comeback_wsilveriMit frenetischem Applaus wurde die Wiener Premiere von Doris Uhlichs Choreografie „Come Back“ im brut gefeiert. Seit der Uraufführung beim Steierischen Herbst im vergangenen Oktober hat der Abend an Geschmeidigkeit und auch Brillanz gewonnen, jedoch nichts an Energie und Spielfreude verloren.

Als ob es das erste Mal wäre, werfen sich die fünf ehemaligen TänzerInnen der Wiener Staatsoper und Volksoper in die Vergangenheit und bleiben doch ganz gegenwärtig. Die Frage nach ihrem Alter stellt sich nicht, die Frage nach der Vergangenheit beantwortet jede Bewegung. Ob sie Lautsprecherboxen herum schleppen oder in einen wilden Shake ausbrechen, ob sie als schlafende Schwäne schwankend in Position stehen oder staunend und leicht amüsiert ihrer eigenen Stimme zuhören, die aus der vor dem Bauch gehaltenen Box erklingt – es sind vier Tänzerinnen und ein Tänzer von gestern, die im Heute auftreten. Und sie haben etwas zu erzählen, auch wenn die 68er Ereignisse an ihnen unbemerkt blieben, während sie an der Stange trainiert haben. Mit ihren Erinnerungen und dem neugierigen Blick in die Gegenwart, „versöhnen sie mit feinem Humor, fast beiläufig, das klassische Ballett mit dem zeitgenössischen Tanz.“ (Kritik der Uraufführung)

Etwas gestrafft und geglättet, jedoch keineswegs zur Routine geworden, vergeht die Performance im Flug (fast möchte ich sagen, auf Schwanenflügeln) und mit dem Applaus möchte ich gerne „Da capo“ rufen, um die knisternde Spannung zwischen den beiden ehemaligen Solotänzerinnen Marialuise Jaska und Susanne Kirnbauer noch einmal zu spüren, über Violetta Springnagel-Storchs schenkelklatschende Variation zur unhörbaren Musik aus dem iPod zu staunen oder den Atem anzuhalten, wenn Renate Loucky zu einem Ausschnitt aus dem Adagio von „Spartakus“ (Aram Chatschaturjan) verträumt flimmert. Die Choreografin ist gnadenlos: mitten im Takt wird die süße Musik abgebrochen, die Träume vom Ballett sind ausgeträumt. Percy Kofranek zieht die Motorradkluft an und wandelt sich zum Rockstar. „We are doing what we can.“ Und was sie können!

Doris Uhlich: „Come Back“, Wien-Premiere am 16. Jänner 2012 im brut.

Weitere Vorstellungen: 18., 19., 22., 24.–26. Jänner 2012 und am  17. Februar im Festspielhaus St. Pölten

Im März ist „Come Back“ nach Berlin eingeladen.