borchchristineMit halb verhülltem, halb entblößtem Körper eröffnete Christine Borch am Freitag die Nachwuchs-Reihe [8:tension] des ImPuls Tanz Festivals 2012. Ein Körper, der gleichermaßen Tierisches wie Menschliches in sich zu tragen schien. Jefta van Dinthers Tanz stellte in "Grind" die Wahrnehmung mit Licht- und Soundeffekten auf die Probe. Die beiden Produktionen bilden den Auftakt für 14 Arbeiten, die für den Prix Jardin d´Europe antreten.

Animalisch, aber noch mit Ansätzen menschlicher Kultivierung war auch die Kleidung von Christine Borch: Eine kurze weiße Wollhose, und ein überdimensionaler Woll-Schal, den die Tänzerin und Choreografin wie einen großen Kragen um den Hals geschlungen hatte. Darüber hinaus nichts -  auf einer weiß-getünchten Bühne, auf der nur Atmen und das Zirpen von Insekten zu hören waren. In diesem leeren Raum lotete die Tänzerin die Grenzen ihres Körpers aus, trieb diesen an, bis alle Zeichen menschlicher Kultivierung von ihr abfielen, und aus ihrem Mund und ihrer Lunge nur noch tierische Laute kamen. Für ihre Choreografie hat Christine Borch schon den ersten Preis für „Das beste deutsche Tanzsolo“ bekommen.

Die zweite Produktion der Young Choreographers` Series am ersten ImPulsTanz-Wochenende war Jefta van Dinthers „Grind“, das auch schon bei Scores No 5 im Tanzquartier Wien zu sehen war. Mit der Lichtkünstlerin Minna Tiikkainen und dem Sounddesigner David Kiers wurde eine dichte, von Dunkelheit und intensivem elektronischen Sound geprägte Atmosphäre geschaffen. Im Gegensatz zu Christine Borchs Arbeit, bei der mit minimalem Setting vorwiegend innere Körperzustände sichtbar wurden – wirkten hier auch  äußere, technische Einflüsse von Sound und Licht auf den sich unter Hochspannung bewegenden Tänzer.

Heuer wurde die [8:tension]-Newcomerreihe auf 14 Arbeiten von jungen ChoreografInnen erweitert, die für den 5. Prix Jardin d´Europe antreten. Ausgewählt wurden die Arbeiten durch Mitglieder des Jardin d´Europe Netzwerk, das künstlerische Team von ImPulsTanz und fünf KünstlerInnen, die im Rahmen der Choreographic Platform Austria (CPA*12) vertreten sind.

In dieser Woche sind in dieser Reihe unter anderem noch Naoko Tanakas „Die Scheinwerferin“ zu sehen, in der sich die Künstlerin mit einer Lampe auf die Suche nach den Schatten in ihrem Leben begibt. Oder die Arbeit zweier vormaliger Tänzer bei Wim Vandekeybus: Raúl Maia und Thomas Steyaert, die in einem „mystischen Ballett“ miteinander kommunizieren. Florentine Holzinger beschäftigt sich mit Fake und Wirklichkeit – und Akrobatik mit Stoffstreifen, genannt „Aerial Silk“. Die beiden finnischen Choreografinnen Eeva Muilu & Milja Sarkola arbeiten über „menschliche Verkleidung“ und Nacktheit.

http://www.impulstanz.at/programme12/8tension/

Christine Borch "The body that comes", ImPuls Tanz, [8:tension], am 13. Juli 2012, Schauspielhaus Wien

Jefta van Dinther & Minna Tiikkainen & David Kiers, ImPuls Tanz, [8:tension], am 13. Juli 2012,  Kasino am Schwarzenbergplatz