schmutzderzeit

„Pimp My Integration“ heißt die Projektserie postmigrantischer Positionen in der Garage X. In deren Rahmen präsentierten Michaela Wolf und Durmus Dogan ihre performative – sie nennen es „migratorische“ – Installation „Schmutz der Zeit“, die auf dem gleichnamigen Roman basiert.

Michaela Wolf sitzt im Fauteuil und liest vor. Die Geschichte handelt von Zwangsehe, Scheidung und neuem Eheglück, das sich alsbald als trügerisch erweisen wird. Sie handelt von anatolischen Riten, Traditionen, Überlieferungen – man mag all das „Kultur“ nennen – in Gegenüberstellung mit dem Wiener Stadtleben. Es geht um die Unterdrückung der Frau. Vordergründig. Im Hintergrund sitzen vier Männer beim Kartenspiel. In den Lesepausen hört man sie reden, zunehmend werden sie aber vehementer, ärgerlicher, aggressiver in ihrem Tonfall. Besonders für einen von ihnen scheint das Spiel nicht wie gewünscht zu laufen.

Hinter dieser Oberfläche der Geschlechtertrennung steckt die Unterdrückte, die aus ihrer Rolle nicht entfliehen kann, und das Kopftuch wird zum Symbol für die Zerrissenheit. „Eigentlich sollte ich mit zwei Köpfen leben. Ich sollte mit der Sippschaft Kopftuch tragen, und zu Hause und bei der Arbeit nicht … zwei Leben, eins mit und eins ohne ...“ sinniert Gül, die Protagonistin des Romans.

In der Mitte der Bühne hat Keiko Arai unterdessen unzählige Tücher um sich herum geordnet. Langsam schlingt sie eines nach dem anderem über ihren Kopf, probiert immer wieder andere Arrangements aus, verbirgt ihr Gesicht ganz hinter dem Stück Stoff, lässt nur die Augen frei oder knüpft es modisch und keck auf ihrem Haupt. Ein einsames Dasein unter vielen Tüchern.

Die Welten der kartenspielenden Männer, der Frau und ihrer Tücher und der Leserin bleiben getrennt. Wie die drei Häuser in der Bühneninstallation von Behruz Heshmat. Und auf der Seite sitzen die Eltern und schauen dem Geschehen teilnahmslos zu.

 Durmus Dogan & Michaela Wolf: „Schmutz der Zeit“ am 25. Jänner 2012 in Garage X

Die Projektserie „Pimp My Integration“ läuft noch bis 10. Februar

Das Buch „Schmutz der Zeit“ ist bei Amazon erhältlich.

{iframe}http://rcm-de.amazon.de/e/cm?t=tanzat-21&o=3&p=8&l=as1&asins=3839155444&ref=tf_til&fc1=000000&IS2=1&lt1=_blank&m=amazon&lc1=0000FF&bc1=000000&bg1=FFFFFF&f=ifr{/iframe}