salzburgSein 20-jähriges Jubiläum als Ballettchef am Salzburger Landestheater beging Peter Breuer eine ganze Woche lang. Premiere hatte die Kinderproduktion „Dornröschen“. Nach Vorstellungen seiner Erfolgsproduktionen „Carmen“ und „Romeo und Julia“ bildete eine Gala mit international hochkarätigen Gästen den Abschluss der Ballettwoche.

„Dornröschen“ ist eine Produktion mit Kindern für Kinder: „für Junggebliebene von 6 bis 120 Jahren“, wie Peter Breuer sein Zielpublikum definiert. Gemeinsam mit den 16 TänzerInnen der Compagnie des Salzburger Landestheaters sind rund 30 Kinder sowie Schauspieler und Statisten – insgesamt also mehr als 50 Personen - auf der Bühne. In der Rahmenhandlung hat eine englische Lady, die das die allseits bekannte Handlung erzählend kommentieren wird, mit ihrem Butler eine Autopanne in der Nähe von Dornröschens Märchenschloss. Ehe man es sich versieht, ist man mitten drin im Geschehen, erhält der Butler doch für eine Stunde Urlaub, um dem Hofstaat als königlicher Oberhofteppichausroller auszuhelfen.

In den Divertissements kommen neben dem gestiefelten Kater und dem weißen Kätzchen oder dem Rotkäppchen und dem bösen Wolf auch Rumpelstilzchen, der Froschkönig und der kleine Däumling, Pippi Langstrumpf und eine Entenfamilie samt drei Entenkindern zum Einsatz. Tänzerische Fixpunkte des beliebten Ballettklassikers wie das Rosenadagio oder der Grand Pas de deux dürfen nicht fehlen. Die vielseitige Anna Yanchuk verkörperte mit Eleganz die Aurora, Marian Meszaros zeigte sich als viriler Prinz Florimund. Als böse Carabosse überzeugte die dämonisch-hexenhafte Christina Uta; ihr liebliches Pendant als gütige Fliederfee war Eriko Abe. Unter engagiertem Einsatz des gesamten Ensembles sowie der Bühnenmaschinerie (Drehbühne, Versenkung, Schnürboden) wurden in komprimierter Form zwei vergnüglich-unterhaltsame Stunden geboten, die vor allem den Kindern im Publikum durch aktives Mitmachen und Miterleben viel Spaß machten.

Nachdem die Bandbreite des Repertoires der Balletttruppe mit Aufführungen von Breuers „Carmen“ und „Romeo und Julia“ gezeigt wurde, wurde die Jubiläums-Ballettwoche zum Ausklang mit einer Gala unter Beteiligung von internationalen Gästen gekrönt. Zum Gedenken an Erich Walter, den Mentor von Peter Breuer, floss der Erlös des Galaabends an die AIDS Hilfe Salzburg.

Bekanntes und Beliebtes, Berührendes und berückend Schönes ergaben eine abwechslungsreiche Mischung, die von der gastgebenden Compagnie mit „Light my Fire“ (aus der Produktion „Wiener Abend“ in der Choreografie von Peter Breuer zur Musik von Friedrich Gulda) eröffnet und mit dem sich ekstatisch steigernden „Bolero“ (ebenfalls eine Kreation des Ballettchefs) endete. Auch der Schlusspunkt vor der Pause wird von den Salzburgern gesetzt: mit „Pass on“ (Choreografie: Ingo Meichsner) zu Musik von Steve Reich. Im „Bolero“ steigert sich, der Musik entsprechend, die sinnlich-fordernde Präsenz durch die wachsende Anzahl von Tänzern auf der Bühne bis hin zum effektvollen Schluss, in dem das Ensemble als ein Gesamtkörper auftritt- In „Pass on“ hingegen ist die gesamte Truppe durch den dynamisch-sportiven Stil von Beginn an mitreißend.

Die Gästeliste setzte sich größtenteils aus Vertretern jener Theater zusammen, an denen Peter Breuer entweder als Tänzer oder als Choreograf gewirkt hat. Energiegeladen und fulminant präsentierte sich der Tänzernachwuchs aus Stuttgart: Daniel Camargo setzte gemeinsam mit Partnerin Elisa Badenes einen temperamentvoll-feurigen tänzerischen Höhepunkt mit dem Pas de deux aus „Don Quixote“. Große Ballettklassik wurde mit dem „Dornröschen“-Pas de deux von Ivy Amista und Lukáš Slavický vom Bayrischen Staatsballett elegant zelebriert. Aliya Tanikpaeva (die ehemalige Solistin an der Wiener Staatsoper tanzt nun beim Zürcher Ballett) war edler Mittelpunkt zweier Piecen: zunächst setzte sie gemeinsam mit Stanislav Jermakov und Vahe Martirosyan stilvoll den Grand Pas de trois aus „Raymonda“ in Szene. Nach der Pause tanzte sie mit letzterem die Sarabande aus „…und mied den Wind“ (Choreografie Heinz Spoerli) in ästhetisch schöner Klarheit.

Der Beitrag von Yuko Kato und Jörg Weinöhl vom Ballett am Rhein Düsseldorf Duisburg war ganz besonders exquisit: „12 Tänze“ von Martin Schläpfer. Der daraus gezeigte Pas de deux ist ein berührendes Stimmungsbild voll sensibler Feinsinnigkeit, liebevoll-zärtlichem Tanz und manchmal humorigem Anflug.

Absolute Musikalität und stilvollen Tanz zu perlendem Klavierspiel vereinten Blythe Newman und Admill Kuyler vom Badischen Staatstheater Karslruhe. Ihr Pas de deux aus dem „Klavierkonzert Es-Dur“ in der Choreografie von Uwe Scholz ist ein Glanzstück an schlichter, klarer Schönheit.

Denis Untila vom Essener Ballett steuerte mit dem Solo „Les Bourgeois“ von Ben van Cauwenbergh den „Reißer“ des Abends bei – Machismo pur vereint mit explodierender Sprungkraft. Im zweiten Teil dann eine Eigenkreation des Tänzers mit „Feeling good“, das er sich akrobatisch-schwungvoll auf seinen Tänzerkörper geschrieben hat. Levente Bajari und Ildiko Bacskai von der ungarischen Staatsoper Budapest interpretierten „Whirling“ von András Lukács (Halbsolist und Choreograf im Wiener Staatsballett) zur Musik von Philip Glass. Mit wellenförmigen Bewegungen wird die ebenso anmutende Musik in kraftvollen wie elegisch-poetischen Tanz umgesetzt. Abwechselnd synchron gleitend, dann wieder ineinander verwoben folgen sie den Intentionen des Choreografen, der sich in klarer Strukturierung gern am Graham Stil orientiert und von seinen tänzerischen Erfahrungen bei Forsythes Frankfurt Ballet beeinflusst ist. Thoriso Magongwa vom Ballett-Theater Johannsiburg bzw. Ballett St. Pölten tanzte das Solo “Called” (Choreografie von Kitty Phetla): ein androgyner Körper voll katzenhafter Geschmeidigkeit.

Das gelungene Tanzfest im Landestheater begeisterte das Publikum, das mit Jubel und Applaus den Abend begleitete und war ein Auftrag an den erfolgreichen Ballettchef Peter Breuer für weitere Jahre die Musikstadt Salzburg mit viel Ballett zu beleben.

Auch Intendant Carl Philip von Maldeghem ließ es sich nicht nehmen, den Jubilar zu beglückwünschen. Um den hohen Stellenwert des Balletts in Salzburg am Landestheater zu bekräftigen, avisierte der Intendant höchstpersönlich den Termin für die nächste Ballettwoche: im Jänner 2012 soll sie in der Woche vor der Mozartwoche stattfinden und mit einer Produktion von Sasha Waltz einen spartenübergreifenden Brückenschlag finden.

Salzburger Ballettwoche, 16. bis 23. Jänner 2011

„Dornröschen“, 22. Jänner 2011, Salzburger Landestheater

Gala, 23. Jänner 2011, Salzburger Landestheater