12_kaleranKühle Ästhetik fasziniert neben Beinballett mit Blümchen-Leggins. Drei vielversprechende Nachwuchs-Performances zur Halbzeit beim Impuls Tanz Festival: An Kaler und Ula Sickle zeigen ein Spiel mit zusätzlichen PerformerInnen, die „Licht“ und „Sound“ heißen und die neben den TänzerInnen zu wesentlichen Elementen werden. The Loose Collective spannt mit ihrem Feelgood-Musical einen überbordenden Zeitrahmen vom Jahr 1600 bis 2112 und bezaubert durch wohltuenden Humor und Leichtigkeit.

An Kaler und ihr großartiges Team schaffen einen hochästhetischen Abend, der durch kühle, faszinierende Klarheit geprägt ist. Drei großflächige Bilder (Bühne: Stefanie Rauch) befinden sich in der Mitte des in seiner ganzen Länge genutzten Marmor-Saales im Kasino am Schwarzenbergplatz. Eines der Bilder ist aus einfärbig braunem, das andere aus hellgrauem Stoff, nur das dritte  Bild ist aus dunklen und hellen Metallplatten. Die Bilder werden durch das außergewöhnliches Lichtkonzept (Licht: Bruno Pocheron, Florian Bach) zum Glühen gebracht, in Farben getaucht oder können sich in schwarze Löcher verwandeln.

Diese wandelbaren Bilder korrespondieren mit den drei TänzerInnen. Auch sie ähneln einander in Kleidung, Bewegung und Energielevel, Geschlechtsunterschiede verschwinden und werden unbedeutend. „Insignificant Others (Learning to look sideways)“ nennt An Kaler ihre Arbeit und der Titel ist Programm. Die TänzerInnen bleiben in sich gefangen und einsam, blicken stets aneinander vorbei. Es entstehen zusammen mit Licht, Sound und Bühne lebende Bilder im Raum, „Tableaux vivants“. Die TänzerInnen ziehen – obwohl sie einander nie wahrzunehmen scheinen - starke Energielinien durch den Raum, die sich kreuzen und Verbindungen und Muster entstehen lassen. Stark auch der Sound und die Musik von Brendan Dougherty, der ein Spiel mit Intensität und Ruhe treibt und das Vakuum fühlbar macht, als er den Sound einmal verstummen lässt.

Auch Ula Sickle spielt in ihren „Light Solos“ mit Wahrnehmung, Licht und dem an die Beleuchtung gekoppelten Sound, der visuelle und akustische Rhythmen vorgibt.  Yann Leguay (Ton und Licht) verwendet Verstärker für die Scheinwerfer und macht das An- und Ausschalten der Lampen damit hörbar. Zu Beginn bewegt Ula Sickle sich kaum, sie steht im Zentrum von Scheinwerfern, die um sie im Kreis angeordnet sind und die sie abwechselnd mit Stroboskopeffekt „anblitzen“ und damit Bewegung simulieren. Aber nicht nur Bewegung, auch ihr Aussehen, Gesicht, Alter, ihre Größe und Statur scheinen sich stetig zu verändern. Es entsteht der Eindruck, als würde man verschiedene Personen sehen. Im zweiten Teil arbeitet sie mit schnelleren Bewegungen und scheint plötzlich viele Arme zu haben, die sich gleichzeitig bewegen und durchscheinende Haut, als würde ihre Aura sichtbar werden.

Wunderbar erfrischend war das Remake des ersten Broadway Musical Hits von 1866  „The Black Crook“ durch The Loose Collective, das nun im Rahmen von ImPulsTanz wieder zu sehen war. Es nennt seine Bearbeitung „Here comes the Crook“ in der es vor keinem no-go halt macht und gewaltig im Genre und darüber hinaus wildert. Nebenher „kopiert“ es ungeniert - mit „leichten Verschiebungen“ bei der Nachahmung - auch gleich den zeitgenössischen Tanz auf erfrischende Art und Weise. Die TänzerInnen haben keine Scheu vor Einfachheit, die aber ehe man sich’s versieht durchaus komplexer ist, als sie oberflächlich betrachtet scheint. The Loose Collective arbeitet mit zwei Bühnen auf denen simultan gespielt wird, einer der DarstellerInnen wird immer zum/zur VortänzerIn, auf der (Haupt-)Bühne wird fleißig abgekupfert. Natürlich ohne übertriebene Mühe das Abkupfern zu verschleiern. Großartig das Beinballett in hautfarbenen, mit zartem Blumenmuster bedruckten Strumpfhosen dreier Tänzer des Kollektivs, das zwischen Yoga, Aerobic, Ballett und Selbsterfahrung angesiedelt ist.

An Kaler „Insignificant Others (Learning to Look Sideways)“, am 27.7.2012, Kasino am Schwarzenbergplatz

The Loose Collective “Here Comes the Crook”, am 27.7.2012, MQ Halle G

Ula Sickle, “Light Solos”, am 29.7.2012, WUK. Weitere Vorstellung 31.7.2012 im WUK www.wuk.at

www.impulstanz.at