Mandl6Als der liebe Gott die Tänzerinnen erfunden hatte, wollte er sie ein bisschen näher oben, bei sich, haben, der Schelm. So erschuf er die Hebefigur. Doch: wer sollte sie ausführen? So erfand er, ungern, aber doch, den Tänzer.

Mandl Imove5 iconNatürlich soll man auf seinen Körper hören. Aber, im fortgeschrittenen Leben, wird aus dem frischfröhlichen Dialog zwischen Leib und Seele ein ziemlich fader Monolog, gehalten von Körperteilen. Ähnlich den bedauernswerten Menschen mit unbehandelten Depressionen, drehen sich die jammervollen Muskeln und Knöchelchen in ihrer erzählerischen Dauerschleife: Es drückt und quetscht, zwickt und zwackt. Es hinkt und knickt. Allein finden sie nicht aus dem Schlamassel. 

IMove4 IconEs stimmt schon: es fällt sich weniger, und wenn schon, dann viel charmanter, wenn man tanzt. Meine liebe Freundin Patrizia, Schul-Sitznachbarin vor hundert Jahren, die ich vom Tanzen überzeugen konnte, sieht das auch so. Eigentlich wollte sie damals, vor vier, fünf Jahren, nur fürs Eistanzen ein bisschen Ballett machen. Jetzt fährt sie extra zwei Busstunden, um nur ja keine Tanzstunde zu versäumen. Und fällt seltener als damals, in der Acht A.

Mandl3 ButohNun habe ich, ach, schon drei Wochenenden mit meiner Rosalia-Chladek-Tanzausbildung zugebracht. Zwei davon im Keller. „?“ Ja, dort steht nebst dem onlinefunkenden Laptop unser häusliches Sport- und Tanzstudio zwischen der Buchhaltung vergangener Jahre und dem Hundefutter. Fürs Balletttraining eine fahrbare Kleiderstange sowie der Hundefrisiergalgen als Barre, sowie eine Bauhausplane – der Harlequintanzboden für Tänzer in Rente.

Madl ballettChristoph Mandl hat sich im reifen Alter entschlossen, eine Tanzausbildung zu machen, über die er in der  tanz.at-Serie „I, move“ schreibt, im 2. Teil geht es um Blut, Schweiß und Tränen: 
Die Lieblingsformation meiner Jugend war so, wie das Lebensgefühl eines Siebziger-Jugendlichen. Kein Auge blieb trocken, Blut erstarrte in den Adern und so manche Träne quoll aus trunken-verschwollenen Augen. 

Mandl1Christoph Mandl hat sich im reifen Alter entschlossen eine Tanzausbildung zu machen, über die er in der neuen tanz.at-Serie „I, move“ schreibt. Und so beginnt seine Geschichte:
Die ersten 50 Lebensjahre Körperfeindlichkeit, mehr als vier Jahrzehnte beruflich im Schreiben, nicht im Bewegen zu hause. Mit 40 einmal ein Herzinfarkt, der niemanden wunderte, nicht einmal mich. 

Panel webDas war wohl einer der gemeinsamen Nenner, auf die sich die Diskutanten bei der Veranstaltung anlässlich des 20jährigen Bestehens des Tanzquartier Wien (TQW) einigen konnten. Die eingangs gestellten Fragen „Wohin entwickeln sich zeitgenössischer Tanz und Performance? Wie wird der Tanz der Zukunft aussehen? Welchen Tanz wünschen wir uns, welchen brauchen wir?“ fanden erwartungsgemäß keine zusammenlaufenden Antworten. Christoph Mandl fragte anschließend auch bei Anna Leon, der neuen Kuratorin für Tanztheorie am TQW nach.

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