Churchill1Seit Oktober 2014 hat die renommierte Schauspielschule, Max Reinhardt-Seminar, mit Tamara Metelka eine neue Leitung bekommen. Eines ihrer Ziele ist die Öffnung des Instituts und seine Präsenz in der Wiener Theaterwelt. Im April spielen die StudentInnen im Akademietheater und im Theater an der Josefstadt. Mit der ersten Vorstellung im Akademietheater von „Liebe und Information“ der britischen Dramatikerin Caryl Churchill gab es einen überaus gelungenen Einstieg in die Serie.

„Liebe und Information“ besteht aus einer Serie kurzer Szenen, die kein Narrativ ergeben. Und doch gibt es eine Art roten Faden zwischen den Miniaturen der Alltäglichkeit. Es geht um das Zusammenleben in einer sich ständig beschleunigenden Welt und das Bestreben der Menschen darin ihre Orientierung zu finden. Es ist ein ideales Stück für StudentInnen, die schnell von einem Charakter in den nächsten wechseln müssen. Die acht angehenden SchauspielerInnen machen das mit großem Verständnis für die Situationen, in denen sie agieren, auch wenn – bedingt durch das experimentelle Format des Stückes – die Textanalyse vernachlässigbar ist. Jedenfalls hat Esther Muschol (auch sie eine Absolventin des Max Reinhardt-Seminars) mit acht NachwuchsschauspielerInnen des dritten Jahrgangs (Ricarda Bistram, Josephine Bloéb, Johanna Prosl, Michael Köhler, Mchaela Saba, Luka Vlatkovic, Marvin Weiß, Meo Wulf) eine flotte, kurzweilige Revue inszeniert. Wenige, aber effektvolle dramaturgische Akzente setzen die musikalischen Inserts von Rupi Derschmidt. Agnes Hamvas (Bühnenbild und Kostüme) hat ein Pappendeckelhaus gebaut, das die DarstellerInnen nach und nach zerlegen und damit den Raum immer neu definieren. Der darüber hängende schräge Riesenspiegel bietet dem Publikum außerdem eine zusätzliche Perspektive auf die Aktionen. In den unzähligen Kostümen lässt sie die StudentInnen immer gut aussehen.Churchill2

Die Initiative des Max Reinhardt-Seminars Wiener Theater zu bespielen ist für Schule und Theater eine Win-Win-Situation. Die StudentInnen der letzten beiden Jahrgänge verlassen den geschützten Rahmen ihrer Ausbildungsstätte und das Theater erhält durch den Nachwuchs eine Art Frischzellenkur. Als zweites Stück am Akademietheater kommt am 17. April „Das Schlangennest“ von Copi in der Regie des Studenten Evgeny Titov zur Aufführung. Ab 22. April steht das Festival „Ungebremst“ im Theater in der Josefstadt auf dem Spielplan. An sieben Abenden spielen Studierende des dritten und vierten Jahrgangs in drei Produktionen. Den Auftakt macht „Clockwork Orange“ nach dem Roman von Anthony Burgess in der Inszenierung und Textfassung von Felix Hafner (3. Studienjahr). Studierende des vierten Jahrgangs können ihre Talente in Spiel, Tanz und Gesang im musikalischen Abend „Tod im Freibad“ unter Beweis stellen (24. April), und ab 6. Mai gibt es eine neue Version von Franz Wedekinds „Lulu“ von David Stöhr, Student im dritten Jahrgang, zu sehen. 

Tickets für das Akademietheater
www.burgtheater.at

Für die Josefstadt
www.josefstadt.org