ichbinokDie Choreografinnen Milli Bitterli und Nicole Berndt-Caccivio sowie die künstlerischen LeiterInnen der „Ich bin O.K. Dance Company“, Hana und Attila Zanin, haben „3 Geschichten über Freundschaft“ vertanzt. Der Abend mit der integrativen Tanzcompagnie thematisierte das Miteinander mit abstrakten, theatralen und  sehr bewegten choerografisch-tänzerischen Konzepten – mitreißend waren alle drei.

Unter der Leitung von Hana und Attila Zanin ist es dem Kultur- und Bildungsverein „Ich bin O.K.“ in den letzten Jahren gelungen, sein künstlerisches Profil nachhaltig zu schärfen. Neben der pädagogischen Arbeit für behinderte und nicht behinderte TänzerInnen mit Unterricht in Ballett, zeitgenössischem Tanz, Tanzimprovisation und Hip Hop und Aufführungen – zuletzt brachte der Verein im März dieses Jahres die Produktion „Der Zauberer von OK“ mit über 100 TänzerInnen auf die Bühne des Theater Akzent – gibt es seit zwei Jahren die „Ich bin O.K. Dannce Company“, in der die begabtesten TänzerInnen des Vereins mitwirken.

Hana und Attila Zanin legen in ihrer Arbeit mit den TänzerInnen mit Down Syndrom „den Fokus auf das künstlerische Niveau der TänzerInnen – weg von der ausschließlichen Wahrnehmung als ‚Sozialprojekt’“,  sagen sie. Und mit ihrem sorgfältig ausgewählten, gemischten Cast legen sie dieses Niveau auf eine hohe Latte.

Der dreiteilige Abend begann mit „Gehen“ in der Choreografie von Milli Bitterli, getanzt von Stefan Musil und Attila Zanin. Zwischen den beiden Männern entspinnt sich ein Dialog, über das Anders-Sein (Stefan meint, Menschen mit Down-Syndrom seien eben anders, etwa so wie Mutanten), über das Tanzen und über Freiheit. Stefan ist ein Entertainer und setzt seine komische Begabung auf der Bühne sehr gezielt sowohl in der Mimik als auch in der Bewegung ein. Der hinreißende verbale und tänzerische Dialog der beiden nimmt kontinuierlich an Spannung und Dynamik zu und erweist sich als hervorragender Eisbrecher für den Abend.

Denn dann kommen die Damen: In Nicole Berndt-Caccivios Stück „Doppelgängerin“ sind Clara Horvath und Johanna Ostermayr in betörendes Rot gewandet, während Hana Zanin und Anna Prokopová in schwarz gekleidet sind. Die Roten sind ganz damit beschäftigt, einander zu verschönern, die Freundschaft der schwarzen Frauen manifestiert sich hingegen in kämpferisch-agressiven Tanzsequenzen. Erst als die roten Ladies sich einmischen, nehmen auch die anderen beiden Frauen sanftere Züge an.

Hinreißende Hip Hop Moves und witzige Interaktionen kennzeichnen das dritte Stück „Alle für einen, einer für alle“ mit Kirin Espana, Simon Couvreur, Raphael Kadrnoska.

In allen drei Stücken fällt auf, wie entspannt und vertraut die TänzerInnen mit der Bühnensituation umgehen. Hier ist keine Scheu zu sehen, alle strahlen ein durchaus gesundes Selbstbewusstsein aus. Und sie sind wunderbar authentisch. Das steckt an: die ZuschauerInnen lassen sich bei der Zugabe nicht lange bitten und tanzen auf der Bühne gut gelaunt mit den DarstellerInnen ab.

Ich bin O.K. Dance Company mit „3 Geschichten über Freundschft“ am 28. Juni im Dschungel Wien