Danca morta“ bedeutet „tote Gesten“. Bruno Beltrao, der selbst mit 13 Jahren zu tanzen begonnen hat, beschäftigt sich in seiner neuen Arbeit mit Recycling von Material aus dem Internet, mit „gestohlenen Gesten“. Kunstproduktion im digitalen Zeitalter ist stark mit Recycling-Prozessen verbunden und so hat Beltrao seine Tänzer choreografisches Material aus dem Internet sammeln lassen, um es in seiner Arbeit zu repetieren und neu zusammenzusetzen. Heraus kommt kein totes Material, sondern lebendige, urbane Gesten in abstrahierter, choreografierter Form, die dynamische Bilder entwerfen, wie sie in einer globalisierten, rund um die Uhr vernetzten Welt überall situiert sein könnten.

Bruno Beltrao / Grupo de Rua, CRACKz (Danca morta), 26. Mai 2013 Halle G im Museumsquartier, www.festwochen.at . Noch zu sehen am 28. Mai 2013